Lasst uns über ... Intim-Operationen reden „Viele Frauen haben falsche Vorstellungen von ihrem Genitalbereich“

Von Jutta Böhmler-Hahn (aufgezeichnet von

Kosmetische Operationen sind längst auch im Intimbereich angekommen. Warum Frauen sich dies antun, wann es tatsächlich notwendig ist und welche Risiken durch Schamlippenkorrekturen und Co. entstehen, erklärt die Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn.

Operationen in und am Intimbereich werden immer beliebter. Foto: Adobe Stock
Operationen in und am Intimbereich werden immer beliebter. Foto: Adobe Stock

Stuttgart - Mittlerweile kann und wird nahezu jedes Körperteil durch Operationen und Eingriffe optimiert. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Schönheitswahn auch vor dem Intimbereich nicht Halt macht. Neben Schamlippenverkleinerungen und -vergrößerungen bieten einige Kollegen auch Vaginalstraffungen, Aufpolsterungen der äußeren Schamlippen, des Schamhügels oder eine Hymenrekonstruktion an. Wenn man mich fragt: Ich halte grundsätzlich so gut wie gar nichts davon – wenn es nicht medizinisch notwendig ist. Und das ist es in den seltensten Fällen.

Ich kann mich noch gut an eine Patientin erinnern, die einen körperlich recht anstrengenden Beruf ausübt. Sie kam zu mir, weil sie sich dabei regelmäßig ihre Schamlippen eingeklemmt und dadurch verletzt hat. Es gibt Frauen, die haben einfach sehr große Schamlippen. Wenn diese zu einem gesundheitlichen Problem werden, sollte man handeln und eine Operation in Betracht ziehen. Das sind aber nur ein bis zwei Prozent aller Intim-Operationen, der Rest scheint medizinisch unbegründet zu sein und vorwiegend bestimmten Schönheitsidealen zu folgen.

Schamlippen verändern sich im Laufe des Lebens

Dabei sind gerade Operationen im Intimbereich nicht ganz unbedenklich und die richtige Operationstechnik ist dabei extrem wichtig. Einfach nur etwas wegschneiden und wieder zunähen geht da nicht. Das wird einem aber nur klar, wenn Frau sich mit ihrer Anatomie befasst. Die Schamlippen schützen sowohl die Harnröhre als auch den Scheideneingang vor Erregern. Sind die Schamlippen zu klein, besteht eine erhöhte Gefahr für Infektionen, weil einfach der natürliche Schutz wegfällt.

Während die kleinen, inneren Schamlippen in jungen Jahren meist größer sind, ziehen sie sich mit zunehmendem Alter zurück. Wurden sie beispielsweise verkleinert, kann auch dies zu Problemen führen, an die man zuvor nicht gedacht hatte. Auch beim Sex kann es nach dem Eingriff statt zu mehr Lust zu mehr Frust kommen. Bei Erregung schwillt nicht nur die Klitoris an, sondern auch die Schamlippen. Wurden sie operativ verändert, kann dies gestört sein und zu weniger Empfinden führen. Zudem gelangt der Penis ohne die Schwellung tiefer in die Scheide und stößt möglicherweise an den Gebärmutterhals, was sehr unangenehm werden kann.

Genitalien sollen möglichst schmal, straff und infantil sein

Die meisten Frauen, die sich solch einer Operation unterziehen, lassen dies aus kosmetischen Gründen tun. Weil sie ein völlig falsches Bild des weiblichen Genitals und „Vorgaben“ im Kopf haben, wie sie aussehen sollten. Vor allem junge Frauen haben oft kein richtiges Verhältnis zu ihrem Schambereich und zu dem, was alles „normal“ ist. Beim Kongress für Sexualmedizin habe ich zu diesem Thema den Vortrag eines Urologen besucht. Ich war schockiert, mit welchen Bildern uns die Idealform eines schönen Genitalbereichs vorgegaukelt wird: schmal, straff und infantil. Diese Vorstellungen sind unrealistisch und haben mir der Realität recht wenig zu tun. Dabei sind unsere Schamlippen, unsere Klitoris und alles andere so wichtig – in jeder Form!

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