Landesehrennadel für Denkendorfer Der „Club“ ist Jürgen Kurz zur Heimat geworden

Jürgen Kurz leitet den Club und wurde jetzt mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Foto: /Ulrike Rapp-Hirrlinger

Jürgen Kurz leitet seit 1996 den „Club“, das Freizeitangebot für Menschen mit Behinderung im CVJM Denkendorf, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert. Für sein ehrenamtliches Engagement ist Kurz jetzt mit der Landesehrennadel ausgezeichnet worden.

Ein Leben ohne den Club, in dem sich einmal im Monat Menschen mit Behinderung im CVJM-Vereinshaus treffen, kann sich Jürgen Kurz nicht mehr vorstellen. „Der Club ist für mich wie eine Familie, mein Lebensmittelpunkt“, sagt der 56-Jährige gebürtige Denkendorfer, der inzwischen in Ostfildern lebt. Dabei kam Kurz 1985 bei einem integrativen Jungscharlager des CVJM Denkendorf eher zufällig mit der Behindertenarbeit in Berührung. Doch schon im nächsten Jahr schloss er sich dem ehrenamtlichen Mitarbeiter-Team des Clubs für Menschen mit Handicap an. 1996 übernahm er die Leitung. „Doch das ist keine Ein-Mann-Show“, betont Kurz. Ein Team von derzeit zwölf Ehrenamtlichen steht ihm zur Seite.

 

Im „Club“ darf jeder so sein wie er ist

Und doch nimmt die Organisation viel Zeit in Anspruch, die er neben seiner Arbeit als Elektromeister in einem großen Konzern aufbringt. Schließlich soll das Angebot attraktiv sein. Rund 30 Menschen mit Behinderung aus dem Landkreis treffen sich am ersten Samstag im Monat in Denkendorf zur gemeinsamen Freizeitgestaltung. Sport und Spiele, Basteln und Kochen, Musizieren, kleine Ausflüge oder auch Disco und Karaoke stehen auf dem Programm. Einmal im Jahr gibt es zudem einen größeren Ausflug, alle zwei Jahre eine mehrtägige Freizeit.

Bei einem Altersspektrum von 18 bis über 80 Jahre unterscheiden sich die Bedürfnisse. Es muss für jeden etwas dabei sein. Jürgen Kurz hat aber auch festgestellt, dass sich die „Clubser“ gegenseitig unterstützen.

Wenn er mal einen Durchhänger habe und ihm die Organisation zu viel werde, seien es immer wieder die Mitarbeitenden, die ihn motivierten, dass es weitergeht. „Manchmal gehen mir auch die Ideen aus. Aber dann merke ich, dass weniger oft mehr ist, dass Spiele und bei Kaffee und Gesprächen zusammenzusitzen, meist völlig ausreicht.“ Die Nachmittage sollen vor allem die Möglichkeit geben, Gemeinschaft zu erleben. Dabei werden auch religiöse Themen angesprochen. Kurz: „Ich möchte den behinderten Menschen vermitteln, dass sie ein Geschenk Gottes sind und eine Daseinsberechtigung wie jeder andere haben.“

Im Club werde jeder so angenommen, wie er ist. Herzlichkeit und Ehrlichkeit prägten den Umgang miteinander. „Hier spielen Äußerlichkeiten keine Rolle, sondern die Person steht im Vordergrund. Wir wollen Heimat sein für alle – eine Gemeinschaft ohne Vorurteile und Vorbehalte.“ Das tue auch ihm gut, betont Kurz. Und so sagt er heute: „Der Club ist für mich Heimat. Hier darf auch ich sein, wie ich bin.“ Nach fast vier Jahrzehnten sagt Jürgen Kurz: „Mit dem Club habe ich meinen Weg gefunden. Er ist ein Ort, an dem ich mich verwirklichen und etwas bewegen kann.“ Denn ihm liegt es am Herzen, auch in die Gesellschaft hineinzuwirken. „Ich möchte die Menschen zum Nachdenken darüber anregen, wie wir mit Menschen mit Behinderung umgehen.“ Jahrelang war er Sprecher des Fachausschusses für bürgerschaftliches Engagement in der Behindertenarbeit im Landkreis. Der integrative Gedanke ist ihm wichtig. „Ich versuche, spielerisch Begegnungen mit Menschen ohne Behinderung zu schaffen.“ Deshalb gibt es immer wieder gemeinsame Nachmittage mit der Jungschar. Und bei der letzten Freizeit auf einem Reiterhof kam man mit einer Mädchengruppe ins Gespräch, die dort ebenfalls Reiterferien verbrachte.

