Landwirtschaft auf den Fildern Sorge um das Futter für die Kühe

Kühe freuen sich über frisches Heu – das gilt für konventionelle Betriebe wie für Biohöfe. Foto: dpa/Arne Immanuel Bänsch

Dass die Sommer immer heißer und trockener werden, bekommen insbesondere auch die Milchbauern zu spüren. Warum? Das berichten Landwirte von den Fildern.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Der Regen der vergangenen Tage hat den Pflanzen auf den Feldern der Filder richtig gut getan. „Kraut und Zuckerrüben können jetzt noch zuwachsen“, sagt Walter Vohl, Landwirt aus Stetten. Die Familie Vohl baut neben Kraut, Kartoffeln, Getreide und Mais an. Den Hof führt mittlerweile Theo Vohl. Die Niederschlagsmenge dieser Tage sei endlich so hoch gewesen, dass die Pflanzen den Regen auch merken, sagt sein Vater Walter Vohl. Für den Mais komme der nasse Segen von oben allerdings zu spät – seine Blätter seien schon braun. Gleiches gelte für die Äpfel- und Birnbäume, die ihre Früchte abwerfen.

 

Familie Vohl rechnet in diesem Jahr mit einer „schlechten Durchschnittsernte“. „Das Problem waren die vielen Hitzetage in diesem Sommer“, sagt Walter Vohl. Viel mehr dieser Tage hätte es nicht geben dürfen. Denn bei mehr als 30 Grad wachsen die traditionellen Pflanzen der Filder nicht mehr richtig. „Wir hoffen, dass zügig resistentere Sorten gezüchtet werden, die mit dem Hitzestress besser zurechtkommen.“

Die Sommer werden aufgrund des Klimawandels immer heißer und trockener. Das bekommen insbesondere auch jene Bauern zu spüren, die viele Tiere im Stall haben – so wie Uwe Beck aus Echterdingen. „Ich bin schon etwas beunruhigt“, sagt er unserer Zeitung. Beck bewirtschaftet mit seiner Familie in Echterdingen 60 Hektar Land, darunter „sehr viele Wiesen und nur wenig Ackerflächen“. 50 Milchkühe nennt er sein Eigen, hinzu kommen noch 50 Jungrinder. 100 Tiere wollen also täglich versorgt werden, freuen sich über Grünfutter.

Doch gerade Gras habe laut Beck ein sehr kurzes Wurzelwerk, vertrage lange Trockenphasen nur sehr schlecht. Gleichzeitig lohne sich eine Bewässerung der Wiesen nicht. Das ließe sich finanziell nicht darstellen. Während er normalerweise vier Mal im Jahr Gras erntet, um auch im Winter ausreichend Futter für seine Kühe zu haben, war dies in diesem Jahr nur zweimal möglich. „Und schon der zweite Grasschnitt war dürftig“, sagt er. Lediglich sechs Anhänger loses Heu habe er heimgebracht, normalerweise seien es 15.

Der Verkauf von Kühen ist keine Lösung

Damit die Familie Beck alle Tiere satt bekommt, muss sie schon jetzt – und damit Anfang September – die Vorräte in den Silos angreifen, die eigentlich für die Winterzeit bestimmt waren. Der Landwirt hofft, dass die Vorräte dennoch für seinen Betrieb und seine Tiere ausreichen werden. Zumal es im vergangenen Jahr mehr Regen gab.

„Wer aber garantiert mir, dass die Grasernte im kommenden Jahr wieder besser ausfällt?“, fragt er. Hinzu kommt: Futter zuzukaufen, sei wahnsinnig teuer geworden. Denn auch die Preise für Heu seien stark angestiegen. Kühe zu verkaufen, weil das Futter nicht mehr für alle reicht, sei aufgrund der aktuellen Entwicklungen auch keine gute Lösung. Vielmehr sei es jetzt gerade gut, „wenn man den Stall voll hat“, erklärt er. „Denn nicht nur die Milchpreise steigen, auch die Kosten für die Milcherzeugung.“

Auch für den Demeter-Betrieb Reyerhof in Stuttgart-Möhringen „ist eine anhaltende Trockenheit ein bedrohlicher Zustand, der grundlegende Fragen für die Zukunft aufwirft“, schreibt die Reyerhof-Gemeinschaft in ihrem Newsletter. „Natürlich betrifft uns die Trockenheit auch. Wir leben schließlich nicht im Garten Eden“, sagt Anna Laura Hübner dazu unserer Zeitung. Die junge Landwirtin leitet gemeinsam mit Lukas Dreyer den Hof, der aktuell elf Milchkühe hat.

12 Rinder stehen zudem auf der Weide. Durch den Stall springen vier Kälber. Auch Anna Laura Hübner beschreibt den zweiten Schnitt des Grünlandes als viel zu gering, während der erste noch üppig ausgefallen sei. Mit Blick auf die Futtervorräte für den Winter sagt sie dennoch: „Wir bekommen das wahrscheinlich hin.“ „Wir bauen weder Mais noch reines Gras auf Ackerland an, um es den Tieren zu verfüttern“, erklärt sie. Der Möhringer Reyerhof setzt vielmehr auf eine Kleegras-Mischung, die der Betrieb als Fruchtfolge für den Bio-Anbau nutzt und die er aber auch den Kühen als Futter anbieten kann. Diese Mischung beinhaltet auch die Pflanze Luzerne, die bis zu zwei Meter tief in den Boden wurzelt und so auch in trockenen Zeiten lange an Wasser gelangt.

Der Regen der vergangenen Tage aber – der sei goldwert gewesen. „Unsere Weide war eine trockene Steppe, jetzt sprießen wieder überall grüne Spitzen“, freut sich die Landwirtin.

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