Landesbank-Einkauf Schock für die Sparkassen

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Die Landesbank Berlin wird für die 428 Sparkassen in Deutschland immer stärker zur Belastung. Grund ist ein deutlicher Wertverfall der Bank.

Verbandschef Heinrich Haasis hatte sich für den Kauf...  Foto: dpa 2 Bilder
Verbandschef Heinrich Haasis hatte sich für den Kauf... Foto: dpa

Berlin - Die Landesbank Berlin wird für die 428 Sparkassen in Deutschland immer stärker zur Belastung. Grund ist ein deutlicher Wertverfall der Bank. Die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser müssen zum Jahresende eine ungewöhnlich hohe Summe von 850 Millionen Euro auf den Wert der Bankbeteiligung abschreiben. Dies ist nach Angaben der Bank auch darauf zurückzuführen, dass griechische Anleihen im Besitz der Bank weniger wert sind. Die Landesbank gehört zu knapp 99 Prozent den deutschen Sparkassen, den Rest der Anteile halten freie Aktionäre.

Die hohen Belastungen aus dem Engagement in Berlin treffen auch die Sparkassen in Baden-Württemberg. Auch sie müssen Wertberichtigungen auf ihre Beteiligung vornehmen. Auf sie entfällt ungefähr ein Anteil von 15 Prozent. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung drohen den Sparkassen darüber hinaus weitere Opfer: Weil die Landesbank Berlin für dieses Jahr keine Dividende ausschütten kann, müssen die deutschen Sparkassen im kommenden Jahr rund 100 Millionen Euro nachschießen.

Der Kaufpreis war umstritten

Dieser Betrag muss aufgebracht werden, um den Kauf der Landesbank Berlin im Jahr 2007 zu finanzieren. Damals erwarben die Sparkassen die stark im Privatkundengeschäft verankerte Landesbank für 5,5 Milliarden Euro. Der hohe Preis war innerhalb der Organisation vor vier Jahren umstritten. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Heinrich Haasis, hatte sich vor vier Jahren für den Kauf starkgemacht. Es müsse verhindert werden, dass Privatbanken bei einer Sparkasse einsteigen, erklärte Haasis damals. Zur Landesbank Berlin gehört die Berliner Sparkasse. Um den Kauf zu finanzieren, sollten zum Teil Dividendenzahlungen der Landesbank Berlin herangezogen werden. In den Jahren 2009 und 2010 schüttete die Landesbank jeweils 140 Millionen Euro aus. Für dieses Jahr ist keine Dividende zu erwarten. Dabei sollten von der Gewinnausschüttung ungefähr 100 Millionen Euro zur Finanzierung des Kaufpreises verwendet werden. Der DSGV dürfte sich somit mit der Bitte an die Sparkassen wenden, das Geld aufzubringen. Dies führt offenbar zu großer Verärgerung.

Ein Sprecher des Sparkassenverbands Baden-Württemberg sprach von einer schmerzlichen Entwicklung. Allerdings sei für die Sparkassen im Südwesten die Wertberichtigung zu verkraften. Wegen der guten Entwicklung im Privatkundengeschäft befänden sich die baden-württembergischen Sparkassen in robuster Verfassung. Ein Teil der Institute habe sich auf höhere Abschreibungen auf die Berliner Beteiligung schon vorbereitet.

Haasis pocht auf stärkere Einsparungen

Schon im vergangenen Jahr mussten die Eigentümer der Landesbank eine Abschreibung von 430 Millionen Euro vornehmen. Nach Angaben des Sparkassenverbands Baden-Württemberg hätten einige Mitgliedsinstitute 2010 bereits in größerem Umfang vorgesorgt. Sie sind daher von der erneuten Wertberichtigung weniger stark betroffen. Insgesamt mussten die Sparkassen 2010 und 2011 fast ein Viertel des ursprünglichen Kaufpreises abschreiben. DSGV-Präsident Haasis, der im Mai kommenden Jahres in den Ruhestand geht, muss sich daher einige Kritik anhören.

Der DSGV verweist in einer Erklärung darauf, dass es wegen der Finanz- und Schuldenkrise einen starken Wertverfall bei Bankaktien gegeben hat. Seit dem Jahr 2007 hätten europäische Bankaktien im Schnitt 70 Prozent ihres Wertes verloren. Die Landesbank Berlin habe sich in den vergangenen Jahren besser geschlagen als vergleichbare Institute. Das Institut habe sich in diesem Jahr aber der Entwicklung an den Kapitalmärkten nicht entziehen können, teilte der Sparkassenverband mit. Der DSGV erwartet, dass sich das Geldhaus wegen der soliden Entwicklung im Kundengeschäft bald wieder erholt. Im dritten Quartal war die Landesbank Berlin in die roten Zahlen gerutscht. Für das gesamte Jahr wird ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet. Wie heftig das Institut unter den Finanzmarktturbulenzen leidet, wird an folgender Zahl deutlich: Insgesamt liegt die Wertminderung in diesem Jahr bei 1,2 Milliarden Euro. Bei Vermögenswerten von 350 Millionen Euro sei die Wertminderung aber nur als vorübergehend anzusehen, so dass keine Abschreibung vorgenommen werden müsse, hieß es.

Haasis pocht nun auf stärkere Einsparungen. Überschneidungen beim Sparkassen-Fondsanbieter Deka und der Landesbank Berlin müssten reduziert werden.