Landtagswahl Baden-Württemberg Murrhardt hat wohl die Nase vorn
Gleich drei Kandidaten mit Wurzeln in der Walterichstadt haben im Wahlkreis Backnang gute Chancen ins Landesparlament einzuziehen.
Gleich drei Kandidaten mit Wurzeln in der Walterichstadt haben im Wahlkreis Backnang gute Chancen ins Landesparlament einzuziehen.
Backnang - Seit der Gründung des Wahlkreises Backnang im Jahr 1976 ist die Farbenlehre in Sachen Direktmandat klar: „Schwarz gewinnt“ lautete die Formel bisher ausnahmslos, die CDU schien ein Dauerabonnement zu besitzen. Wenngleich sie vor fünf Jahren eklatante Einbrüche verkraften musste, reichte es dennoch.
Glaubt man den landesweiten Prognosen und träfen diese auch für den Wahlkreis Backnang zu, könnte es am 14. März eng werden für die CDU, denn die Auguren sehen die Grünen mit den Schwarzen gleichauf. „Too-close-to-Call für CDU“ urteilt beispielsweise das Internetportal wahlkreisprognose.de, „zu knapp, um entscheiden zu können“.
Das könnte auch daran liegen, dass die Karten im Wahlkreis heuer ziemlich neu gemischt werden. Außer dem SPD-Abgeordneten Gernot Gruber haben die etablierten Parteien allesamt neue Kandidaten aufgestellt. Dessen Partei hatte bei der Landtagswahl 2016 zwar ähnlich desaströse Stimmenverluste hinnehmen müssen wie die CDU, weil der Murrhardter Mathematiker aber im Verhältnis zu den übrigen Genossen noch überdurchschnittlich mit Stimmen bedacht worden war, reichte es für ihn dennoch zu seinem zweiten Zweitstimmenmandat.
Apropos Murrhardt: Sollte es zu dem erwarteten Duell zwischen Schwarz und Grün kommen, dann wären auch daran zwei Murrhardter beteiligt: Georg Devrikis sitzt dort für die CDU im Stadtparlament, Ralf Nentwich für die Grünen.
Devrikis will in große Fußstapfen treten und den langjährigen Abgeordneten und Staatssekretär Wilfried Klenk beerben, der zwischenzeitlich auch der Präsident des Landesparlaments gewesen ist und sich jetzt aus der aktiven Politik zurückziehen will. Sein potenzieller 39-jähriger Nachfolger ist politisch bisher recht unauffällig gewesen, hat bei der Kandidatenkür allerdings bereits Stehvermögen bewiesen. Dort setzte sich der Bankkaufmann – für manche überraschend – gegen den Althüttener Bürgermeister Reinhold Sczuka durch, der sich bei der Union immerhin lange Jahre als Vorsitzender der Kreistagsfraktion angedient hatte. Die Fußstapfen von Wilfried Klenk wolle er so ausfüllen, wie dieser sie gesetzt habe, sagt Devrikis, der als Untertitel auf seine Wahlplakate #Schorsch geschrieben hat: als ehrlicher, bürgernaher Schaffer.
Auch Ralf Nentwich ist politisch noch ein eher unbeschriebenes Blatt, wenngleich er bereits Landtagswahlerfahrung hat. 2016 holte er für die ÖDP gerade einmal 0,9 Prozent der Stimmen. Über den Ort hinaus bekannt ist der ebenfalls 39-jährige Lehrer aber zumindest in Fachkreisen als Leiter des Kreismedienzentrums, das in den vergangenen Jahren insbesondere Unterstützung bei der Digitalisierung der Schulen geleistet hat. Im Murrhardter Gemeinderat arbeitet Nentwich parteiübergreifend meist gern mit Devrikis zusammen. Sein hochgestecktes Ziel bei der Landtagswahl hingegen ist, dem CDU-Mann das Direktmandat wegzuschnappen.
Hoffnungen auf ein Zweitmandat macht sich Daniel Lindenschmid, schließlich zählt der Wahlkreis Backnang als eine Hochburg der AfD im Land. Fast 20 Prozent der Stimmen und damit ein Mandat hatte vor fünf Jahren auch Jörg Meuthen für die AfD geholt. Doch dessen Stelldichein in Stuttgart – immerhin sogar als Fraktionsvorsitzender – währte bekanntermaßen nicht lang. 2017 wechselte der Bundessprecher seiner Partei nach Brüssel ins Europaparlament.
Auf jeden Fall ungewöhnlich ist die Kandidatur von Charlotte Klinghoffer für die FDP. Schließlich haben die Liberalen ein Parteiausschlussverfahren gegen die Backnanger Stadt- und Kreisrätin eingeleitet. Die 53-jährige Bestattungsunternehmerin hatte vor zwei Jahren bei der Kommunalwahl auf der Liste von Gudrun Wilhelm für das Regionalparlament kandidiert. Die Kirchbergerin wiederum hatte diese Liste ins Leben gerufen, weil sie zuvor von ihrer Partei bei der Kandidatenkür nicht berücksichtigt worden war. In den Kreistag hingegen waren beide Damen über ein Ticket der FDP/FW eingezogen – um dann von ihrer Fraktion ausgeschlossen zu werden. Interessant wäre sicherlich, was passiert, wenn Charlotte Klinghoffer nun über die FDP ein Ticket in den Landtag lösen würde.