Landgericht Stuttgart Versuchter Totschlag mit einem Auto

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Ein 22-jähriger Großerlacher soll einen Kontrahenten nach einem Streit angefahren haben. Der Mann, der fünf Meter weit weggeschleudert wurde, erlitt leichte Verletzungen.

Vor dem Stuttgarter Landgericht wurde am ersten Verhandlungstag nur die Anklage verlesen. Foto: dpa
Vor dem Stuttgarter Landgericht wurde am ersten Verhandlungstag nur die Anklage verlesen. Foto: dpa

Großerlach - Die Vorwürfe sind gravierend: versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung sowie ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart einem 22-jährigen Großerlacher vor. Dieser muss sich seit Donnerstag vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart verantworten. Der erste Verhandlungstag endete jedoch bereits nach Verlesung der Anklageschrift. Am 29. Juni wird der Angeklagte zu seiner Person aussagen. „Und mein Anwalt wird für mich eine Stellungnahme zur Sache abgeben“, sagte der junge Mann.

Streit auf der Straße eskaliert

Dieser soll laut der Anklage am 20. Januar gegen 14 Uhr in Backnang versucht haben, mit seinem Auto einen 20-jährigen Mann anzufahren, mit dem er Streit hatte. Jener hatte gesehen, dass der 22-Jährige in seinem 5er-BMW vor einer Notunterkunft an der Backnanger Fabrikstraße vorgefahren war, in der er Sachen abholen wollte. Der 20-Jährige habe zusammen mit einem anderen Mann den Angeklagten zur Rede stellen wollen, dieser habe jedoch die Türen seines Autos verriegelt, in dem außer ihm noch seine Freundin und ein weiteres Paar saßen. Der 20-Jährige soll daraufhin mit der Hand auf die Windschutzscheibe geschlagen und sein Begleiter ein Feuerzeug hinter dem wegfahrenden Auto hergeworfen haben.

„Der Angeklagte geriet daraufhin in große Wut“, heißt es in der Anklageschrift. Der 22-Jährige, der sich seinem Kontrahenten körperlich unterlegen gefühlt habe, soll daraufhin mit seinem schweren Wagen auf den 20-Jährigen zugehalten und kräftig Gas gegeben haben. Dieser habe wohl nicht damit gerechnete, dass es der Angeklagte ernst meinte, heißt es in der Anklage weiter. Er habe dem Fahrer gegenüber noch eine obszöne Geste mit der Hand gemacht, dann jedoch gemerkt, dass das Auto tatsächlich auf ihn zufuhr. „Er versuchte noch zur Seite zu springen, wurde jedoch von dem Wagen mit etwa 30 Stundenkilometern erfasst“, trug die Staatsanwältin vor.

Der Aufprall hob den 20-Jährigen von den Füßen und schleuderte ihn rund fünf Meter weit und über eine Absperrung auf einen Parkplatz. „Wie durch ein Wunder zog er sich nur Prellungen zu.“ Der 22-Jährige soll danach gewendet und davon gefahren sein. Den Vorfall sollen neben den Insassen seines Autos noch sieben weitere Personen beobachtet haben, die sich auf dem Gelände einer ehemaligen Fabrik aufgehalten hatten.

Die Polizei geht zuerst von einem Unfall aus

Zuerst war die Polizei von einem Unfall ausgegangen, dann ergaben die Ermittlungen jedoch ein anderes Bild. Am 7. Februar wurde der Großerlacher festgenommen und kam in Untersuchungshaft, wo er bis jetzt sitzt. Am Mittwoch war der 20-Jährige, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt, nicht erschienen. Das veranlasste Angehörige des Angeklagten, die als Zuhörer erschienen waren, zu Unmutsäußerungen. Der Vorsitzende Richter wies deshalb am Ende der Sitzung darauf hin, dass er an den weiteren Verhandlungstagen keinerlei Kommentierungen aus dem Publikum dulden werde, „weder in Worten, Geräuschen oder Grimassen“. Andernfalls riskiere, wer sich nicht an diese Weisung halte, aus dem Saal gewiesen zu werden.




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