Landratswahl im Kreis Esslingen Musolf und Matrohs werfen ihren Hut in den Ring
Die Bürgermeister von Bissingen und Deizisau wollen Landrat von Esslingen werden. Die Freien Wähler küren ihren Kandidaten Mitte Mai. Wer hat die besseren Karten?
Die Bürgermeister von Bissingen und Deizisau wollen Landrat von Esslingen werden. Die Freien Wähler küren ihren Kandidaten Mitte Mai. Wer hat die besseren Karten?
Mit gerade mal 25 Jahren wurde er 2011 in Bissingen an der Teck der jüngste Bürgermeister Baden-Württembergs. Jetzt strebt der 38-Jährige ein neues Amt an: Marcel Musolf hat seinen Hut für die Nachfolge des Esslinger Landrates Heinz Eininger (CDU) in den Ring geworfen. Und er ist nicht der einzige in den Reihen der Freien Wähler mit Ambitionen auf dieses Amt: Auch Thomas Matrohs (46), der Bürgermeister von Deizisau, hat seine Bereitschaft zur Kandidatur öffentlich gemacht. Wer von beiden sich am 26. Juli im Kreistag zur Wahl stellen darf, ist noch offen. Über die Nominierung ihres Bewerbers werden die Freien Wähler Mitte Mai entscheiden, kündigt der Fraktionsvorsitzende Bernhard Richter an.
Als mit 28 Mitgliedern stärkste Gruppierung im Esslinger Kreistag habe man „selbstverständlich den Anspruch, einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken“, betont Richter einmal mehr. Eigentlich wollte sich die Fraktion Zeit lassen, um in Ruhe auf Bewerbersuche zu gehen. Doch nachdem die CDU mit Peter Rosenberger, dem Bürgermeister von Horb am Neckar, jüngst ihren Aspiranten offiziell gemacht hat, wuchs der Druck auf die Freien Wähler, mit einem Namen an die Öffentlichkeit zu gehen.
Nun haben sich gleich zwei Interessenten gemeldet, die den Ansprüchen der Fraktion gerecht werden: Der Bewerber soll laut Richter jung sein, „so zwischen Mitte 30 und Mitte 40“, um für mindestens zwei Amtszeiten zur Verfügung zu stehen. Er soll Verwaltungskompetenz mitbringen sowie politische Erfahrungen auf kommunaler und Kreisebene vorweisen können, „das halten wir für unabdingbar“. Zweifellos, sagt Richter, seien beide Interessenten für das anspruchsvolle Amt des Landrates fachlich geeignet. Er kennt sie gut: Seit zehn Jahren sitzen Musolf und Matrohs für die Freien Wähler im Esslinger Kreistag. Und beide, fügt der Fraktionschef hinzu, seien in der jüngsten Fraktionssitzung bei ihrer Vorstellung „sehr überzeugend“ aufgetreten.
Es sei keine Entscheidung gegen Bissingen, beeilt sich Marcel Musolf zu betonen. „Der Ort und ich passen gut zusammen.“ In den 14 Jahren als Bürgermeister der 3500 Einwohner zählenden Kreisgemeinde habe er gute Arbeit geleistet, sagt der Diplom-Verwaltungswirt selbstbewusst und verweist auf das Ergebnis seiner Wiederwahl vor fünf Jahren: Da fuhr er 99,9 Prozent der Stimmen ein. „Das kommt nicht von ungefähr.“ Kommunikationsstark und kompromissfähig sei er, sagt Musolf von sich. Landrat in seinem Heimatkreis zu werden, das sei „eine einmalige Chance“, die ihn reize. Das Amt beschreibt er als „faszinierende Herausforderung“. Dass er sich aber erst noch gegen einen Konkurrenten behaupten muss, ficht den früheren Leistungsfechter nicht an.
Auch Thomas Matrohs begrüßt den fraktionsinternen Wettbewerb: „Das entspricht meinem Demokratieverständnis.“ Seit 2009 ist er Bürgermeister der knapp 7000 Einwohner zählenden Gemeinde Deizisau – dass er 2017 mit 99,7 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, sieht er als Bestätigung seiner erfolgreichen Arbeit. Als Landrat bewerbe er sich, weil er „gern Verantwortung für das Gemeinwohl übernehmen“ wolle, sagt er. Konsensorientiert die Dinge anzupacken, innovative Ansätze zu verfolgen, den sozialen Zusammenhalt zu fördern, das liege ihm am Herzen– und reize ihn an der Aufgabe des Kreisverwaltungschefs. „Ich traue mir das Gestalten zu.“ Für diese Führungsaufgabe bringe er die nötige Erfahrung und das fachliche Know-how mit, im September werde er sein drittes Studium abschließen.