Kulturszene in Stuttgart Calwer Passage wird kreativ bespielt

Von Ina Schäfer 

Die Calwer Passage in Stuttgart wird kreativ bespielt, das Cannstatter Projekt Contain’t fürchtet um seine Existenz und die Wagenhallen-Künstler können nun für immer am Inneren Nordbahnhof bleiben.

Am Freitag gehen Künstler in den Calwer Passagen ans Werk, während die Kulturschaffenden in Bad Cannstatt wohl bald die Koffer packen. Klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke und sehen sie Zwischennutzungen der letzten Jahre im Überblick. Foto: Achim Zweygarth 15 Bilder
Am Freitag gehen Künstler in den Calwer Passagen ans Werk, während die Kulturschaffenden in Bad Cannstatt wohl bald die Koffer packen. Klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke und sehen sie Zwischennutzungen der letzten Jahre im Überblick. Foto: Achim Zweygarth

Stuttgart - Beim Thema Zwischennutzung liegen Freud und Leid manchmal ganz nah beieinander. In dieser Woche war das besonders gut zu beobachten. Am Montag verschickt Marco Trotta, Vorsitzender des Kulturvereins Contain’t, eine Nachricht mit dem Betreff „Kurz vor dem Aus“. Nur einen Tag später landet eine Mail von den Wagenhallen-Betreibern im Postfach, Betreff: „Für immer“. Und am Freitag wollen Kreative in die Calwer Passage einziehen und sie vorübergehend nutzen.

Während die Wagenhallen mitteilen, dass sie nun für immer am Inneren Nordbahnhof bleiben dürfen und ihre Räumlichkeiten sogar noch vergrößern werden, muss Contain’t wohl schon im November dieses Jahres auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Bad Cannstatt die Koffer packen. „Wir müssen gehen, obwohl wir noch nicht einmal richtig angefangen haben“, sagt Marco Trotta. Zwar sei von Anfang an klar gewesen, dass der Vertrag Ende des Jahres auslaufe, doch „uns hat man immer gesagt, das sei nur eine Formalie“, sagt Trotta. Das Amt für Liegenschaften und Wohnen, zuständig für die Verpachtung, möchte dazu noch keine Auskunft geben. „Das muss alles noch geklärt werden“, sagt der Leiter des Amtes Thomas Zügel. Für Mitte Mai sei ein Termin anberaumt, an dem alle für das Projekt zuständigen Ämter wie das Stadtplanungsamt und das Baurechtsamt sowie die Künstler selbst teilnehmen sollen.

Die Kulturschaffenden hoffen auf einen Termin im Rathaus

Seit knapp zwei Jahren befinden sich die Kulturschaffenden des Vereins schon auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in Bad Cannstatt. Sie dürfen dort ihre Container, Waggons und Hütten aufbauen, darin arbeiten aber dürfen sie nicht, sagt Trotta. Auch Veranstaltungen durfte es dort bisher nur mit Sondergenehmigungen geben. Der Grund: der zweite Bauantrag, der die Nutzung und die Organisation von Veranstaltungen beinhaltet, ist noch nicht genehmigt. „Uns fehlen dafür noch Unterlagen“, sagt Rainer Grund, der stellvertretende Leiter des Baurechtsamtes. Das Lärmschutzgutachten sei zwar inzwischen nachgereicht, es erlaube Veranstaltungen – außerhalb des Betriebs auf dem Cannstatter Wasen –, andere Unterlagen aber fehlten noch. Das versteht Trotta, doch: „Wenn wir alles nachreichen, dauert es gewöhnlich Monate, bis wir den Bescheid bekommen, dann lohnt es sich kaum noch, den Betrieb aufzunehmen“, sagt er resigniert. Er hoffe nun auf den Termin im Rathaus, um doch noch starten zu können.

An anderen Orten geht es derweil schneller. In der Kulturniederlassung Südwest an der Türlenstraße sind schon zum zweiten Mal Kreative eingezogen. Bis das Quartier Ende 2014 abgerissen werden soll, herrscht dort Betrieb. Ebenso ist das Azenberg-Areal im Stuttgarter Norden dank eines Investors viele Monate bespielt worden. Mit Lesungen, Partys, Kunst und Kultur. Ende des Monats wird im Norden allerdings Schluss sein – wie angekündigt.

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