Kommunale Zurückhaltung wegen Corona?
Kai Buschmann, der FDP-Fraktionschef in der Regionalversammlung, sieht darin Vorboten, dass die Kommunen, die mindestens die Hälfte der Projektkosten selbst finanzieren müssen, wegen der Coronakrise und den damit verbundenen Einnahmeausfällen solche Vorhaben verschieben. Das hatte beispielsweise die Stadt Geislingen getan. Die Regionaldirektorin Nicola Schelling und die Projektleiterin Christine Baumgärtner führen die kommunale Zurückhaltung eher darauf zurück, dass sich die Verwaltungen im vergangenen Jahr auf pandemiebedingte Aufgaben konzentrieren mussten und deswegen Zeit und Personal für Projektanträge fehlten. „Grundsätzlich ist das Interesse ungebrochen“, sagt Schelling. Insgesamt sind 15 Projektanträge gestellt worden, 13 wurden von einer Jury ausgewählt und deren Förderung nun im Planungsausschuss der Regionalversammlung einstimmig beschlossen.
Seit 2005 mehr als 250 Projekte
Seit dem Jahr 2005 gibt es das Landschaftsparkprojekt, mit dem die Landschaft aufgewertet und die Natur besser erlebbar gemacht werden soll. Das Ziel ist ein Netz von attraktiven Erholungsorten und ökologisch wertvollen Naturräumen. Damit wollte die Region anfangs bewusst ein Gegengewicht zu ihrem Einsatz für Großprojekte der „grauen Infrastruktur“ wie beispielsweise dem Messeneubau auf den Fildern schaffen – auch in der öffentlichen Wahrnehmung. Bisher sind mehr als 250 Projekte unterstützt worden.
Schwerpunkt des Landschaftsparkprogramms sind bis heute die Aufwertung der Flusstäler in der Region, zumeist fußend auf sogenannten Masterplänen: Radrouten wurden verbessert, Uferprojekte begonnen und beliebte Aufenthaltsräume geschaffen. Vermehrt geht es mittlerweile aber auch um Wanderwege, Erlebnispfade, besonders in den Steillagen der Weinberge, um naturnahe Spiel- und Sportstätten, aber auch um besondere Anlagen wie jetzt eine alten Seilerei mit Maschinenhäuschen in Holzgerlingen und einem Spielturm in Bietigheim-Bissingen. „Die grüne Infrastruktur ist wie manche Berufe systemrelevant“, sagt Baumgärtner mit Blick auf den Ansturm auf die Natur während des Lockdowns. „Die Coronapandemie hat bewiesen, wie wichtig Naherholungsflächen als elementares Angebot für die psychische und physische Gesundheit sind“, betont auch Schelling.
Kein Antrag aus Stuttgart
In der aktuellen Finanzierungsrunde fließt Geld in alle Kreise. Vier Projekte kommen aus dem Kreis Ludwigsburg, je drei aus den Kreisen Rems-Murr und Göppingen, zwei aus dem Kreis Böblingen und eines aus dem Kreis Esslingen. Aus Stuttgart gab es – im Gegensatz zum Vorjahr – keinen Antrag. Die höchsten Zuschüsse fließen für den Grünzug Riedgraben bei Ludwigsburg-Eglosheim mit 426 700 Euro und für einen Seespielplatz bei Weissach im Tal mit 263 700 Euro. Spektakulär ist der geplante Aussichtsturm für das Keltenzentrum am Heidengraben, für den die Gemeinde Erkenbrechtsweiler einen Unterstützung von 50 000 Euro erhält. Die Zuschüsse ermöglichen Projekte mit drei Millionen Euro Gesamtkosten.
Fraktionen fordern mehr Werbung
Die Fraktionen mahnten an, für das Programm mehr Werbung bei den Kommunen zu machen. Ansonsten gab es Lob aus allen politischen Lagern. „Natur und Landschaft haben an Bedeutung gewonnen“, sagte Roland Schmid (CDU/ÖDP). Dorothee Kraus-Prause (Grüne) lobte, dass viele Projekte Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche beinhalteten, von einer „Sternstunde“ sprach Wilfried Wallbrecht (Freie Wähler). Susanne Widmaier (SPD) forderte, dass die Pumptrackanlagen, das sind Bahnen für Radfahrer, so wenig wie möglich asphaltiert werden sollten. Christoph Ozasek (Linke/Pirat) bezeichnete das Landschaftsparkprojekt als „Investitionsprogramm in die Lebensqualität der Region“. Und auch Buschmann meinte: „Wir backen in diesem Jahr kleine, aber schöne Brötchen.“ Er setze darauf, dass es für 2022 von den Kommunen mehr Anträge gibt, weil dann auch Baumpflanzungen und Maßnahmen zur Aufwertung von Waldgebieten gefördert werden.
Mehr Geld steht dann auf jeden Fall zur Verfügung. Zu den Restmitteln aus 2021 von rund 370 000 Euro kommen fast 470 000 Euro, die im Vorjahr und 2019 nicht ausgegeben wurden. Aus dem Sondertopf für die Remstalgartenschau 2019 stehen noch fast 170 000 Euro bereit.
Diese 13 Projekte bekommen Geld von der Region
Kreis Göppingen Eine neue Radroute führt von Aichelberg über Gruibingen nach Mühlhausen im Täle: 50 000 Euro für Beschilderung, Rastplätze und Aussichtspunkte. Die Wanderwege im Kreis werden einheitlich beschildert und Bänke aufgestellt (30 000 Euro). Eine neue Info-Stele ergänzt die Route der Industriekultur in Göppingen (1000 Euro).
Kreis Böblingen In Herrenberg wird am Schlossberg eine Teuchelbahn gebaut, die an die historische Wasserversorgung mit hölzernen Leitungen erinnert (34 200 Euro). In Holzgerlingen wird eine alte Seilerei hergerichtet (12 000 Euro).
Kreis Esslingen Im keltischen Heidegrabenzentrum wird ein Aussichtsturm für mehr als eine halbe Million Euro errichtet. Daran beteiligen sich Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler, nur letztere liegt in der Region Stuttgart und erhält deshalb einen Zuschuss von 50 000 Euro.
Kreis Ludwigsburg In Großbottwar wird ein Naturerlebnispfad angelegt (41 500 Euro). Der Grünzug Riedgraben bei Ludwigsburg-Eglosheim wird renaturiert, neue Wege, Plätze und Spielangebote angelegt (426 700 Euro). In Hessigheim wird am Steillagen-Weg durch die Weinberge ein neuer Aussichtspunkt errichtet (51 500 Euro). Am Enztalradweg in Bietigheim-Bissingen wird ein neuer Spielturm aufgebaut (100 000 Euro).
Rems-Murr-Kreis In Kirchberg an der Murr und in Leutenbach werden Pumptrackanlagen gebaut (61 000 und 45 900 Euro). In Weissach im Tal gibt es einen Naturspielplatz mit einem Bachlauf (263 700 Euro).