Landwirtschaft in Kernen Der Freiland-Salat lechzt nach Regen

Von Ingrid Sachsenmaier 

Die Gebrüder Christian und Reiner Merz in Rommelshausen bauen auf mehr als 25 Hektar Salat an. Die Sortenvielfalt ist groß – und die Herausforderungen sind es dieses Jahr auch. Aktuell muss die Kundschaft vertröstet werden.

Salat, soweit das Auge reicht: Christian Merz und sein Bruder sind Spezialisten – und ringen mit der Trockenheit. Foto: Ingrid Sachsenmaier
Salat, soweit das Auge reicht: Christian Merz und sein Bruder sind Spezialisten – und ringen mit der Trockenheit. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Kernen - Nässe im Februar, Frost im März und nun im April die Trockenheit. Den letzten nennenswerten Regen gab es vor fünf Wochen. In den letzten Tagen, kam auch noch der heftige Ostwind dazu, der die Felder enorm austrocknet. Der Start in die Saison für Freiland-Salat ist dieses Jahr holprig und schwierig. Dazu kommt die Corona-Krise mit ihren Einschränkungen und die Schwierigkeit mit Erntehelfern, die deshalb nicht oder nur erschwert einreisen dürfen, beispielsweise aus Rumänien. Es ist bewundernswert, wie ruhig Christian Merz aus Rommelshausen diese Situation schildert.

Die beiden haben den Betrieb von den Eltern übernommen und sich auf den Anbau von Salat und Kohl spezialisiert

Zusammen mit seinem Bruder Reiner betreibt er die Firma Merz Gemüse mit einer Anbaufläche von mehr als 25 Hektar in Rommelshausen. Die beiden haben den Betrieb von den Eltern übernommen und sich auf den Anbau von Salat und Kohl spezialisiert. Mittlerweile gehören sie zu den größten Salat-Anbauern in der Region und haben einige Spezialitäten im Sortiment. „Wir sind bekannt für gute Qualität und Frische, wir haben eine große Sortenvielfalt“, sagt Christian Merz. Die Ware der Firma Merz ist gefragt, auf dem Großmarkt und in der Region. Auch Hofläden in Fellbach führen Merz-Salat, Lebensmittel Mack in Endersbach ist einer der Abnehmer und viele Gastronomen. „Aber dieses Jahr ist schwierig“, sagt Merz. Er muss Kunden vertrösten, die Quantität und die Qualität sind noch nicht so, wie er es sich wünscht.

„Weil es im Februar so viel geregnet hat, konnten wir die ersten Setzlinge für den Freiland-Kopfsalat erst zwei Wochen später pflanzen. Die Pflänzchen waren noch klein, als der Frost kam. Deshalb sind die Blätter am Strunk des Salatkopfes nicht gut ausgebildet und in der Mitte schießen sie in die Höhe“.

Als die Eltern noch lebten, gab es auch noch einen Hofladen

Christian Merz zeigt auf einen Salatkopf mit diesen Merkmalen. „Ich könnte ihn verkaufen, aber die Kunden sind von uns andere Qualität gewöhnt“, bedauert er, dass er momentan bei dieser Sorte vertrösten muss.

Der Frost hat dem Kopfsalat zugesetzt, aber nicht den vielen anderen Sorten, die bei Merz angebaut werden, zum Beispiel Lollo rosso, Badavia und Romana jeweils grün und rot, Eichblattsalat, Pflücksalat und Salanova. Unter Folie wächst Rucola, im Gewächshaus zum Beispiel Baby Leaf, Mangold, Radicchio und Ackersalat. „Ackersalat gibt es bei uns mittlerweile das ganze Jahr“, sagt Christian Merz (53). Er hat Landwirtschaft in Hohenheim studiert, sein Bruder Reiner (54) ist Land-maschinen-Mechaniker. Vor 30 Jahren haben sie sich auf Salat spezialisiert, damals war noch Vater Hermann im Betrieb. Als die Eltern noch lebten, gab es auch noch einen Hofladen. „Den hat unsere Mutter gemacht, sie hatte Freude daran“, sagt Christian Merz.

Dazu haben die beiden Brüder heute keine Zeit und auch kein Personal mehr. Aktuell haben sie zwölf osteuropäische Erntehelfer, zwei weitere hätten noch kommen sollen, aber Covid 19 hat sie ausgebremst. Christian und Reiner haben auf die Situation reagiert und keine Bohnen ausgesät. „Wir haben ja keine Leute, die sie ernten“, bedauern sie. Die Ernte müsse immer noch von Hand erfolgen, sagt der gelernte Landwirt. Er denkt um und hat im Frühjahr eine Pflanz- und Sämaschine gekauft - und dafür rund 50 000 Euro ausgegeben. „Die Situation mit den fehlenden Erntehelfern zwingt uns dazu“, sagt er. Im letzten Jahr hat er drei neue Folienhäuser gebaut. Da war Corona noch kein Thema.

Es ist für die zarten Pflänzchen viel zu warm

Christian Merz macht sein Beruf Spaß. „Wenn man keine Leidenschaft hat, kann man das nicht machen“, sagt er. Sechs Mal in der Woche ist er auf dem Großmarkt, dann klingelt der Wecker um 0.30 Uhr. Danach geht es den ganzen Tag rund, bis auf zwei Stunden Pause. „Die gönne ich mir in letzter Zeit“, sagt er fast entschuldigend und geht hinaus vor die Lagerhalle, wo kistenweise rote und grüne Salat-Setzlinge stehen. Früher hätten sie die selbst gezogen, „heute beziehen wir die Setzware von der Firma Melzer aus Essingen bei Aalen“, sagt er und lobt die gute Qualität. Er nimmt die Wasserdusche in die Hand und besprengt die Setzlinge. Es ist für die zarten Pflänzchen viel zu warm.

Doch die Wetterprognosen sagen das Gegenteil von Regen voraus, ein dauerhaftes Hoch. „Die Natur kann man nicht überlisten“, weiß Merz aus Erfahrung. „Künstliches Bewässern hat nicht dieselbe Wirkung wie natürlicher Regen.“ Aber im Moment bleibt ihm nichts anderes übrig. Dabei hat die Freiland-Saison beim Salat gerade erst begonnen und die Böden sollten eigentlich Feuchtigkeit für den Sommer gespeichert haben.

Weil der Klimawandel nicht mehr zu leugnen ist, Staudensellerie und Weißkohl bauen die Gebrüder Merz deshalb nur noch ausschließlich im Gewächshaus an. Staudensellerie braucht viel Feuchtigkeit, sonst wird er zäh und hart, erklärt Merz und fügt stolz hinzu: „Wir sind die einzigen Erzeuger, die zwölf Monate im Jahr Weißkohl und Staudensellerie anbieten.“




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