Stadtbauern sind nah an den Konsumenten, nirgendwo ist der Weg vom Produzenten auf den eigenen Teller kürzer. Umfragen zufolge ist Regionalität den Menschen wichtig. Für städtische Landwirte wird es jedoch immer schwieriger, ihre Betriebe zu erhalten. Dies gilt nicht nur, wenn die Weizenpreise fallen oder der Agrardieselzuschuss wegfällt, sondern auch aufgrund lokaler Themen wie Flächenfraß und dem sparsamen Verhalten der Verbraucher. Die vier Landwirte aus Weilimdorf, die noch große Flächen bewirtschaften, haben den Bezirksbeiräten und dem Bezirksvorsteher Julian Schahl vor Ort ihre Situation geschildert.
„Man macht jetzt Sachen, die man als Bauer früher nicht gemacht hat“, sagte Konrad Ritz, der auf seinen Hof geladen hatte. Im Fall von Familie Ritz gehören zu den neuen Dingen etwa Brot backen und die Direktvermarktung der Früchte ihrer Arbeit im Hofladen. Ritz baut unter anderem Kartoffeln, Zuckermais, Rote Beete und Linsen an. Im Hofladen gibt es die eigene Rote Beete auch eingemacht im Glas, ebenso die eigenen Linsen und das Brot aus dem eigenen Weizen. Letzteren bringt man in die Schlossmühle nach Ditzingen zum Mahlen. Die Brote backt der Schwiegersohn, der Bäckermeister ist.
Oft mangelt es an Respekt
Eigentlich bietet Ritz alles, was Verbraucher wollen: Nachhaltigkeit, Regionalität, Handarbeit. Nur bezahlen möchten oder können das immer weniger Menschen. „Wir haben heute nur noch 50 Prozent vom Umsatz wie während Corona“, sagte Tochter Anette Ritz, die sich ums Hoflädle kümmert. Denn aktuell sparen viele Konsumenten und holen sich ihre Brezel und das Gemüse lieber beim Discounter.
Obstbauer Christian Hörnle vom gleichnamigen Obsthof ist dagegen zufrieden mit seinem Geschäft. Die eignen Äpfel, Kirschen, Erdbeeren, Himbeeren und vieles mehr vertreibt der Familienbetrieb auf dem Weilimdorfer Wochenmarkt und in seinem Hofladen. Christian Hörnle beklagt eher den mangelnden Respekt vor der Landwirtschaft. Denn was er und seine Kollegen erleben sind Spaziergänger, die teils mit ihren Hunden die Äcker betreten zum Stöckchen werfen. Landwirtschaftlich genutzte Flächen und Grünland dürfen laut Landesnaturschutzgesetz während der Nutzzeit aber nicht betreten werden.
Glas zurückzulassen, ist gefährlich
Auch bei seinem Nachbar Thomas Ludmann vom Schelmenhof sorgt das für Ärger. Gerade bei der Saat, etwa seiner Zuckerrüben, führe das zu Schäden – auch das Buddeln von Hunden. Spreche man die Leute darauf an, mangele es oft an Einsicht. Thomas Ludmann betreibt Ackerbau und hält Milchkühe. Und wenn Leute auf einer Futterwiese Picknick machen und Glasflaschen zurücklassen, müsse ihnen klar sein, dass das ins Tierfutter gelangen könne. Es sei nicht schön, wenn eine Kuh aus dem Maul blute, weil sie auf eine Glasscherbe gebissen habe.
Thomas Rentschler, der vierte Landwirt im Bunde, hat die Viehzucht vor ein paar Jahren aufgegeben, ebenso die direkte Vermarktung. Der Betrieb am Bergheimer Hof hatte über viele Jahrzehnte bestanden. „Ich mache das nur noch mit meiner Frau. Die Viehzucht wurde zu viel Arbeit für uns“, sagte er. Ihr Fokus liegt heute auf dem Ackerbau, etwa Mais und Zuckerrüben. Was ihn nun hart treffe, sei der Flächenverlust durch das geplante SSB-Depot. „Wir verlieren fünf Hektar, damit fallen zehn Prozent Ackerfläche für uns weg“, sagte er. Das sei auch schade für die Landschaft. Da es Pachtfläche ist, wird der Verlust nicht kompensiert.
Neue Stadtbahn-Trasse ist ein Dorn im Auge
Ähnlich geht es Thomas Ludmann an der Ditzinger Straße. Fast vier Hektar verliere er in der Summe. „Das ist existenzgefährdend“, sagte er. Und noch etwas bereitet ihm Sorgen: „Die Trasse der U13 kommt auf elf Meter an unseren Hof. Das ist schon sehr nah“, sagte er. Sein Wunsch wäre, dass man die die Trassenführung noch etwas anpasse, um mehr Abstand zu haben.