Bei seinem Antritt vor einem Jahr machte Kunststaatssekretär Arne Braun deutlich: Rund um den Schlossplatz gibt es viel zu tun. Foto: lichtgut/Max Kovalenko
Die Baustelle am Stuttgarter Schlossplatz verschwindet: Nach mehrjähriger Generalsanierung wird das Kunstgebäude am 5. April wieder eröffnet. Wer aber veranstaltet dort was? Wir haben die Fakten.
Nikolai B. Forstbauer
06.03.2024 - 22:18 Uhr
Die Nachricht braucht nur wenige Zeilen: „Das neu renovierte Stuttgarter Kunstgebäude eröffnet zum 5. April 2024 nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit mit einer Präsentation der Staatsgalerie Stuttgart.“ Kurz: Die Bauzäune vor dem Kunstgebäude verschwinden, das Haus öffnet sich wieder zum Schlossplatz hin, ein Ort vergangener Größe meldet sich zurück.
Markantes Stadtzeichen: Kuppel des Kunstgebäudes am Schlossplatz Foto: dpa/dpa
Und wie! Der 1972 geborene Konzeptkünstler Florian Slotawa geht in seinen Installationen so spielerisch wir radikal mit Kunst um. Skulpturen der Klassischen Moderne in einem Sportwagen oder auf einer Waschmaschine – Berührungsängste zeigt der Professor an der Kunsthochschule Kassel keine: „Mich reizt es, die Alltagswelt mit der Kunst zusammenzubringen, weil ich denke, dass die Kunst dann nahbarer wird.“ Ein Satz wie ein Versprechen für das künftige Geschehen im Kunstgebäude Stuttgart. Zuletzt zweieinhalb Jahre hinter Bauzäunen verborgen, öffnet das Haus am 5. April die Türen wieder – in der Schau „Stuttgart sichten“ inszeniert Florian Slotawa Skulpturenbestände der Staatsgalerie auf seine ganz eigene Weise.
2018 in den Hamburger Deichtorhallen: Florian Slotawa zeigt in „Stuttgart sichten“ Skulpturen der Staatsgalerie Stuttgart auf Waschmaschinen Foto: Deichtorhallen Hamburg/Henning Rogge
Arne Braun (Grüne), Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK), ist voller Zuversicht: „Das Haus ist nach der gut zweijährigen Sanierung super instand gesetzt, eine Lücke im Kulturleben im Herzen der Landeshauptstadt wird wieder geschlossen“, sagt er – und schiebt hinterher: „Unser erklärtes Ziel ist es, das markante Kunstgebäude auch dauerhaft für Ausstellungen, Kulturevents und Kunstpräsentation – kurz und gut, das Gebäude mit dem Hirsch als festen Ort für Kunst und Kultur – zu etablieren.“
Was so selbstverständlich klingt, ist innerhalb der Landesregierung eine durchaus gewagte Position. Immerhin galt die Generalsanierung des Kunstgebäudes einer Logik des Staatsministeriums: Mit der notwendigen Sanierung des Mitteltraktes des Neuen Schlosses sollten die Empfänge der Landesregierung nur ein paar Meter weiter stattfinden. Noch aber lässt die Sanierung im Neuen Schloss auf sich warten, und im Kunstgebäude hat erst einmal die Kunst Auftrittsrecht.
Auch „Katharina Grosse“ ist wie „Stuttgart sichten“ ein Projekt der Staatsgalerie. Mehr noch aber: „Die Staatsgalerie Stuttgart“, bestätigt das MWK, „hat im Auftrag des Landes auch das Gebäudemanagement inne und stellt den technischen Betrieb des Gebäudes sicher“. Unberührt davon bleiben indes der beim Wiederaufbau des Kunstgebäudes 1956 bis 1961 neu entstandene Vierecksaal und die Verbindung zum Kuppelsaal (Glastrakt). Diese Flächen bespielt weiter der Württembergische Kunstverein Stuttgart mit internationaler Gegenwartskunst. Von 16. März an verwandelt das Projekt „Three Doors“ den Vierecksaal in einen „offenen Lernort, der sich gegen rassistische und rechtsextreme Kräfte in Deutschland richtet und für die Solidarität mit den davon Betroffenen einsetzt“.
Eingang an der Stauffenbergstraße: Der Württembergische Kunstverein bespielt im Kunstgebäude Vierecksaal und Glastrakt Foto: wkv/wkv
Nun erwacht das Kunstgebäude wieder zum Schlossplatz hin. „Endlich ist es soweit“, freut sich Staatssekretär Braun, „das kulturelle Herz mitten in der Landeshauptstadt schlägt künftig noch stärker: Stuttgart erhält mit dem markanten Kunstgebäude einen lebendigen Ort für Kunst und Stadtgesellschaft zurück“. Einladen soll auch die neu organisierte Gastronomie – sie wurde vom ersten Obergeschoss in das Erdgeschoss mit einer Außenterrasse zur Stauffenbergstraße und zum Schlossplatz hin verlegt. Aktuell läuft die Ausschreibung für die Verpachtung der Gastronomie.
„Fulminanter Auftakt“
Noch und schon wird auch in den Ausstellungsräumen gearbeitet – noch an letzten baulichen Details, schon durch Florian Slotawa und das Team der Staatsgalerie. Arne Braun glaubt fest an einen Erfolg: „Mit der Ausstellung der Staatsgalerie“, sagt der Kunststaatssekretär, „freuen wir uns auf einen fulminanten Auftakt im frisch renovierten Stuttgarter Kunstgebäude“.
Zerstörung und Wiederaufbau
Bau Nach einem Brand des ursprünglichen Komplexes 1902 wurde das Gebäude von Theodor Fischer 1910 bis 1913 neu errichtet. Im Krieg weitgehend zerstört, war der Wiederaufbau (mit Anbau des Vierecksaales) 1961 abgeschlossen.
Kunst Der Vierecksaal ist zentraler Ausstellungsraum des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart. Der Kuppelsaal und die umlaufenden Säle werden nun unter Regie der Staatsgalerie Stuttgart bespielt.