Kunstturnen Alle Blicke richten sich auf Marcel Nguyen

Der Barren ist das Lieblingsgerät von Marel Nguyen. Foto: Baumann
Der Barren ist das Lieblingsgerät von Marel Nguyen. Foto: Baumann

Marcel Nguyen hat bei Europameisterschaften schon sieben Medaillen gesammelt – in Cluj soll am Barren eine weitere dazukommen.

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Stuttgart - Über den Holmen, in der Welt der vielen Stütz-, Hang-, und Fliehkräfte, fühlt sich Marcel Nguyen daheim. Der Barren ist sein Lieblingsgerät, auch wenn man sich vom Hin- und Herschwingen Schrunden in den Handflächen holt oder auch tief stürzen kann. In Zeiten, da sich im deutschen Turnen viele auf das Reck spezialisierten, brachte er es an den zwei Holmen zu immer größerer Präzision. Hier hat der in Stuttgart trainierende Marcel Nguyen die berührendsten Momente seiner Sportlerkarriere gefeiert mit der Silbermedaille 2012 bei den Olympischen Spielen in London. Zudem wurde er zweimal am Barren Europameister – zuletzt 2016 in Bern gewann er Bronze.

Eine EM-Medaille am Barren ist das Ziel

Jetzt ist von diesem Mittwoch an im rumänischen Cluj bei der Europameisterschaft der Turner wieder eine Medaille an diesem Gerät auf seinem Radar. „Für mich hat die EM einen hohen Stellenwert und ist der Höhepunkt im ersten Halbjahr“, sagt Marcel Nguyen. Warum ihm gerade die kontinentalen Wettbewerbe so liegen, weiß er selbst nicht. Insgesamt hat er schon sieben der begehrten EM-Plaketten gesammelt.

Er ist gut drauf kurz vor dem Abflug, weil er ein neues Element beim Lehrgang in Kienbaum perfektioniert hat und den Kampfrichtern präsentieren will – einen Doppelsalto rückwärts auf die Oberarme aus dem Stütz heraus. „Ich wollte noch ein weiteres Element einbauen, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen“, sagt er. Mit einem zweiten Platz beim Weltcup in Doha unterstrich der Unterhachinger, dass er die Umstellung des Regelwerks nach den Olympischen Spielen problemlos bewältigt hat. „Dieser Wettkampf war ganz wichtig, um zu sehen, wo man steht.“

Der 29-Jährige ist eine Führungsfigur im deuschen Team

Nach dem Rücktritt von Fabian Hambüchen und wegen der Verletzungen von Andreas Toba und Andreas Bretschneider ist Nguyen die einzige Spitzenkraft in der Riege von Bundestrainer Andreas Hirsch. Er soll zusammen mit Lukas Dauser als zweiten starken deutschen Barrenturner das Team führen. Der Münchner Dauser wird zusammen mit Philipp Herder und Nils Dunkel alle Geräte in Cluj bestreiten. Zudem sind noch Felix Remuta (Boden und Sprung) sowie Ivan Rittschik (Reck und Pauschenpferd) am Start. „Ich weiß, dass die Erwartungen an mich hoch sind“, sagt Nguyen, der mit seiner Erfahrung auch die jungen Turner unterstützen will – auch wenn es keinen Teamwettbewerb gibt. Der Routinier sieht die Lücke, die sich hinter den arrivierten Athleten auftut. „An den einzelnen Geräten sind sie schon gut, wir müssen aber noch mehr stabile Mehrkämpfer entwickeln“, sagt der vom Stuttgarter Valeri Belenki betreute Athlet.

Der 29-Jährige wird neben dem Barren auch an den Ringen ans Gerät gehen, wo Muskelkraft, Gleichgewichtssinn und Körperkontrolle gefragt sind. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 muss er aber wieder den kompletten Mehrkampf trainieren. Nicht ganz freiwillig. Aber man kann sich nur für Tokio qualifizieren, wenn man über den Teamwettbewerb und damit über mehrere Geräte kommt. „Das hatte ich mir ursprünglich anders vorgestellt“, erzählt Nguyen. Er wollte es eigentlich machen wie Fabian Hambüchen in Rio, der sich auf sein Paradegerät konzentrieren und die Karriere mit Gold am Reck veredeln konnte. Das Reglement hat jetzt aber einen anderen Weg für ihn vorgesehen. „Nach Rio musste ich nachdenken, kann mich jetzt aber damit anfreunden“, sagt Marcel Nguyen.

„Ich sehe immer noch Dinge, die ich verbessern kann“

In Brasilien hat er gemerkt, dass der Spaß aufs Turnen wieder da ist. Doch wo nimmt er nach all den Jahren noch immer seine Motivation her? Sein Sport fordert mehr als 30 Wochenstunden, Verzicht auf Freizeit, Freunde und Familie, ist ein ewiger Kampf gegen den Schmerz und die Selbstzweifel. „Ich sehe immer noch Dinge, die ich verbessern kann“, sagt Nguyen und führt das Bodenturnen an, das durch den neuen Untergrund noch einmal ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Und vor Tokio ist ja 2019 noch die WM in Stuttgart. Dort hat er 2007 mit der Mannschaft schon einmal Bronze gewonnen. „Das war für mich die beste WM überhaupt“, sagt Marcel Nguyen. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

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