La Brass Banda in Ludwigsburg Mut zum Tut

Von Christof Hammer 

Barfuß, mit Lederhose und mit bis zu 400 ppm (Puster per minute): Die Pop-Blaskapelle La Brass Banda bespaßt am Freitagabend 6 000 Besucher im Ludwigsburger Schlosshof.

Stefan Dettl und La Brass Banda beim Konzert am Freitag im Ludwigsburger Schlosshof Foto: factum/Granville 21 Bilder
Stefan Dettl und La Brass Banda beim Konzert am Freitag im Ludwigsburger Schlosshof Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Stefan Dettl ist kein Typ für ein langes Vorspiel. Nur etwa die Vorwärmzeit eines Kaffeevollautomaten braucht es, bis sich der Bandleader von La Brass Banda in jene Stimmungskanone verwandelt, die ganze Arenen zum Feiern bringt. Wobei: Neulich auf ihrer Weltreise, erzählt Dettl, habe es tatsächlich mal eineinhalb Stunden gedauert, bis der erste Besucher zu tanzen anfing – doch das war in Japan. Im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses kommt das Ensemble aus dem Chiemgau aber gewohnt schnell zur Sache. Ready, steady, go – und los geht die wilde Bläser-Sause, wie üblich barfuß und in Lederhosen gekleidet.

Soundtrack für leichtgewichtige Bewegungsspielchen

Fast übertreibt es Dettl allerdings ein wenig mit der Publikumsanimation an diesem lauen Sommerfreitagabend. Kaum ein Lied in der ersten Hälfte des einhundertminütigen Auftritts, das der Gaudibursch aus Übersee nicht im Mittelteil unterbricht, um eine Anekdote einzubauen oder dem Publikum eine Tanzeinlage abzuverlangen. Natürlich ziehen die rund 6 000 Besucher gut gelaunt mit. Längst sind Dettls „Hauptsache, mir ham Spaß“- Conferencen und seine Publikumsverbrüderungen etablierte Rituale zwischen Band und Fans; auch Konzertneulinge sind nach wenigen Minuten eingenordet. Aber der Dettl-Style zerreißt einen Song auch ein wenig, macht ihn zum Soundtrack für leichtgewichtige Bewegungsspielchen, für kleine kabarettistische Intermezzi, in denen die musikalische Klasse dieser bayerischen Kraftbläser fast ein wenig untergeht.

Speed Dating zwischen Volks- und Popmusik

Stupend dynamisch und furios virtuos spielt sich das Septett aus dem weißblauen Kernland durch seine Blasmusik, die von Reggae und Punk über Techno und Metal bis Hip-Hop so ziemlich alles an Genres umarmt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Wie dieses Speed Dating zwischen Volks- und Popmusik zum Brass-Spaß ohne Grenzen wird, keine Sekunde verkrampft oder bemüht klingt: Das ist das wahre Vergnügen dieses Abends. Das Spieltempo ist halsbrecherisch hoch, auf sechs, sieben Töne pro Sekunde bringen es Tuba, Trompete oder Posaune manchmal – das macht dreihundertfünfzig, vierhundert ppm (Puster per minute) und die Musik von La Brass Banda zu einem mitreißenden Bläserstakkato, bei dem man sich fragt, woher der Frontmann auch noch die Luft für seinen Gesang nimmt.

Routinierte Spielfreude

Nicht minder schnell getaktet ist nämlich Dettl bajuwarischer, mit rasanten Scat-Passagen vollgepackter Rap, als den er seine Chiemgauer Heimtgschicht’n und Impressionen aus aller Welt intoniert. Eine üppige kreative Ernte hat dieser Sound der Band nach inzwischen fünf Alben beschert; Songs wie „Autobahn“, „Holland“ und „Nackert“ sind zu Liveklassiker avanciert, die bei keinem Auftritt fehlen dürfen, und mit „Ujemama“ und „Bauwagn“ hat auch die aktuelle Disc „Around the World“ schon zwei künftige Bühnen-Evergreens abgeworfen. Dass La Brass Banda sie in Ludwigsburg außer mit viel Spielfreude auch mit einer hohen Portion Routine in den Innenhof schmettern, war allerdings auch nicht zu überhören.