Das Engagement im Club hat Kurz verändert. „Ich bin offener, neugieriger auf andere Menschen und sensibler geworden.“ Heute stecke er Menschen nicht mehr schnell in eine Schublade, sondern versuche, eine Person erstmal kennenzulernen, bevor er urteile. Der Umgang mit Menschen mit Handicap hat ihn zudem aufmerksamer gemacht. „Mir fallen Dinge auf, wo andere nicht hinschauen. Etwa, wenn jemand Hilfe braucht.“

Hilfe und Unterstützung gibt Kurz seinen „Clubsern“ auch außerhalb der gemeinsamen Aktivitäten. . Erkennt er Missstände, informiert er auch mal Eltern oder Betreuer. Damit der Kontakt während der Pandemie nicht abriss, machte er Besuche oder organisierte Online-Treffen, brachte Oster- oder Weihnachtsgeschenke vorbei und hielt so die Verbindung.

Der Bürgermeister gratuliert und dankt dem Ausgezeichneten ganz besonders

Wenn er von Eltern hört, wie gut die Zeit im Club den Teilnehmerinnen und Teilnehmern tut, fühlt sich Jürgen Kurz in seiner Arbeit bestätigt. „Dieses Feedback ist mehr als genug Belohnung.“ Für Jürgen Kurz ist es selbstverständlich, einen Teil seines Urlaubs mit den „Clubsern“ zu verbringen. Zum Ausgleich geht der begeisterte Fotograf dann ganz alleine auf Motivsuche an die unterschiedlichsten Orte.

Für das viele Herzblut, das Jürgen Kurz seit Jahrzehnten in dieses ehrenamtliche Engagement steckt, hat ihn der Ministerpräsident nun mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Der Denkendorfer Bürgermeister Ralf Barth würdigte bei der Übergabe der Ehrung die Arbeit von Jürgen Kurz: „Ihr persönlicher Einsatz für Menschen mit Behinderung ist außerordentlich bemerkenswert. Wir sind sehr stolz auf Ihre ehrenamtliche Arbeit und zugleich froh und dankbar, dass wir Sie haben. Ihrem großen Herzen ist es zu verdanken, dass die Menschen mit Behinderung in Denkendorf im CVJM Club ein zweites Zuhause haben.“

Urkunde und Silbernadel als Dank für besonderes Engagement

Gründung
 Die Idee für den Club entstand 1973 mit dem Ziel, Freizeitangebote für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Spendengelder sorgen dafür, dass sich Menschen mit Handicap die Teilnahme leisten können.

Auszeichnungen
 Der Club wurde bereits 1979 vom Innenministerium mit dem Landespreis im Bereich Behindertenarbeit ausgezeichnet. 2003 war er unter den Preisträgern des ersten Ehrenamtspreises „Starke Helfer“, der von der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen und der Eßlinger Zeitung ausgelobt wird.

Ehrennadel
 Das Land zeichnet mit der Ehrennadel Bürgerinnen und Bürger aus, die sich über mindestens 15 Jahre durch Ehrenamt in Vereinen und Organisationen mit kulturellen, sportlichen oder sozialen Zielen oder in vergleichbarer Weise um die Gemeinschaft besonders verdient gemacht haben. Sie besteht aus einer silbernen Anstecknadel und einer Urkunde. 

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