Eigentlich kennt man Nils Strassburg als schillernden Elvis-Interpreten, der mit mindestens neunköpfiger Band und fulminanten Tribute-Shows die Konzerthallen füllt. Bei seinem Auftritt im Rahmen von „Kultur im Freien“ in Holzgerlingen zeigt sich Strassburg, der im benachbarten Altdorf aufgewachsen ist, allerdings ausnahmsweise mal in zivil. Naja, so zivil, wie man es einem der größten Elvis-Fans Deutschlands wohl erwarten kann. Mit weit aufgeknöpftem, buntem Hemd, mit breitem, golden funkelndem Gürtel und schwarzer Haartolle betritt er die Bühne, nur begleitet von einem Gitarristen. Gesungen wird an diesem Abend durchaus. Der Fokus liegt aber auf Strassburgs erstem Buch, das in Kürze erscheinen soll: seiner Autobiografie „Mein Leben als Elvis“. Ein Tagebuch der Erinnerung, das er selbst als eine Form der Warnung, Ermutigung und Rettung beschreibt.
Auch für Nils Strassburg ist eine musikalische Lesung etwas völlig Neues. Doch der Abend zeigt: Der Elvis-Darsteller kann nicht nur singen und performen, sondern auch schreiben. Mit viel Selbstironie, aber auch der nötigen Portion Nostalgie beschreibt er sein Leben als Elvis-Fan und Interpret des King of Rock’n Roll.
Lesen Sie aus unserem Angebot: „Kultur im Freien“ geht in die nächste Runde
Live gesehen hat Nils Strassburg sein großes Idol leider nie. Als Elvis 1977 starb war Strassburg nämlich gerade mal zwei Jahre alt. Fan wurde er erst vier Jahre später, als ihn ein wiederholtes Elviskonzert im Fernsehen vom Spielen mit seinem Cousin ablenkte. „Danach habe ich alles gesammelt, was mit Elvis zu tun hatte“, schildert Nils Strassburg.
Was folgte, waren die Gründung eines kleinen Fanclubs, dem nur Familienmitglieder angehörten und der erste Versuch, sich in einen Mini-Elvis zu verwandeln. Mit einem Schmunzeln beschreibt Strassburg, wie er als kleiner Bub versuchte, sich die Haare schwarz zu färben. Erst mit dem übrig gebliebenen Haarfärbemittel seiner Mutter, dann mit deren Wimperntusche und zum Schluss sogar mit Schuhcreme.
2012 als bester Elvis-Interpret Deutschlands ausgezeichnet
Später sollte Nils Strassburg dann auch beruflich in die Fußstapfen des Kings treten. Die ersten Gehversuche als Elvis-Darsteller liefen allerdings weniger erfolgreich. Das erste Konzert bei einem Musikfeuerwerkfestival endete mit einer Bruchlandung im Matsch. Bei einem „Brau dich“-Konzert durfte Strassburg dann im Stuttgarter Schlosspark Trauungen vornehmen und konnte sich nur mit knapper Not vor einer Horde hartnäckiger weiblicher Fans retten. Erst Jahre später sollte aus diesem holprigen Start eine Tribute-Show werden, für die Nils Strassburg 2012 sogar als bester Elvis-Interpret Deutschlands ausgezeichnet wurde. „Ich war immer ein Mensch voller Visionen und Träume“, sagt er. „Vielleicht weil ich tief in mir drin immer Kind geblieben bin.“
Wenn Nils Strassburg in den Spiegel schaut, sieht er seinem Buch zufolge drei verschiedene Versionen seiner selbst: Einmal den normalen Nils, dann den Elvis-Fan Nils und dann noch den „Nelvis“, als der er regelmäßig auf der Bühne steht. „Im echten Leben bin ich vor allen Dingen Nils und der Fan“, sagt er. Wie groß diese Fan-Leidenschaft ist, zeigen auch die zahlreichen Elvis-Anzüge aus seiner privaten Sammlung. Den „Pinguin Suite“ und den „Aloa Suite“ sowie die Jacke seiner ersten Elvis-Lederkluft hat er zu Anschauungszwecken sogar mit auf die Bühne gebracht. Dass er sein großes Vorbild nie selbst kennen lernen durfte, bedauert Nils Strassburg durchaus. Wichtig ist dem Elvis-Interpreten deshalb zu betonen, dass er Elvis nicht komplett kopieren oder ersetzen will. Aber er möchte dafür sorgen, dass der King in gewisser Form weiterlebt.
„Die Generation meiner Kinder kann Elvis nicht mehr erleben“, sagt er. „Aber ich kann versuchen, sein Vermächtnis für sie erlebbar zu machen.“