Lärm in Stuttgart-Riedenberg Wann ist Durchfahrtsverkehr wirklich unerträglich?

Von Caroline Holowiecki 

Immer wieder ist die Verkehrssituation auf der Schemppstraße in Stuttgart-Riedenberg ein Thema. Doch es gibt verschiedene Sichtweisen auf das Problem. Und die Stadt Stuttgart sieht keinen Diskussionsbedarf.

Achim Beckedorf und Brigitte Altenburger reicht es. Foto: Caroline Holowiecki
Achim Beckedorf und Brigitte Altenburger reicht es. Foto: Caroline Holowiecki

Riedenberg - Mit jedem Auto, das vorbeifährt, wird Achim Beckedorf etwas lauter. Bald schon steht er rufend auf dem Gehweg, denn der Verkehr, der an jenem Freitagnachmittag auf der Schemppstraße durch Stuttgart-Riedenberg rollt, nimmt kein Ende. „In erster Linie geht es uns um den Lärm, außerdem um die Sicherheit“, sagt er – und die Lautstärke, die er aufbringen muss, ist wie ein Ausrufezeichen hinter dem Gesagten.

Achim Beckedorf lebt in einem Wohnkomplex, der zwar postalisch der Isolde-Kurz-Straße zugeordnet ist, aber zur Schemppstraße zeigt. Und wie vielen anderen Nachbarn reicht es ihm. 20 von 30 Parteien, die hier wohnen, haben kürzlich einen Brief an den Sillenbucher Bezirksbeirat und die zuständigen Betreuungsstadträte geschrieben. Was sie fordern? Tempo 30 und ein Lkw-Verbot – ohne den Zusatz „Anlieger frei“. Aktuell gilt in ganz Stuttgart ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen. Nur wer eine Lieferadresse im Stadtgebiet ansteuert, darf fahren, „aber es wird nicht kontrolliert“, sagt Brigitte Altenburger, eine weitere Anwohnerin.

Unter den Anwohnern gibt es offenbar zwei Positionen

Die Verkehrssituation an der Schemppstraße empfinden viele als unbefriedigend. Das Thema ist schon mehrfach im Bezirksbeirat aufgeschlagen. So war etwa von Seiten der damaligen Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus 2019 das Thema Geschwindigkeitsreduzierung aufgeworfen worden. CDU, SPD und FDP wollten in diesem Juli per Antrag erreichen, dass die Situation beleuchtet wird und mit ihr die Parksituation, die Unfallhäufigkeit sowie die Schutzmöglichkeiten für Radler. Dazu sollten Vertreter der Stadt und der Polizei betont ergebnisoffen berichten. Denn offenbar gibt es zwei Positionen in der Anwohnerschaft: Die einen sind dort, wo am Ende der Straße das Parken auf der Fahrbahn erlaubt ist, von den daraus resultierenden Staus und den chaotischen Zuständen genervt und wünschen sich Parkverbote. Andere Nachbarn wiederum begrüßen die Verlangsamung des Verkehrs und befürchten, dass ohne parkende Autos gerast wird.

Letztere Gefahr sieht man auch in der Straßenverkehrsbehörde des Ordnungsamts. Das geht aus der Antwort hervor, die jüngst dem Bezirksbeirat vorgelegt wurde. Dass es zu den Stoßzeiten durch die am Ende der Schemppstraße parkenden Autos mitunter zu Stockungen kommt, wird eingeräumt, „dies trägt jedoch zu einer Regulierung und im Sinne der Verkehrssicherheit zu einer begrüßenswerten Entschleunigung“ bei. Weitere Halteverbote werden abgelehnt: Die Anwohner benötigten die Parkplätze, außerdem verleiteten gerade freie Strecken „erfahrungsgemäß“ zu erhöhten Geschwindigkeiten. Grundsätzlich heißt es: „Es besteht in diesem Bereich derzeit keine Gefahrenlage.“

Lieber mit dem Rad auf dem Gehweg

Angesichts dessen sehe man für einen Verkehrsversuch weder die Grundlage noch die Notwendigkeit. Und dann: „Diese Stellungnahme zur derzeitigen verkehrlichen Situation der Schemppstraße ist von Seiten des Straßenverkehrsbehörde abschließend. Eine weitergehende Diskussion im Bezirksbeirat ist bei dieser Sachlage nicht zielführend.“

Im Gremium will man sich mit dieser Antwort nicht zufriedengeben, in der Nachbarschaft auch nicht. Während die Autos fast im Sekundentakt vorbeifahren, steigt Edeltrud Koenzen auf ihr Rad – und fährt auf dem Gehweg davon. Dass das nicht erlaubt ist, weiß sie, aber auf der Straße habe sie Angst. So gehe es vielen hier, sagt Achim Beckedorf. Der Direktor des Augustinum wiederum sorge sich um die Sicherheit der Bewohner, steht im Brief. „Früher war das eine Anwohnerstraße“, sagt Brigitte Altenburger, mittlerweile mutiere gerade der Teil, wo keine Autos parken, nachts und an Wochenenden zur „Rennstrecke“. Ihr Nachbar Achim Beckedorf sagt: „Viele sind sehr frustriert.“




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