Lasst uns über … die Wechseljahre reden Auch ein Eierstock darf sich zur Ruhe setzen

Von Jutta Böhmler-Hahn (aufgezeichnet von

Die Wechseljahre treiben den meisten Frauen den Schweiß auf die Stirn – im wahrsten Sinne des Wortes. Was im Körper einer Frau passiert, welche gesundheitlichen Folgen die Menopause haben kann und was dagegen hilft, erklärt die Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn.

Die Wechseljahre sind für Frauen nicht ganz einfache Jahre. Foto: Adobe Stock/ zakalinka/zakalinka
Die Wechseljahre sind für Frauen nicht ganz einfache Jahre. Foto: Adobe Stock/ zakalinka/zakalinka

Stuttgart - Wenn eine Frau mit hochrotem Kopf und Hitzewallungen im Büro sitzt, glauben Sie mir, dann ist das für sie durchaus sehr unangenehm. Dabei sind diese Symptome noch die harmloseren. Denn die Wechseljahre bringen so einige Veränderungen mit sich.

Wechseljahre. Für viele Frauen ein rotes Tuch, das Ende scheint nahe und nichts ist mehr so, wie es zuvor war. Ja, das stimmt. Aber wir Frauen überstehen auch die Wechseljahre und bleiben auch ohne Periode und Fruchtbarkeit echte Frauen.

Eingeleitet werden die Wechseljahre durch einen instabilen Gestagenhaushalt. Daraus resultiert ein sinkender Östrogenspiegel und der Körper der Frau steht buchstäblich Kopf. Denn was viele nicht wissen, Östrogene werden in jeder Zelle gebraucht.

Dass wir so alt werden, ist von der Natur nicht vorgesehen

Die Symptome reichen dann von den klassischen Hitzewallungen, einer trockenen Scheide bis zu Osteoporose. Aber nicht jede Frau leidet während dieser Zeit wie ein Hund.

Im Durchschnitt fangen die Wechseljahre im Alter zwischen 40 und 45 Jahren an, wenn der Hormonhaushalt ins Schwanken gerät. Von der Menopause spricht man hingegen, wenn der Hormonspiegel nicht mehr ausreicht, um die monatliche Blutung herbeizuführen und die Periode ausbleibt. Die Hormone sind dann allerdings noch nicht sofort bei null angelangt, das kann bis zu 20 weitere Jahre dauern. Warum Frauen überhaupt in die Wechseljahre kommen, ist eigentlich ganz einfach: Die Eierstöcke werden schlicht und ergreifend müde. Dass wir so alt werden wie heute, ist nämlich von der Natur nicht unbedingt so vorgesehen.

Die Eier im Eierstock hat eine Frau von Geburt an, sie sitzen quasi jeden Monat parat. Anders beim Mann, da werden die Spermien immer wieder neu produziert. Während des Zyklus werden ein paar von ihnen ausgewählt und vorbereitet, aber nur ein einziges Ei springt dann und ist bereit für die Befruchtung. Dies ist kein ganz unanstrengender Prozess. Die Hormone, die von der Hypophyse im Gehirn gesteuert werden, fordern den Eierstock immer wieder erneut zur Produktion auf. Doch irgendwann können die Eierstöcke dem nicht mehr nachkommen, sie können einfach nicht mehr. Aber wissen Sie was? Auch ein Eierstock darf sich irgendwann zur Ruhe setzen.

Östrogen wird in jeder Zelle benötigt

Doch dieser Ruhestand und der niedrigere Östrogenspiegel bleiben nicht ganz ohne Folgen für den weiblichen Körper. Denn Östrogen trägt entscheidend zur körperlichen und psychischen Entwicklung einer Frau bei – und auch zu ihrem Wohlbefinden. Es ist unter anderem verantwortlich für den monatlichen Zyklus, den Knochenaufbau, Fettstoffwechsel und die Elastizität der Haut.

Während einige Frauen leichte Beschwerden haben, ähnlich wie beim PMS, spüren andere die Veränderungen schon deutlicher mit Hitzewallungen, Verdauungsstörungen oder Vergesslichkeit. Aber es gibt auch gravierendere Symptome und Erkrankungen.

Da Zellen Östrogen für ihre Elastizität benötigen, wird nicht nur die Haut dünner und trockener, sondern auch die Gefäße werden brüchiger. Daher nimmt die Zahl der Herzinfarkte bei Frauen nach den Wechseljahren zu. Ebenso können durch den Östrogenmangel Probleme im Genitalbereich entstehen, denn auch für die Elastizität der Schleimhäute ist das Hormon verantwortlich – auch in der Blase.

Eine klassische Frauenkrankheit ist die Osteoporose. Östrogene regen den Knochenbau an, fehlen sie nach der Menopause, so geht mehr Knochenmasse verloren, als neu aufgebaut wird. Die Gefahr von Frakturen steigt deutlich an. Doch trotz dieses Zusammenhangs erkrankt nicht automatisch jede Frau nach den Wechseljahren an Osteoporose, da spielen noch viele weiter Faktoren (Erbanlage, Untergewicht, Kalziummangel oder Rauchen) eine Rolle.

Nicht nach dem Motto „Kinder, Küche, Kirche“ leben

Grundsätzlich sollten alle Beschwerden ernst genommen werden – auch die Hitzewallungen. Wenn eine Frau zu mir kommt und sagt, dass es ihr schlecht geht, dann muss ich handeln. Denn es geht hier nicht um lächerliche Wehwehchen, sondern um Frauen, die zum Teil in ihrem Leben beeinträchtigt sind. Die Gabe von Hormonen kann da eine Lösung sein. Ich weiß, mittlerweile findet ein Umdenken statt und Frauen schmeißen ihre Pillen weg. Das liegt aber auch daran, dass Ärzte früher Hormone hirnlos verschrieben und wie Marmelade verteilt haben.

Daher sollte eine Substitution mit Hormonen immer mit Bedacht gewählt, aber bitte nicht gleich verteufelt werden. Zu Beginn substituiert man Gestagen, beispielsweise mit einer Hormonspirale, um die Beschwerden zu lindern. Eine Substitution mit Östrogen sollte man nur machen, wenn es nicht anders geht. Es gibt natürlich auch zahlreiche pflanzliche Mittelchen. Von Anti-Wechseljahr-Tee bis zu Tintenfischextrakten. Das kann man gerne ausprobieren, aber wenn es nicht hilft, dann muss man an die Hormone ran.

Viel wichtiger ist aber, dass Frauen ihr Leben leben, auf sich achten und Hobbys haben. Bitte nicht wie noch in den 1970ern nach dem Motto „Kinder, Küche, Kirche“ leben, sich nur auf den Ehemann fokussieren und es anderen Recht machen wollen. Wer mit sich im Reinen ist und mit sich glücklich, der braucht auch keine Angst vor der neuen Zeit nach den Wechseljahren zu haben.

Eine Übersicht aller Teile unserer Kolumne „Lasst uns über ... reden“ finden Sie hier.




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