L 1208 in Leinfelden-Echterdingen Wer bezahlt die Sanierung der Lärmschutzwand?

Die Lärmschutzwand an der Landesstraße 1208 ist marode. Doch wer kommt für deren Sanierung auf? Foto: Philipp Braitinger

Das Bauwerk entlang der L 1208 muss saniert werden. Die Anwohner fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen. Das Rathaus gibt sich mit dem Hinweis auf ein laufendes Gerichtsverfahren zugeknöpft.

An mehreren Stellen ist die Lärmschutzwand in Echterdingen in Schieflage geraten. Anwohner betonen, dass sie die Stadt bereits vor eineinhalb Jahren auf bauliche Probleme der Wand an der Landesstraße 1208 zwischen Echterdingen und Steinenbronn aufmerksam gemacht hätten. Während der jüngsten Einwohnerfragestunde im Gemeinderat hat der Anlieger Günther Hermann nun gefragt, wie es weitergehen soll. Er werde eine Nachricht bekommen, versprach die Stadtverwaltung Leinfelden-Echterdingen. Der Bürgermeister Benjamin Dihm gibt sich gegenüber der Presse mit dem Hinweis auf ein laufendes Gerichtsverfahren dazu wortkarg.

 

Die Lärmschutzwand stehe sowohl auf privatem als auch auf städtischem Grund, betonte der Anwohner während der Einwohnerfragestunde im Oktober. Im Jahr 1999 sei die Wand für 100 000 Euro gebaut worden, welche von den Anwohnern bezahlt worden seien. Inzwischen habe die Wand rund 25 Jahre „in aller Stille“ gute Dienste geleistet. „Aber nichts währt ewig, vor etwa eineinhalb Jahren haben wir die Stadtverwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass die Holzstützen der Wand geprüft werden müssten“, erklärt Hermann. Trotz wiederholter Nachfrage habe etwa ein Jahr Funkstille geherrscht. Erst nach einem Brief an den Oberbürgermeister Roland Klenk sei eine Antwort erfolgt – aber nicht im Sinne der Anwohner. „Der Stadt ging es um den ersatzlosen Abriss der Wand, nicht um eine Sanierung“, so der Anwohner.

Inzwischen ist ein Teil der Wand eingestürzt

Der Abriss scheint inzwischen wieder vom Tisch zu sein. Im März sei bei einem Vor-Ort-Termin vereinbart worden, dass sich die Stadt zunächst um Sicherungsmaßnahmen kümmert. Die Anwohner sollten sich um ein Sanierungskonzept bemühen und Angebote von Unternehmen einholen. Alles weitere solle später besprochen werden. „An nichts hat sich die Stadt gehalten“, klagte der Anwohner nun bei der Einwohnerfragestunde. Inzwischen sei ein Teil der Wand eingestürzt und gefährde den Verkehr. Seit Wochen gebe es keine Gelegenheit für ein Gespräch mit der Stadt über ein vorliegendes Sanierungs- und Sicherungskonzept.

Weiter ärgert die Anwohner, dass die Stadt offenbar einen Rechtsanwalt mit dem Vorgang beauftragt und den eigenen Mitarbeitern einen „Maulkorb“ verpasst hat. „Nichts ist dadurch besser geworden, aber die Aktenordner füllen sich.“ Inzwischen hätten auch die Anwohner einen Klageentwurf gegen die Stadt vorbereitet. Dabei wolle man gar nicht vor Gericht gehen. Man wolle nur einen Gesprächstermin im Rathaus. „Ihr Anwalt darf gerne dabei sein“, sagte der Mann augenzwinkernd.

Die Stadt spricht von „erheblichen Divergenzen“

Laut der Verwaltung befinde man sich bereits in einem Gerichtsverfahren mit einem der Anlieger. Es gebe „bezüglich der Zuständigkeiten, Anliegergemeinschaft, Erhaltungs- und Erneuerungslast erhebliche Divergenzen“, teilt der Bürgermeister Benjamin Dihm mit. „Aus diesem Grund wurde von Seite der Stadt eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Prüfung und Bewertung aller offenen Fragen beauftragt, um möglichen Schaden von der Stadt abzuwenden“, heißt es aus dem Rathaus. Derzeit werde das weitere Vorgehen geprüft und gleichzeitig die Suche nach einer für alle Beteiligten tragfähigen Lösung vorangetrieben. Wie es nun an der Lärmschutzwand genau weitergeht, dazu gab das Rathaus mit dem Hinweis auf das laufende Gerichtsverfahren keine Auskunft.

Das stellen sich die Anwohner vor

Das von den Anwohnern eingebrachte Sanierungskonzept sieht vor, alle 24 Holzstützen durch langlebigere Stahlstützen in Rammfundamenten zu ersetzen. Die vorhandenen Schallschutzelemente könnten an den neuen Stützen weiterverwendet werden. Die Kosten würden nach derzeitigem Stand rund 118 000 Euro betragen.

Hermann erklärt, vor der Genehmigung und dem Bau im Jahr 1999 sei in Aussicht gestellt worden, dass mit Bezahlung und Übergabe der Wand die Erhaltungs- und Erneuerungslast auf die Stadt übergehe. Davon wolle diese heute nichts mehr wissen. Die Anlieger seien bereit, in einer Gemeinschaftsaktion die anteiligen Kosten für den auf privatem Grund stehenden Teil der Wand erneut zu stemmen, also rund die Hälfte. Es gebe sogar Vorschläge, wie sich die Stadt durch Eigenleistungen fast vollständig aus der Finanzierung heraushalten könnte. „Darüber und zur Klärung technischer Fragen verweigert sie aber seit einem halben Jahr jedes Gespräch“, klagt der Anwohner. Es sei ein Skandal, dass man in dieser Angelegenheit nur noch schriftlich und über einen Rechtsanwalt mit der Stadt kommunizieren könne.

Sanierungskonzept

Lage
Die Lärmschutzwand hat eine Länge von ungefähr 100 Meter. Sie befindet sich wenige hundert Meter nach dem Ortsausgang von Echterdingen an der L 1208 Richtung Siebenmühlental auf der linken Seite.

Kosten
Der Bau der Lärmschutzwand habe im Jahr 1999 rund 100 000 Euro gekostet. Für die jetzt notwendige Sanierung könnten Kosten von 118 000 Euro entstehen, meinen die Anlieger. Das Sanierungskonzept sieht vor, die Lärmschutzelemente weiter zu verwenden und lediglich die morschen Holzpfeiler gegen Metallpfeiler mit einem Betonfundament auszutauschen.

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