Dazu gehört das Vorhaben, auch zwischen Eglosheim und der Ludwigsburger Feuerwache Tempo 40 auf der B 27 einzuführen, um bis zum Stadtausgang Ludwigsburg-Süd eine einheitliche Geschwindigkeit zu haben. Der „Flickenteppich“ – nachts Tempo 30 in Eglosheim, Tempo 50 bis zur Marienstraße, dann Tempo 40 längs durch die Stadt – sei kaum nachvollziehbar, kritisieren Stadträte aller Couleur. „Es wäre unser Wunsch, eine durchgehende Geschwindigkeit zu haben und ganz Ludwigsburg mit einem in sich stimmigen Konzept zu überziehen“, sagte Bürgermeister Michael Ilk. Man brauche aber, gerade für den Streckenabschnitt zwischen Café Mohrenköpfle und Marienwahl ohne Anwohner, auch gute Begründungen. „Bundesstraßen sollen eben auch schnell von A nach B führen.“
Von wegen Genussmomente auf dem Balkon
Auf der Achse Wilhelmstraße / Arsenalstraße / Schillerplatz sollen Autos, Motorräder und Busse künftig langsam machen: Dort ist ganztags Tempo 30 geplant. Anwohner hatten in Stellungnahmen unter anderem berichtet, wie sehr sie sich von Posern und ihren aufheulenden Motoren belästigt fühlen.
Überhaupt zeigen die Statements der Ludwigsburger zur Fortschreibung des Lärmaktionsplanes, wie sehr sie sich vom Abgasgestank, den vielen Lkws, dem Krach getunter Autos und Motorräder oder von Rasern und Schleichverkehrfahrern beeinträchtigt fühlen. Gespräche in Vorgärten ohne massive Verkehrsgeräusch-Kulisse, ein paar ruhige Augenblicke auf dem Balkon oder der Terrasse: Für viele Bürger, in welchem der Lärmschwerpunkte der Stadt sie auch wohnen, sind das oft nur noch Wunschträume.
Es braucht auch das nötige Kontroll-Personal
Auch auf Gefahren für Kindergarten- und Schulkinder weisen viele Stellungnahmen hin. Aber auch auf die Tatsache, dass Verbote zum zahnlosen Tiger werden, wenn nicht genügend Personal da ist, das ihre Einhaltung überwacht und Verstöße sanktioniert. Die Bürger wünschen sich außerdem mehr Blitzer, lärmdämmende Straßenbeläge und teils auch Lärmschutzfenster.
Es gibt aber auch die Sorge, dass der Schutz vor Lärm und Abgasen mit einem attraktiven, verlässlichen ÖPNV kollidiere. „Ich finde es schon bemerkenswert, sehenden Auges eine Busverlangsamung zu beschließen und keinerlei Anreiz für die Fahrer, ihre Zeiten wieder reinholen zu können“, kommentierte etwa Sebastian Haag von der FDP die anvisierte Tempodrosselung in der Arsenal- und Wilhelmstraße. Auch die Stabsstelle Nahverkehrsplanung des Landratsamtes meldet in ihrer Stellungnahme Bedenken an. „Die Buslinien im Raum Ludwigsburg sind wegen der hohen Verkehrsbelastung bereits heute sehr störungs- und verspätungsanfällig“, merkt die Behörde an. Es steige die Gefahr von Anschlussverlusten. Man müsse deshalb die gesamten Linienverläufe betrachten. „Manche Buslinien sind gleich durch mehrere Maßnahmen des Lärmaktionsplanes betroffen, was erhebliche Verlustzeiten mit sich bringen könnte“, heißt es in dem Statement, „vor allem die Linien 433 und 533, die wegen der langen Linienwege sehr störungsanfällig sind und nur über geringe Zeitreserven verfügen, aber auch die Linien 426 oder 427“.
Besorgte Busbetreiber
Besorgt sind auch die Busbetreiber. LVL Jäger fordert Maßnahmen wie Linienbegradigungen, weitere Busspuren, Schleusen, auf Busse zugeschnittene Ampelschaltungen oder Vorfahrtsregelungen. „Wir sind in engem Austausch mit den Busbetreibern“, beteuerte Matthias Knobloch, Leiter des Fachbereichs Nachhaltige Mobilität, im Mobilitätsausschuss. Die geplanten Tempolimits würden in Absprache mit ihnen angegangen.
Alarmiert reagiert die Industrie- und Handelskammer auf weitere geplante Tempodrosselungen oder die Überlegung zu Lkw-Durchfahrverboten. Sie findet die Geschwindigkeitsbeschränkungen „zu pauschal“, befürchtet Zielkonflikte, fordert lärmmindernde Fahrbahn- und Brückensanierungen und bezweifelt, „dass der Trend zur E-Mobilität und Flottenmodernisierung in die Lärmberechnungen eingeflossen sind“, heißt es im Statement der Bezirkskammer Ludwigsburg.
Gesundheitsschutz für die Bürger
Als „extrem wichtig“ bezeichnete die Grünen-Rätin und frischgebackene Landtagsabgeordnete Silke Gericke die Fortschreibung des Lärmaktionsplans: „Er ist Gesundheitsschutz für unsere Bürgerinnen und Bürger.“ Sie plädierte dafür, etwa in Eglosheim auch Parallel- und von der Heilbronner Straße abzweigende Straßen in die Tempolimits einzubeziehen, wie von vielen Bürgern gefordert.
Wenn der Lärmaktionsplan vollends beschlossen sein wird, ergibt sich daraus aber kein rechtlicher Anspruch darauf, dass die Ziele zu einem bestimmten Zeitpunkt umgesetzt werden: Er soll in seiner endgültigen Form nur Leitlinie des Verwaltungshandelns sein. „Bei vielen Vorhaben entsteht keine Verbindlichkeit“, so Matthias Knobloch. Gestrichen wurde der ursprüngliche Auftrag, kurz- bis mittelfristig eine stadtweite Einführung von Tempo 30 ganztags oder Tempo 40 tags und Tempo 30 nachts zu prüfen. Für einzelne Straßenabschnitte soll dieses Ziel aber weiterhin angestrebt werden.