Mit der im Jahr 2003 gegründeten Stiftung legte Hildegard Ruoff, die 2020 gestorben ist, die Basis für den ambitionierten Ausstellungsbetrieb in ihrem NürtingerWohnhaus. Foto: Michael Steinert/Archiv
Nürtingen fällt auf mit einer Vielzahl künstlerischer Institutionen. Für hochkarätige Kunst steht auch die Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung, die etwas zu feiern hat.
Vom Atelierstipendium über Kunststiftungen, einem Kunstverein bis zur Freien Kunstakademie – es gibt in Nürtingen fast nichts im künstlerischen Umfeld, was es nicht gibt. Die Ausstellungen der Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung und der Stiftung Domnick, aber auch die in der Kreuzkirche ziehen das kunstinteressierte Publikum aus der Region Stuttgart und längst auch aus entfernteren Orten an, sagen der Kurator Nikolai Forstbauer und die Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann.
Ein großer Kunstreichtum
Von einer Ausnahmesituation im Kreis Esslingen spricht Forstbauer beim Blick auf die künstlerischen Institutionen und Aktivitäten in Nürtingen. Anlass für diese Bewertung bietet das neue Ausstellungsprogramm der Ruoff-Stiftung, das die Nürtinger Akteure im 20. Jahr des Ausstellungsbetriebs jetzt vorgestellt haben und das den Geist der beiden verstorbenen Stifter weiterträgt.
Hildegard Ruoff lenkte über viele Jahre das Ausstellungsprogramm in ihrem Haus. Foto: Michael Steinert/Archiv
Diese Fülle künstlerischer Angebote und Aktivitäten sei für eine Stadt von der Größe Nürtingens sehr erfreulich, sagt Forstbauer, der von einem „großartigen Kunstreichtum im Kreis Esslingen“ spricht. Der Kurator lobt auch die Stadtverwaltung, die in hohem Maß professionell aktiv und sehr an Kunst interessiert sei. Dadurch entstehe ein Vielklang, der weit über Nürtingen hinaus vernehmbar sei: „Nürtingen kann da sehr stolz darauf sein.“ Die Kunst habe sehr von dem guten Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Gemeinderat profitiert, überall sei ein freudiges Interesse spürbar. „Die Kunst liegt uns beiden am Herzen. Kunst und Kultur sind keine formellen Pflichtaufgaben“, bekräftigt der Oberbürgermeister Johannes Fridrich seine Haltung mit Blick auf Susanne Ackermanns Arbeit für die Stiftung Ruoff. Er werde immer seine schützende Hand über diese Einrichtung halten, verspricht er.
Ackermann erinnert auch an den Bildungsauftrag der Stiftung, was ganz im Sinne von Hildegard Ruoff sei, die sich für Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstler einsetzte und sich auch dafür starkmachte, die junge Generation an die Kunst heranzuführen: „Wenn Schüler hierherkommen, sind sie völlig fasziniert von der Geschichte von Fritz und Hildegard Ruoff.“ Spannend sei für junge Menschen auch, die Haltung der Ruoffs kennenzulernen, deren Engagement gegen Rassismus und für die Friedensbewegung, was bis heute in den Ausstellungsräumen zu erleben sei.
Viel Lob vom Kurator
Wie der Geist dieses Ortes auch namhafte Künstlerinnen und Künstler wie den Stuttgarter Ben Willikens oder die aus Genua gebürtige Künstlerin Ambra Durante beeinflusst habe, sei bei den vergangenen Schauen immer wieder spürbar geworden. Forstbauer, der schon zu Lebzeiten von Hildegard Ruoff die Nürtinger Schauen begleitet hat und immer mehr in die Arbeit des Kurators hineingerutscht ist, wie es Ackermann beschreibt, beobachtet den lokalen Kunstbetrieb schon lange. Jede der Institutionen habe sich in den vergangenen Jahren ganz beachtlich entwickelt, stellt er fest. Als Beispiel nennt er auch den Nürtinger Kunstverein, der immer präzise Einzelpositionen Raum gebe und dafür auch ins Risiko gehe – wie es die Aufgabe schlechthin eines solchen Vereins sei.
Als Ideengeberin und Treiberin habe sich längst auch die Freie Kunstakademie einen Platz in dem kreisweiten Kunstgeschehen erobert und am Netzwerk der Kreativszene mitgeknüpft. Das Atelierstipendium der Akademie mit seiner Außenwirkung über den Kreis Esslingen hinaus sei ebenfalls nicht selbstverständlich.
Fritz und Hildegard Ruoff waren Anfang der 1960er Jahre in das Wohnhaus der Kunstsammlerin Auguste Pfänder eingezogen. Das Haus wurde fortan zum Mittelpunkt ihrer Arbeit und ihres Lebens, das sie ganz der Kunst widmeten. Fritz Ruoff zählt zu den bedeutendsten süddeutschen Künstlern des vergangenen Jahrhunderts. Bereits 1947 gründete er die Künstlergruppe „Die Freunde“ zusammen mit HAP Grieshaber, Richard Raach, Walter Renz, Hermann Krimmer und Werner Oberle. Er kannte auch Willi Baumeister, Kurt Leonhard, Otto Dix und Erich Heckel. Fritz Ruoff starb im Jahr 1986 im Alter von 80 Jahren.
Die Stadt sitzt mit im Boot
Im Jahr 2003 wurde die Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung gegründet, die ein Jahr später den Ausstellungsbetrieb aufnahm. Die gemeinnützige Stiftung wird treuhänderisch von der Stadt Nürtingen geführt. Hildegard Ruoff öffnete ihr Wohnhaus für die Öffentlichkeit und machte es zu einem Haus der Kunst. Die Stifterin lenkte über viele Jahre das Ausstellungsprogramm, das sich dem Werk ihres Mannes und der Auseinandersetzung anderer Kunstschaffender mit den Arbeiten Fritz Ruoffs widmete.
Kontakt Die Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung Ruoff hat ihren Sitz in der Schellingstraße 12 in Nürtingen. Geöffnet ist sie samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr. www.ruoff-Stiftung.de
Zum Geburtstag gibt es Zeichnungen, Malerei und Grafik
Geburtstag Zum 20-jährigen Bestehen der Fritz und Hildegard Ruoff Stiftung gibt es in Nürtingen wieder ein ambitioniertes Ausstellungsprogramm. Ergänzt wird es durch Führungen und den Kunstdialog bei Veranstaltungen. Der Freundeskreis Ruoff-Stiftung fördert die Schauen sowohl ideell als auch finanziell.
Programm Den Auftakt macht vom 4. Februar bis 7. April die Ausstellung „Liniengedichte“ mit Arbeiten der Stuttgarter Zeichnerin Ulrike Kirbach. Weiter geht es vom 14. April bis 9. Juni mit „Der Ruf der Farbe“. Zu sehen sind Arbeiten des Stuttgarter Malers Berthold Mahringer. Als nächster ist der Dettinger Künstler Thomas Putze vom 16. Juni bis 22. September zu Gast in der Stiftung Ruoff – „Weg vom Fenster“ lautet sein Thema. Und schließlich stellen Künstlerinnen und Künstler, die mit dem Walter-Stöhrer-Preis für Grafik ausgezeichnet wurden, vom 29. September an aus. Vom 24. November an werden Schenkungen präsentiert.