Ehemaliges Wohnheim in Böblingen Mieter sorgen sich um ihre Bleibe

Was passiert mit den Mietern in der Elsa-Brändström-Straße 16, dem Wohnhaus rechts? Foto: Stefanie Schlecht/Archiv

In der Elsa-Brändström-Straße 16 in Böblingen fürchten Mieter, ihre Bleibe verlassen zu müssen, um dringend benötigten Raum für Geflüchtete zu schaffen. Der Landkreis tritt den Sorgen entgegen: Kein Mieter muss das Haus verlassen.

Böblingen: Martin Dudenhöffer (dud)

Was passiert mit dem Gelände der Kreisklinik ab 2025, wenn die Klinik auf dem Flugfeldareal einen neuen Standort gefunden hat? Diese Frage stellen sich nicht nur das Land, der Kreis und die Stadt Böblingen, die jeweils eigene Vorstellungen über die Nutzung des Areals haben, sondern auch Bewohner wie Jens Baumann (Name geändert). Der 40-Jährige wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung in einem der drei ehemaligen Schwesternwohnheime in der Elsa-Brändström-Straße 16.

 

Wie lange er dort noch bleiben kann, darüber zerbricht sich Baumann seit Jahren den Kopf. Denn er fürchtet, wie auch andere Bewohner, dass sie ihre Apartments bald räumen müssen – um Platz zu machen für Geflüchtete. „Bislang hat man uns keine Aussage darüber gemacht, ob wir ausziehen müssen. Ich mache mir große Sorgen, da ich als chronisch Erkrankter nur geringfügig arbeiten kann und auf eine kostengünstige Wohnung angewiesen bin“, drückt Baumann seine Angst aus. Konkret befürchtet er: „Obwohl ich bleiben wollen würde, bin ich seit drei Jahren auf Wohnungssuche. Ich stehe auf Listen der Böblinger Baugesellschaft und der Sindelfinger Wohnstätten. Sollte ich raus müssen, stehe ich vor der Obdachlosigkeit.“

Quo vadis, Elsa-Brändström-Straße 16?

Nicht nur für ihn stelle die Unsicherheit eine Belastung dar, auch eine andere Nachbarin, die seit 50 Jahren in dem Wohnheim wohnt, lebe in Sorge. Sie hatte aufgrund von Renovierungsarbeiten, die aktuell durchgeführt werden, bereits von einem der oberen in eines der unteren Stockwerke ziehen müssen. Ausziehen musste allerdings noch niemand. Auch wurden bisher keine Kündigungen ausgesandt. In den Nachbarhäusern, den Hausnummern 12 und 14, habe es in den vergangenen Jahren aber die Entwicklung gegeben, dass frei werdende Apartments nicht mehr neu vermietet wurden. Stattdessen wurden geflüchtete Menschen untergebracht, seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 haben sich Ukrainer hinzugesellt. Jens Baumann und weitere Bewohner sorgen sich nun darum, dass sie für eine Umnutzung des Gebäudes weichen müssen. In dem Haus hatte der Landkreis als Eigentümer erst Mitte Januar den Mietern der Etagen 3, 4 und 5 mitgeteilt, dass sie Mitte Februar in die unteren Stockwerken umziehen sollen. „Innerhalb von nur knapp vier Wochen umzuziehen? Das war eine sehr kurzfristige Ansage, die manche aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht so leicht umsetzen konnten“, erklärt Baumann.

Gerade vor wenigen Tagen habe es zwei weitere Fälle gegeben, bei denen sich Jens Baumann und andere Mieter über die Vorgehensweise der Eigenbetriebe gewundert haben. Die Eigenbetriebe sind für das Management landkreiseigener Liegenschaften verantwortlich. „Erst vergangene Woche haben Arbeiter im Zuge der Renovierungsarbeiten in den obersten Stockwerken Möbel und Einzelteile der Einbauschränke aus den Fenstern nach unten geworfen. Auf der Rasenfläche unten befand sich kein abgesperrter Bereich. Vor meinem Balkon sind schwere Holzteile in Zentimeterentfernung heruntergefallen. Warum sichert man den Bereich unten nicht ab und teilt den übrigen Mieter außerdem nicht mit, dass man Mobiliar aus den oberen Stöcken entsorgt?“, fragt Baumann. Auch hier habe die Kommunikation nur schleppend funktioniert. Erst nachdem der 40-Jährige eine zuständige Person aus dem Gebäudemanagement aufmerksam gemacht hatte, sei schnell gehandelt worden: „Kurz nach meinem Anruf waren unten Absperrbänder aufgespannt. Bis dahin hätte aber einiges passieren können.“

Landkreis bestätigt Einzug von Flüchtlingen in Haus Nummer 16

Ansprechpartner für Bestandsmieter wie Jens Baumann ist das Landratsamt. Dort sind sich die Verantwortlichen im Klaren darüber, dass sich Unsicherheit bei den Mietern der Elsa-Brändström-Straße breitgemacht hat: „Uns ist bewusst, dass die Umzüge in der Elsa-Brändström-Straße 16 mit Belastungen für Bewohner verbunden sind. Sie sind aber notwendig, um Teile der Gebäude für die vorläufige Unterbringung von Flüchtlingen vorzubereiten“, erläutert das Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung. Es sei richtig, dass der Kreis wegen der „anhaltend hohen Flüchtlingszuweisungen weiterhin Kapazitäten schaffen“ muss – die Angst, ausziehen zu müssen, sei aber unbegründet, wie der Landkreis schriftlich betont: „Alle Mieter können dort wohnen bleiben.“

Dass Bestandsmieter der Elsa-Brändström-Straße 16 trotz der aktuellen Ankündigung in einigen Jahren um ihre Bleibe fürchten müssen, entkräftet das Landratsamt ebenfalls: „Lediglich die vorhandenen Potenziale aus Leerständen werden zur vorläufigen Unterbringung geflüchteter Menschen genutzt.“ Stattdessen bestehe der Plan, die Bestandsmieter in Zukunft in den oberen Stockwerken unterzubringen. In den unteren Geschossen werden stattdessen geflüchtete Menschen im Rahmen der vorläufigen Unterbringung angesiedelt, so der Landkreis. „Durch die Unterbringung der Bestandsmieter in den Obergeschossen soll außerdem etwaigen Unannehmlichkeiten durch vermehrte Geräuschentwicklung vorgebeugt werden“, heißt es weiter. Für Bewohner wie Jens Baumann, die seit vielen Jahren in den ehemaligen Wohnheimen heimisch sind, werden die Aussagen sicher etwas zur Beruhigung beitragen können.

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