Kunstrasen in Süßen Rutschpartie auf dem Fußballplatz
Der VfR Süßen klagt über Belag des Kunstrasenplatzes, der bei Nässe wenig Halt biete. Die Stadtverwaltung sieht indes keinen Anlass zur Nachbesserung.
Der VfR Süßen klagt über Belag des Kunstrasenplatzes, der bei Nässe wenig Halt biete. Die Stadtverwaltung sieht indes keinen Anlass zur Nachbesserung.
Es ist wirklich brutal“, klagt Christian Hocke. „Man rutscht sogar bei trockenem Kunstrasen permanent aus“, schreibt der Vorsitzende des VfR Süßen. Erst recht rutschig sei der Fußballplatz auf dem Sportgelände an der Lauter, wenn es regnet oder der Kunstrasenplatz nass ist. Die Süßener Stadtverwaltung hat nachmessen lassen und stellt fest, dass der Platz innerhalb der Norm liegt.
„Wir sehen keine Notwendigkeit, tätig zu werden“, sagt der Bürgermeister Marc Kersting. „In diesem Zustand ist der Sportplatz eine Gefahr für Verletzungen“ und lasse ein vernünftiges Spielen nicht zu, sagt indes Hocke. Der Vorsitzende kennt die Verhältnisse aus eigener Erfahrung, er kickt dort mit anderen Senioren selbst noch. Aber auch aktive und jugendliche Spieler würden gehemmt spielen und lieber keinen Sprint riskieren, weil sie befürchten, dass sie wegrutschen, erzählt er. Schon die abendliche Feuchtigkeit beeinträchtige die Standfestigkeit. Zuletzt hätten zwei Spieler der Kreisliga-Mannschaft bei einem Spreizschritt Adduktorenverletzungen erlitten.
Hocke möchte, dass die Stadt reagiert und versucht, mit einer Sammlung von Unterschriften bei den Sportlern und den Eltern der Jugendspieler das Anliegen zu befeuern. Aus seiner Sicht lehnt es ein Teil des Süßener Gemeinderats ab, dem Kunstrasenplatz eine Korkfüllung zu spendieren. Das koste etwa 7000 Euro, sagt der VfR-Vorsitzende. „Die stecken doch so viel Geld in den Schulcampus rein, dabei holt doch der Fußball die Kinder von der Straße“, sagt Hocke. Der Gemeinderat habe das Thema „noch nicht diskutiert“, sagt Kersting dazu.
Seit etwa drei Jahren wird auf dem städtischen Kunstrasenplatz gespielt. Zuvor wurde bei der Sanierung die Füllung mit Kunststoffgranulat durch Quarzsand ersetzt. Als Süßen den Platz sanierte, hat die Stadt laut Hocke einen Zuschuss von 80 000 Euro erhalten. Wäre weiter Kunststoff verwendet worden, wäre die Landesförderung entfallen.
Der VfR-Vorsitzende weist darauf hin, dass Kunstrasenplätze als Allwetterplätze dazu dienen, die Rasenplätze zu schonen. „Aber man müsste von der Gefahr her leider den Kunstrasenplatz sperren“, schreibt Hocke. Die mit Sand gefüllten Plätze glichen einer „Rutschbahn“. Der FC Eislingen habe ein ähnliches Problem.
In Eislingen ging im Herbst der sanierte Kunstrasenplatz beim Stadion in Betrieb. Rainer Interwies bestätigt, dass das Spielfeld rutschiger geworden sei. Das sei bei Regen nicht optimal. „Das wäre mit Kork auf jeden Fall besser“, stellt der Präsident des FC Eislingen fest. Eine steigende Zahl von Verletzungen beobachtet er beim FCE aber nicht.
Dass der Untergrund eventuell nicht optimal ist, räumt der Süßener Bürgermeister Kersting derweil ein. Es bestehe aber keine Gefahr. Eine Korkfüllung sei nicht sinnvoll, weil das Material zu wertvoll sei. Zudem müsse Kork gegen Pilzbefall behandelt werden, sagt er. Auch das sei ein Umweltrisiko.
Die Herstellerfirma, die sowohl den Platz in Eislingen als auch den in Süßen angelegt hat, befasste sich ebenfalls mit der VfR-Beschwerde. Auf eine relativ kurzfristige Anfrage zu diesem Thema konnte sie aber noch keine Stellungnahme abgeben.