Hurra – die schönste Rumpelkammer Stuttgarts ist wieder geöffnet. Das Lapidarium in der Mörikestraße ist unbedingt einen Besuch wert. Wir verraten, warum.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Wer hat schon so riesige Füße? Selbst der kleine Zeh ist größer als anderer Leute Finger. Anmutig ist sie nicht, die griechische Muse Polyhymnia. Aber es war auch nie geplant, dass man der steinernen Lady so nah auf den Leib rückt. Sie sollte in luftiger Höhe auf dem Alten Hoftheater in Stuttgart stehen. Das gibt es schon lange nicht mehr, sodass Polyhymnia ihr Dasein heute in illustrer Umgebung verbringt: zwischen Orpheus und Helmut Graf von Moltke, Wasserspeiern und Säulen aus der Wilhelma. Polyhymnia steht in Stuttgarts öffentlicher Rumpelkammer, dem Lapidarium.

Das Kleinod gehört heute allen

An diesem Wochenende (15. Mai) wird das Lapidarium nach der Winterpause wieder eröffnet. Das ist eine sehr gute Nachricht, denn es ist der schönste öffentliche Garten der Stadt. Karl Ostertag, der Schwiegersohn Gustav Siegles ließ sich nicht lumpen, als er in der Mörikestraße vor 120 Jahren einen Renaissancegarten anlegen ließ. Vorbei die Zeiten, als der den Reichen vorbehalten war, heute gehört das kultivierte Gärtchen allen. Doch nicht nur die Bänke, die Treppchen und verwunschenen Wege machen den Charme aus, sondern das, was hier seit dem Zweiten Weltkrieg abgeladen wurde – all das, was nicht wirklich wertvoll, aber auch zu gut ist, um entsorgt zu werden.

Stuttgarts Gedächtnis

So ist das Lapidarium zum Gedächtnis der Stadt geworden. Hier kann man das Portal vom ältesten Kaufhaus der Stadt entdecken, dort den Eingang eines Steinhauses aus dem 13. Jahrhundert. Allerdings wurden die Hinterlassenschaften hierarchiefrei nach rein dekorativen Zwecken abgestellt. Götter sind gleichauf mit Kellersteinen, Grabplatten und Geschützkugeln. Man kann man sich der Fantasie hingeben, wieso dem armen Pan die Flöte und dem Apoll das Zipfelchen verloren gingen.

Nutzen für Seele und Gemüt

Kreuz und quer geht es durch Stuttgarts Geschichte, hier ein Wandstück des Neuen Lusthauses, dort ein Fries des Kronprinzenpalais – und dazwischen Nackedeis und aufreizende Damen in Marmor. Zwischen ihnen wird es nun wieder Konzerte, Theater und Yoga geben und die Ausstellung „Monsters – Fragmente brutalistischer Bauten in Stuttgart.“ Aber ganz ehrlich: am schönsten ist das Lapidarium so, wie es ist. Der Ex-OB Arnulf Klett hatte recht, als er behauptete: „Wer aber seine Heimat und ihre Geschichte liebt, wird sich mit innerer Anteilnahme in die Formen dieser Steine und in ihren Gehalt versenken und daraus wertvollen Nutzen ziehen für Seele, Geist und Gemüt.“

Saisoneröffnung am 15. Mai um 11 Uhr, geöffnet Mi 15 – 19 Uhr, Sa, So 14 – 18 Uhr.

Weitere Infos und das Programm gibt es hier.

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