Um das besser einordnen und diese Personen gegebenenfalls besser schützen zu können, wird die Lärmbelastung in Stuttgart gemessen und einmal pro Jahr veröffentlicht. Auf der Website der Stadt findet man Lärmkarten, auf denen man sieht, wie laut es wo ist.
Wie viele Stuttgarter sind belastet?
Laut dem städtischen Amt für Umweltschutz sind derzeit etwas mehr als 70 000 Menschen tagsüber durch den Straßenverkehr mit gesundheitskritischen Schallpegeln von mehr als 65 Dezibel (A) belastet. Nachts gilt der Bereich von mehr als 55 Dezibel (A) als gesundheitskritisch, davon sind rund 75 000 Menschen belastet. Der Straßenverkehr ist der mit Abstand größte Lärmverursacher in der Stadt. Durch die Stadtbahn seien laut Stadt etwa 8000 Personen tagsüber und 13 000 Personen nachts, durch die Eisenbahn 5000 tagsüber und 9000 Menschen nachts von ähnlich hohen Schallpegeln betroffen.
In welchen Stadtbezirken ist es laut?
Neben der Innenstadt werden nachts vor allem in Hedelfingen, Feuerbach und Zuffenhausen „starke Belastungen“ gemessen, sagt Thomas Schene, der im Stuttgarter Amt für Umweltschutz für Lärmbekämpfung zuständig ist. Das gelte vor allem für Belastungen durch Straßenverkehr. Bei nächtlichem Lärm durch die Stadtbahnen seien verhältnismäßig auch viele Menschen in Wangen und Bad Cannstatt belastet.
Welche Straßen sind am lautesten?
Das sind die Heilbronner Straße, die Hauptstätter Straße, die Hohenheimer Straße und die Charlottenstraße – alle befinden sich in der Innenstadt. „Das sind die Menschen, die auch von Hitze am stärksten belastet sind“, sagt Lucia Schanbacher (SPD). Denn vor allem in der Innenstadt entstünden im Sommer Hitze-Hotspots, wo es auch nachts kaum abkühle. Wer dort wohne, seien vor allem„Menschen ohne dick gefüllten Geldbeutel“.
Hat sich die Belastung verändert?
In diesem Jahr wendet die Stadt Stuttgart erstmals ein Verfahren der Europäischen Union (EU) zur Messung an. So sind die Ergebnisse künftig mit anderen europäischen Städten vergleichbar. Thomas Schene hat zusätzlich auch die alte Methode angewandt für Stuttgart – und kam da auf wenig Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren.
Wie lässt sich Lärm reduzieren?
Am Möhringer Bahnhof sowie am Olgaareal wurden jüngst sogenannte Schmieranlagen in Betrieb genommen. Diese sollen die Geräusche durch Stadtbahnen mindern. Beim Straßenverkehr ist es komplizierter: Geringere Geschwindigkeiten, also etwa Tempo 30 oder Tempo 40, führen in der Regel zu geringerem Lärm als bei Tempo 50. Allerdings ist eine solche Umstellung nicht so leicht möglich.
Was spricht gegen Tempo 30?
Zum einen könne man laut der Straßenverkehrsordnung nicht einfach so flächendeckend Tempo 30 einführen, um die Lärmbelastung zu reduzieren, sagt Thomas Schene. Temporeduktionen seien nur auf einzelnen Straßen möglich, „das muss für jede einzelne Straße begründet werden“. Das Problem sei aus seiner Sicht, dass es bei Lärm keine Grenzwerte gebe, die eingehalten werden müssten – anders als etwa bei Schadstoffen, bei denen Grenzwerte im Luftreinhalteplan vorgegeben sind.
Zum anderen ist das eine Mentalitätsfrage: Bei der Diskussion im jüngsten Klimaausschuss gab es auch Aussagen wie: „Wir leben hier vom Auto“ und „Eine ganz leise Stadt wird nicht mehr am Leben sein“ (Konrad Zaiß, Freie Wähler). Der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz sagte, dass die Leute oft an ihrer eigenen Wohnstraße Tempo 30 wollten, aber Tempo 50 bevorzugten, wenn sie mit dem Auto unterwegs seien.
Bringen Elektroautos eine Lärmminderung?
Das kommt darauf ein. Bei Tempo 30 seien Elektroautos deutlich leiser als Diesel- oder Benzinfahrzeuge, sagt Thomas Schene. Anders sei dies bei Tempo 50: Aufgrund der größeren Reifen wären Elektroautos dann genauso laut. Dazu komme der Trend zu immer größeren und schwereren Autos, also SUVs – und die seien immer lauter.
Welche wichtigen Termine stehen an?
In den kommenden Monaten gibt es mehrere öffentliche Infoveranstaltungen zum Lärmschutz. Diese sind am 29. April in Möhringen für die Filderbezirke, am 13. Mai in Feuerbach für die nördlichen Stadtbezirke, am 18. Juni im Stuttgarter Rathaus für die inneren Stadtbezirke und am 24. Juni in Bad Cannstatt für die Neckarbezirke. Zudem läuft von April bis August eine Onlinebeteiligung für Bürger.