Kuriose Entdeckung beim Nato-Manöver Rätsel um „Holzgerlingen“-Schriftzug auf US-Kampfjet
Als der pensionierte Polizeibeamte Hartmut Feldmann seine Fotos von US-Kampfjets anschaut, fällt ihm etwas auf, das ihn zum Telefonhörer greifen lässt.
Als der pensionierte Polizeibeamte Hartmut Feldmann seine Fotos von US-Kampfjets anschaut, fällt ihm etwas auf, das ihn zum Telefonhörer greifen lässt.
Was haben das größte Kriegsschiff der Welt und ein US-amerikanisches Kampfflugzeug mit dem Städtchen Holzgerlingen zu tun? Auf den ersten Blick nichts. Und welche Rolle spielt ein pensionierter Kriminalhauptkommissar aus Nordrhein-Westfalen, der sich kürzlich telefonisch bei unserer Redaktion meldete?
Er sei seit 40 Jahren Militärluftfahrt-Journalist sagt jener ehemalige Polizeibeamte, Hartmut Feldmann, aus Bünde (Nordrhein-Westfalen). Er schreibt auch Bücher über internationale Luftwaffen und Flugzeugmuster. Die Entdeckung, die ihn dazu brachte, in der Böblinger Redaktion anzurufen, ereignete sich auf dem Fliegerhorst Hohn bei Rendsburg (Schleswig-Holstein).
Anfang Juni waren dort, auf dem Flugplatz der Luftwaffe, zahlreiche internationale Kampfflugzeuge verschiedenster Typen für das groß angelegte Nato-Manöver „Air Defender 2023“ stationiert. Außer Deutschland nahmen 24 Staaten an der Großübung teil. „Mir wurde die Gelegenheit eröffnet, etliche der teilnehmenden Kampfflugzeuge digitalbildlich festzuhalten“, sagt Feldmann. Er habe allerhand Maschinen fotografiert und den Stützpunkt dann wieder verlassen. Einige Zeit später habe er seine Fotos archiviert. „Dabei rief ich mir gewisse Momente von ,Air Defender 2023’ nochmals in Erinnerung“, sagt der Militärflugzeug-Kenner.
Neben Jets der US Air National Guard Massachusetts und der US National Guard Louisiana hatte Feldmann auch Maschinen der US Navy, also der Marine der Vereinigten Staaten, abgelichtet. Acht waren an dem Manöver beteiligt. Diese Maschinen habe der atomgetriebene US-Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ mit der Kennnummer CVN-78 entsandt, der gerade im Mittelmeer kreuzt, weiß Feldmann. Auf einem dieser Kampfflugzeuge des Typs F/A-18E „Hornet“ sah der Flugzeugenthusiast etwas, das ihn stutzig machte. „Auf der Bugfahrwerkschachtklappe stand das Wort Holzgerlingen“, so Feldmann am Telefon. Dahinter stand die Länderkennung von Deutschland, „DE“.
Nachdem er die Suchmaschine seines Rechners bemüht hatte, wusste Feldmann, dass es sich bei Holzgerlingen um eine Stadt im Kreis Böblingen handelt. Kurzerhand rief der ehemalige Polizeibeamte bei seinen weit entfernten Dienstkollegen an, beim Polizeiposten Holzgerlingen. „Da wusste man aber auch nicht weiter“, sagt Feldmann. Er habe dann gefragt, wer ihm helfen könne. Schließlich landete Feldmann telefonisch in der Redaktion unserer Zeitung.
Er habe mehrere Theorien, wie der Ortsname Holzgerlingen auf einen US-amerikanischen Kampfjet kommt, sagt der 65-Jährige. „Mein erster Gedanke war, dass der Pilot vielleicht aus der Stadt kommt“, sagt Hartmut Feldmann. „Aber der Name, der auf dem Flugzeug stand, klang so was von eindeutig nicht deutsch.“ Lieutenant Commander Lee Watkins steht da. Und dazu „Fanus“, der Spitzname des Piloten, das sogenannte „Call Sign“. „Oder der Pilot war früher beim Marine Corps in der Panzerkaserne in Böblingen und wechselte dann zur Navy. Vielleicht hat er darum eine Verbundenheit zu dem Ort“, spekuliert Feldmann.
Aber es gibt noch eine andere Möglichkeit. Ein Freund habe ihm gesagt, dass es vielleicht einen Wettbewerb unter Piloten gebe, einen möglichst ausgefallenen Städtenamen an ihrem Flugzeug anzubringen. „An fast allen Flugzeugen der Navy habe ich beim näheren Hinsehen an diesen Fahrwerkschachtklappen die Namen von Orten gefunden“, bestätigt Feldmann. „Da steht dann San Diego oder Detroit, und vielleicht hat irgendein Flugzeugwart gesagt, das kann ich besser: Ich schreibe da Holzgerlingen hin.“
Eine Nachfrage bei Holzgerlingens Bürgermeister Ioannis Delakos brachte nur in einem Punkt Klarheit: „Die Stadt hat natürlich keine Patenschaft für ein US-Kampfflugzeug übernommen“, sagt der Politiker. Allerdings, ist er überzeugt, sei Holzgerlingen „der place to be für Amerikaner“, also ein Ort, an dem diese gerne wohnten.
„Wenn man doch nur mit dem Piloten reden könnte“, seufzt der pensionierte Polizeibeamte Feldmann am Telefon. Immerhin habe er noch einen Schriftzug an dem Flugzeug gefunden, bei dem wohl nur ein Insider Aufschluss über die Bedeutung geben könne.
Über das Presse- und Informationszentrum der Luftwaffe kam schließlich der entscheidende Hinweis. Nachdem der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Oberstleutnant, der auch das „Air Defender“-Manöver betreut hatte, zunächst „wir versuchen mal Licht in das Dunkel zu bekommen“ geschrieben hatte, kam der erste Erfolg: Der Pilot habe tatsächlich eine persönliche Verbindung zu Holzgerlingen. Wie genau die aussieht, müsse die amerikanische Seite allerdings noch mitteilen.
Da der Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“, auf dem die Flugzeugstaffel VFA-31 – und damit auch der betreffende Kampfjet und sein Pilot – stationiert sind, aktuell immer noch im Mittelmeer im Einsatz ist, könnte die endgültige Auflösung des „Hornet-Mysteriums“, wie Feldmann es mittlerweile nennt, noch ein wenig dauern. Fest steht jedenfalls schon jetzt: der Pilot der F-18 hat mit seiner Entscheidung, den Ortsnamen „Holzgerlingen“ auf sein Flugzeug schreiben zu lassen, internationale Aufmerksamkeit erregt.
Luftfahrt
Dass der Name einer Stadt auf einem Flugzeug prangt, ist keine Seltenheit. Bereits im Jahr 1960 wurde bei der Lufthansa eine Maschine getauft.
Patenschaft
Flugzeuge werden oft auf Städtenamen getauft. So gibt es zum Beispiel jeweils einen Airbus A 320 mit dem Namen Böblingen und Sindelfingen.
Marine
In der deutschen Marine werden Kriegsschiffe ebenfalls oft nach Städten benannt. Hier steht in der Regel ebenfalls eine Patenschaft dahinter. So ist es auch bei den USA. Dass jedoch die einzelnen Piloten ihre Flugzeuge mit dem Ortsnamen ihrer Herkunft verzieren, wird nach Informationen unserer Zeitung nicht praktiziert. Wohl aber, sagen Kontakte in der Marine, würden die Hubschrauber der Flotte oftmals aufgehübscht und beispielsweise mit Bildern von Tieren oder Frauen verziert.