Landgericht Stuttgart Prozess wegen „Koffermords“ beginnt

Im Schlossgarten sollen ein 48-Jähriger Ende Mai 2014 zwei Leichen in Koffern abgestellt haben. Foto: Achim Zweygarth
Im Schlossgarten sollen ein 48-Jähriger Ende Mai 2014 zwei Leichen in Koffern abgestellt haben. Foto: Achim Zweygarth

Einen grausigen Fund machten zwei Männer Anfang Juni 2014 im Schlossgarten: In zwei blutverschmierten Koffern befand sich jeweils eine Leiche. Von kommendem Montag an steht ein 48-Jähriger wegen Mordes vor Gericht.

Digital Unit : Lukas Jenkner (loj)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - In einem der aufsehenerregendsten Stuttgarter Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte beginnt am nächsten Montag die juristische Aufarbeitung vor Gericht: Im sogenannten Koffermordfall muss sich ein 48-jähriger Mann verantworten. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann zwei Bekannte, eine 47 Jahre alte Frau und einen 50-Jährigen, in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai umgebracht hat. Täter wie Opfer sollen sich in der Stuttgarter Wohnsitzlosenszene bewegt haben.

Laut der Anklage hatten die drei in der Wohnung des 48-Jährigen miteinander Alkohol getrunken, als dieser wohl wegen eines Beziehungsstreits zunächst den Mann und dann die Frau tötete – mit zahlreichen Schlägen und Messerstichen, wie die Obduktion später ergab. Nach der Tat soll der Mann die Leichen seiner Opfer in jeweils einen großen Koffer gelegt haben. Weil die Getöteten jeweils nicht größer als 1,66 Meter gewesen seien und nicht mehr als 60 Kilogramm gewogen haben, sei dies möglich gewesen. Anschließend soll der Täter die Koffer mit seinem Fahrradanhänger in die Unteren Schlossgartenanlagen gefahren und sie hinter einer Mauer am Fuße des Bahndamms abgestellt haben.

Eine DNA-Spur brachte den Angeklagten ins Visier

Bereits einen Tag später fielen die blutverschmierten Gepäckstücke zwei Männern auf, die im Park unterwegs waren und hinter der Mauer austreten wollten. Die Männer alarmierten die Polizei, die in den folgenden zwei Wochen alle Hände voll zu tun hatte. In Spitzenzeiten waren der Sonderkommission „Damm“ 40 Polizeibeamte zugeordnet, die knapp 240 Hinweise zu bearbeiten hatte. Allein 20 Zeugen hatten sich gemeldet, nachdem der Sachverhalt in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt worden war.

Letztlich geriet der 48-Jährige durch eine DNA-Spur ins Visier der Ermittler. Gut zwei Wochen nach der Tat nahm ein Spezialeinsatzkommando den Mann in einer Wohnung an der Sophienstraße fest. Er leistete keinen Widerstand und sitzt seither in Untersuchungshaft. Bisher bestreitet er, der Täter zu sein. Laut der Staatsanwaltschaft ist er wegen Körperverletzungsdelikten einschlägig vorbestraft.

Termin: Die Verhandlung beginnt am Montag, 2. Februar, um 9 Uhr im Stuttgarter Landgerichts in der Olgastraße 2. Der Saal steht noch nicht fest. Die 1. Schwurgerichtskammer hat bisher 16  Verhandlungstage bis zum 31. März terminiert.




Unsere Empfehlung für Sie