L.-E. Neue Notunterkunft für Flüchtlinge

Von Natalie Kanter 

Der Kreis will auf dem Echterdinger Renault-Areal 100 Menschen in Not unterbringen. Die Stadtverwaltung von L.-E. spricht von 75 Flüchtlingen.

Auf dem Renault-Areal sollen schon bald bis zu 100 Flüchtlinge wohnen. Foto: Natalie Kanter
Auf dem Renault-Areal sollen schon bald bis zu 100 Flüchtlinge wohnen. Foto: Natalie Kanter

Echterdingen - Das Renault-Gelände am Ortsrand von Echterdingen bietet sich regelrecht für eine Unterbringung von Flüchtlingen an. Zum einem, weil dort bereits vor Jahrzehnten Asylbewerber gewohnt haben. Das Areal war deshalb bereits Anfang des Jahres als möglicher Standort für eine Sammelunterkunft gehandelt worden. Zum anderen, weil die Stadt, wie berichtet, die Fläche, die in einem Gewerbegebiet liegt, nicht für die Anschlussunterbringung nutzen kann.

Nachdem das Unternehmen Rewe seine Zelte an der Leinfelder Straße wieder abgebaut hat, verwundert es nicht, dass der Kreis nun das Areal fest ins Auge gefasst hat. 100 Menschen in Not will das Landratsamt laut Pressesprecher Peter Keck dort unterbringen. Und zwar „so schnell wie möglich“, erklärt er.

Das bedeutet, dass Flüchtlinge an der Leinfelder Straße wohl schon früher eine Heimat auf Zeit erhalten werden als in Stetten. Dort wird bekanntlich gerade der Nödinger Hof in eine Sammelunterkunft des Landkreises umgewandelt.

Auf dem Echterdinger Gelände soll ein Containerdorf aufgestellt werden. „Solche Dörfer gibt es bereits in Kirchheim, Nürtingen und Esslingen“, sagt Peter Keck. Er spricht von einer Notunterkunft. Die Stadt L.-E. will laut Informationen unserer Zeitung dem Kreis das Grundstück für die Dauer von zwei Jahren verpachten und erhält im Gegenzug eine sogenannte Nutzungsentschädigung. Wie aus gut informierten Kreisen zu hören war, sollen als alternativer Standort für eine solche Notunterkunft die Parkplätze am Sportpark Goldäcker gehandelt worden sein.

Landrat Heinz Einiger hat sich in der vergangenen Woche an die Rathauschefs der Kreiskommunen gewandt und in einem Brief um weitere Unterstützung gebeten. Nicht weniger als 70 000 Flüchtlinge werden laut einer aktuellen Prognose 2016 in Baden-Württemberg erwartet. Für den Landkreis bedeutet dies, dass er im kommenden Jahr 2700 bis 3200 weitere Plätze in Gemeinschaftsunterkünften schaffen muss. Geplant sind bisher 1700. „Dies reicht nicht aus, um die Zuweisungen der Flüchtlinge abzudecken“, sagt Peter Keck.

Abhängig von ihrer Einwohnerzahl sollen die Kommunen dem Kreis bei der Bewältigung des Flüchtlingsstromes unter die Arme greifen. Eine entsprechende Liste lag dem Schreiben des Landrates bei. Die Große Kreisstadt soll demnach bis Ende 2016 Platz für weitere 229 Menschen zur Verfügung stellen. Diese Zahl soll laut Bürgermeisterin Eva Noller aber bereits wieder veraltet sein. „Das ist wie bei der Börse“, kommentiert sie die Situation.

Der Technische Ausschuss von L.-E. hat sich am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen mit dem Thema befasst. Noller soll in der Sitzung von 75 Flüchtlingen gesprochen haben, die auf dem Renault-Gelände unterkommen. Diese Zahl fiel auch in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Das ist unser Wunsch“, sagte sie. „Der Landkreis wünscht sich allerdings 100.“ Der Kompromiss: Die Container werden bei 7,5 Quadratmetern pro Flüchtling für 75 Menschen geplant, vorübergehend können sie aber auch mit 100 belegt werden. Die Stadträte des Verwaltungs-, Kultur- und Sozialausschuss werden sich am Dienstag, 21. Juli, in ihrer Sitzung im Leinfelder Rathaus öffentlich mit dem Thema beschäftigen.