Landwirtschaft im Landkreis Esslingen Trockenheit setzt Streuobstwiesen zu

Zurzeit verbringt der Fachwart Alexander Scharpf viel Zeit mit dem Schneiden seiner Streuobstbäume. Foto: Roberto Bulgrin

Klimawandel und Krankheiten: Mit ökologischen und ökonomischen Herausforderungen haben Bewirtschafter der Streuobstwiesen zu kämpfen. Fachwart Alexander Scharpf berichtet, wie er mit seinem Bestand in Lobenrot (Kreis Esslingen) zum Erhalt beiträgt.

Die ersten Sonnenstrahlen hauchen den Streuobstwiesen langsam aber sicher wieder Leben ein. Für Blätter und Blüten ist es zwar noch zu früh, aber die ersten Knospen sprießen an den Ästen. Der Fachwart Alexander Scharpf schneidet an diesem Tag Bäume in seinen Streuobstwiesen in Aichwald-Lobenrot. Scharpf freut sich bei seinem Hobby nicht nur über die erwirtschafteten Produkte, sondern auch über die Verbundenheit mit der Natur: „Für mich ist es etwas ganz Besonderes die Entwicklung der Bäume zu beobachten.“ Jedoch stellen Entwicklungen des Klimawandels und steigende Kosten ein Problem für Streuobstbewirtschafter dar.

 

Neben privaten Streuobstbewirtschaftern kümmern sich auch Vereine um die Pflege und den Erhalt der Wiesen. Der Verein Schwäbisches Streuobstparadies mit seiner Geschäftsstelle in Bad Urach setzt sich genau dafür seit knapp zwölf Jahren in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb ein. Seine Mitglieder sind Ansprechpartner für Fragen rund um Streuobstwirtschaft. Sie bemühen sich zudem um die Vermarktung und Fortbildungen über die Landkreise hinweg. Darüber hinaus besucht der Verein Messen und Märkte, bietet Seminare und Kurse an. Lisa Ziehe, die Co-Geschäftsführerin und Projektmanagerin des Vereins, sorgt sich wegen einigen Herausforderungen, denen sich Bewirtschafter der Streuobstwiesen heute stellen müssen. „Die Bäume sind massiven Witterungskapriolen ausgesetzt, was auch schnell zu Krankheiten führen kann“, sagt sie. Insbesondere die Trockenheit sei ein großes Problem für die Bestände. Auch berichtet sie von Halbparasiten, die sich immer weiter ausbreiteten: Misteln, die durch Vogelausscheidungen verbreitet würden, entzögen den Bäumen Wasser und schwächten diese, was vor allem in Kombination mit der bestehenden Trockenheit für die Streuobstwiesen ein Problem sei.

Ziehe sagt, Streuobstwiesen seien ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft, doch mit dem gesellschaftlichen Wandel hätten die Menschen wenig Zeit für die Pflege der Bestände. Vor allem zu Stoßzeiten wie im Herbst benötigten die Wiesen besonders viel Zuwendung. Da reiche es nicht aus, mal am Wochenende auf die Wiese zu gehen, sagt Ziehe.

Schutz vor klimatischen Bedingungen

Alexander Scharpf hat vor einigen Jahren die Ausbildung zum Fachwart abgeschlossen, um den Obstbaumbestand seiner Familie zu übernehmen, und ein Nachfolger steht auch schon in den Startlöchern. Der Familie gehören in Lobenrot Bäume, die teilweise mehr als 100 Jahre alt sind, an denen rund 30 verschiedene Birnen-, Apfel- und Kirschsorten wachsen. Auch Scharpf bereiten die warmen Sommer Sorge. Die Trockenheit schwäche die Bäume und mache sie so zur Angriffsfläche für Krankheiten. Um Austrocknungen vorzubeugen, startet er dieses Jahr einen neuen Versuch: Vom Boden bis zum Astansatz soll dem Baumstamm ein Kalkanstrich verpasst werden. Dieser soll verhindern, dass die Rinde der Bäume heiß und rissig wird.

Neben trockenen Sommern und Pilzkrankheiten der Bäume werden Bewirtschafter ihm zufolge auch von steigenden Kosten geplagt. Die Kosten für Dünger, Wasser und die benötigte Ausrüstung würden vom Ertrag des Streuobsternte allein nicht gedeckt, berichtet Scharpf. Er freut sich über ein Projekt der Regierungspräsidien in Baden-Württemberg, wonach Bewirtschaftern eine sogenannte Schnittprämie bezahlt wird: In einem Zeitraum von fünf Jahren sollen zwei Schnitte an den Bäumen vorgenommen werden. Diese würden dann mit jeweils 15 Euro gefördert. „Im Vollerwerb fängt das die Wirte auf“, sagt Scharpf. Für ihn ist die Streuobstwirtschaft nur ein Nebenerwerb. Er vermarktet sein Obst direkt und verkauft es an die Manufaktur Jörg Geiger in Schlat (Kreis Göppingen). „Die Preise für den Industriesaft sind katastrophal“, sagt er. Fünf Euro für 100 Kilogramm Obst zahlten Industriefirmen.

Pläne den Erhalt zu fördern

Weil viele Wanderer und Radfahrer an den Streuobstwiesen vorbeikämen, hat Scharpf vor den Bäumen am Wegrand kleine Schautafeln installiert, die über die verschiedenen Sorten informieren. Neben weiteren Schautafeln plant Scharpf, Sitzmöglichkeiten für die Passanten aufzustellen. Außerdem möchte er gerne mehr Projekte mit Schulklassen machen – die jüngere Generation zu begeistern, sei besonders wichtig.

Es gebe jedoch positive Entwicklungen. Scharpf zufolge nimmt das Interesse an der Streuobstwirtschaft generationsübergreifend zu. Mehr junge Leute und auch Frauen fänden in diesen Bereich hinein und bildeten sich mit der einjährigen Ausbildung fort.

Alexander Scharpf erzählt von seinen Streuobstwiesen

Warum braucht es Streuobstwiesen?
Nicht nur Menschen profitieren von Obst und Säften:„Stark abgängige Bäume haben vor allem einen Wert für Insekten und Vögel“, sagt Alexander Scharpf. Es sei gang und gäbe diese für die Tierwelt stehen zu lassen. Auf seinem Grundstück steht neben einem Wildbienenhotel eine Sitzstange, wo sich Bussarde und andere Vögel niederlassen. Zudem speichern die Bäume Kohlenstoff und produzieren wiederum Sauerstoff.

Was plant Alexander Scharpf?
Besonders die jüngeren Generationen möchte Alexander Scharpf mit mehr Schulprojekten vom Streuobstanbau begeistern. Er berichtet, dass viele Kinder noch nie Obst gesammelt haben oder die Saftproduktion erlebt haben. Außerdem möchte Scharpf mehr Rundgänge auf den Wiesen anbieten, um Menschen die Landschaft und seinen Nebenberuf zu zeigen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Aichwald Streuobstwiesen Obst Bäume