Kultusministerin Eisenmann hat Bedenken Früher Ferienstart bringt Probleme

Kultusministerin Eisenmann sieht organisatorische Probleme mit dem Ferienfrühstart. Foto: dpa/S. Gollnow

Der frühere Beginn der Weihnachtsferien ist nicht so einfach: Bei der Notbetreuung von jüngeren Schülern droht ein Engpass. Selbst die Kultusministerin hat Bedenken – und die Kommunen fühlen sich überlastet.

Stuttgart - Die Ansicht der baden-württembergischen Landesregierung und der Lehrerverbände, dass die Städte und Gemeinden bei einem früheren Weihnachtsferienbeginn die Notbetreuung von jüngeren Schülern übernehmen müssen, stößt bei denen auf Widerstand. „Wir gehen davon aus, dass die Notbetreuung in den verlängerten Weihnachtsferien, wie auch schon während des ersten Lockdowns, über Lehrer sichergestellt wird“, sagte eine Sprecherin des baden-württembergischen Gemeindetages. „Für die Kommunen wird es sehr schwierig, eine Betreuung so kurzfristig zu stemmen – gerade in der Woche vor Weihnachten. Wo sollten die zusätzlichen Fachkräfte herkommen?“

 

Ministerin will die Beschlüsse umsetzen

Zuvor hatte auch die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) deutlich gemacht, dass sie mit scharfer Kritik von arbeitenden Eltern und mit Problemen bei der Notbetreuung wegen des früheren Ferienstarts rechne. „In der Lebenswirklichkeit löst das schon bei dem einen oder anderen Probleme aus“, sagte sie am Mittwoch in Stuttgart. „Das ist vor Ort ein großes Thema.“ Wenn man plane, die Weihnachtsferien um einige Tage nach vorne zu verlegen, werde der Ruf nach einer Notbetreuung laut, warnte Eisenmann. Das widerspräche aber dem Ansatz der Selbstquarantäne, die ja ein Ziel der Ferienverlängerung sei. „Deshalb glaube ich, dass die Maßnahme nicht wirklich greift, sondern Probleme macht.“

Die Kultusministerin sagte zwar zu, die Beschlüsse von Bund und Ländern umzusetzen. Sie bleibe aber bei ihren Bedenken, dass eine Verlängerung organisatorische Fragen auslösen werde.

Geteiltes Echo bei den Lehrerverbänden

Einer der Hauptpunkte bei den Verhandlungen zwischen Länderregierungen und Kanzleramt über einen Corona-Plan bis Januar war am Mittwoch der Schulferienbeginn im Dezember. In Baden-Württemberg wie in einigen anderen Ländern ist bislang der letzte Schultag der 22. Dezember (Dienstag). Wenn die Schüler bereits am 18. (Freitag) oder 19. Dezember (Samstag) in die Ferien entlassen würden, hätten sie bis Heiligabend eine Strecke von fünf bis sechs Tagen. Das könnte nach Ansicht der Ministerpräsidenten nutzen, um Kontakte zu minimieren.

Bei den Lehrerverbänden löste die Ferienverlängerung ein geteiltes Echo aus. „Wir bedanken uns für die zwei zusätzlichen Ferientage und sehen das als Zeichen der Anerkennung für die außerordentliche Leistung der Lehrkräfte“, sagte Gerhard Brand, der Landeschef der Bildungsgewerkschaft VBE. Die Notbetreuung „durch kommunale Kräfte“ müsse aber gewährleistet sein.

Philologen sprechen von Milchmädchenrechnung

Kritik kam vom Philologenverband, dessen Landesvorsitzender Ralf Scholl von einer „publikumswirksamen Scheinlösung“ und „Milchmädchenrechnung“ sprach. Es sei doch eine seltsame Logik, dass die Kultusminister stets behaupteten, die Schulen seien sicher – und nun sollten die Ferien früher beginnen, damit das Weihnachtsfest im Kreise der Familien sicherer sei. Dabei könnte der frühere Ferienbeginn unter Umständen sogar dazu führen, dass die Feiertage „zu einer großen Corona-Party werden“, so Scholl. „Der einzige Weg, Weihnachten sicher zu gestalten, wären flächendeckende Corona-Tests kurz vor Weihnachten.“ Wichtiger als ein vorgezogener Ferienbeginn sei ein „nachhaltiger Gesundheitsschutz an den Schulen“. Fast zehn Prozent aller Corona-Test fielen derzeit positiv aus, so Scholl. Der Philologenverband wiederhole in dieser Lage seine Forderung nach Unterricht im rollierenden System mit der halber Schülerzahl ab Klasse 7 an weiterführenden Schulen.

Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die den Frühstart in die Ferien als sinnvoll erachtet, aber mehr Schutzmaßnahmen verlangt: eine bessere Maskenversorgung von Lehrern und ein Konzept für den Wechselunterricht, falls Präsenzunterricht nicht möglich sei. Auch müssten einheitliche Quarantäneregeln her, in einigen Landkreisen müssten bei einem Corona-Fall einzelne Schüler in Quarantäne, in anderen die ganze Klasse.

Wie schon vor einer Woche in unserer Zeitung stellte Ministerin Eisenmann am Mittwoch erneut ihre Ablehnung eines Wechsels von Präsenz- und Fernunterricht an Schulen dar: „Wechselunterricht in Baden-Württemberg wäre ein existenzieller Fehler“, sagte sie. „Für den Wechselunterricht spricht gar nichts. Es gibt keine inhaltliche Begründung, weder Zahlen noch Fakten“, sagte sie. In den Bund-Länder-Beschlüssen ist der Wechselunterricht auch nicht enthalten.

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