Die Aufgabe, Deutschlands E-Ladeinfrastruktur voranzutreiben, hat das Bundesverkehrsministerium einer Nationalen Leitstelle übertragen. Dazu gehört auch, „relevante Daten“ zu erfassen – doch ausgerechnet die Einrichtung, die sich um Planung und Ausschreibung kümmert, rudert nun bei ihren eigenen, monatlichen Statistikberichten zurück: In puncto Ladeleistung hatte sie bisher eine Berechnung veröffentlicht, die die tatsächlich verfügbaren Stromanschlüsse außer Acht ließ. Die Ladepunkte werden nie alle gleichzeitig beansprucht, doch die Netzanschlüsse als den Faktor anzuerkennen, der die Leistung der Ladesäulen rechnerisch oft begrenzt, bringt die Zahlen der Leitstelle näher an die Realität. Das sollte auch im Interesse des Verkehrsministeriums von Volker Wissing sein – unklare und zu hohe Zahlen in der Öffentlichkeit helfen nicht, auch wenn sie nicht für die eigentliche Bedarfsplanung genutzt worden sein sollten.
Dabei geht es nicht nur darum, dass zwei offizielle Stellen nun einheitlichere Daten kommunizieren, die ansonsten mit immer mehr Schnellladesäulen noch weiter auseinandergeklafft wären. Viel wichtiger ist: Der Blick richtet sich dadurch stärker auf das Stromnetz, das die Ladesäulen versorgen muss. Nach Angaben des Bundesverbands der Energieversorger ist der Netzanschluss für die Ladesäulenbetreiber auch ein Kostenfaktor – und solange aktuelle E-Auto-Modelle oft noch nicht die volle Leistung ausschöpfen oder Säulen selten voll belegt sind, kalkulieren sie teils knapper.
Umgekehrt hat die Diskussion über Pläne der Bundesnetzagentur, bei Netzengpässen private Wallboxen aus der Ferne drosseln zu können, gezeigt: Das Stromnetz an neue, stromhungrige Verbraucher wie E-Autos anzupassen ist eine große Aufgabe. Schließlich muss die Zahl der umweltfreundlichen Autos auf deutschen Straßen stark steigen, um die Klimaziele noch einzuhalten.