Lasst uns über ... Menstruationsunterwäsche reden Trend Periodenslips – ein Leben ohne Tampons?

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Tampon-Alternativen werden immer beliebter – sei es der Umwelt zuliebe oder aus Überzeugung. Menstruationsunterwäsche bietet eine Möglichkeit, darauf zu verzichten – aber halten die Produkte ihr Versprechen? Ein Test.

Die Menstruationsslips von Taynie gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Farben. Foto: Pressefoto Taynie/Taynie
Die Menstruationsslips von Taynie gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Farben. Foto: Pressefoto Taynie/Taynie

Stuttgart - Lange habe ich den Test der Menstruationsslips für diesen Kolumnenteil vor mir hergeschoben. Zu tief sitzt wohl noch das Trauma, als meine Mutter bei meiner ersten Periode mit zentimeterdicken Binden um die Ecke kam. Das ist nun schon mehr als 18 Jahre her, aber ich erinnere mich noch heute an das unangenehme Gefühl der dicken Binde in meinem Schritt, den ständigen Kontrollen auf der Schultoilette, ob auch wirklich nichts daneben gelaufen ist und an das Blut, das sich trotzdem überall verteilte. Man merkt schon, ich bin eine Freundin der sauberen Tampon-Variante.

Alternative und umweltfreundlichere Monatshygieneartikel werden immer beliebter – und das seltsame Gefühl, sich mit Tampons etwas Gestriges in die Scheide zu schieben, lässt mich nachdenken. Menstruationstassen gibt es mittlerweile in der Drogerie zu kaufen, und auch Menstruationsunterwäsche scheint auf dem Vormarsch – auch bei Hollywoodstars wie Mila Kunis. Und wenn schon Hollywood darauf schwört, dann wage auch ich mich an den Test.

Kein Pampers-Gefühl

Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter Menstruationsslips, Ooshi, Femtis, Kora Mikino und Taynie kommen zum Beispiel aus Deutschland. Thinx ist ein großer Anbieter aus Amerika. Ich entscheide mich für Taynie, die bei ihren Produkten auf chemische Zusätze wie Silber oder Zink-Pyrithion verzichten und zur Geruchs- und Feuchtigkeitsbindung auf eine spezielle Membran und eine natürliche Substanz aus Bambus setzen.

Und ich bin überrascht: Statt windelartigen Unterhosen, mit denen sich selbst meine Oma unsexy fühlen würde, ziehe ich einen kleinen String mit Spitzenband aus der Schachtel. Und auch die Panty überzeugt mich optisch. Die Höschen gibt es in verschiedenen Varianten - je nach Periodenstärke, Tragegewohnheit und modischen Vorlieben.

Einen ersten Pluspunkt kann ich dann – wider Erwarten – gleich ausmachen: Die Höschen geben einem ein sicheres Gefühl beim Warten auf die einsetzende Periode und vermeiden so unschöne Überraschungen. Die Varianten von Taynie lassen sich wie normale Unterwäsche tragen. Die dünne Extra-Schicht im Schritt spürt man kaum – nur sollte man unbedingt auf die richtige Größe achten, damit nichts danebengeht. Die ersten Stunden meines Tests verlaufen ohne nennenswerte Vorkommnisse, was vielleicht auch an meiner recht schwachen Periode liegt. Aber dann habe ich plötzlich ein Gefühl, das ich seit Jahren nicht mehr hatte: Ich spüre, wie ich blute. Ich spüre, dass der Slip jetzt gleich zeigen muss, was er kann. Und natürlich geht mein erster Weg zur Toilette, wie damals in der Schulpause.

Da sitze ich nun mit meiner Menstruationsunterwäsche und prüfe. Alles in Ordnung. Der Slip ist trocken, aber das Toilettenpapier rot. Natürlich muss jede Frau selbst wissen, ob sie das stört oder nicht - mich macht es wahnsinnig.

Beim Verzicht auf Tampons spielt Umweltgedanke eine Rolle

„Keine Frage, unhygienisch oder gar schädlich ist das Tragen von Menstruationsslips nicht“, sagt Gynäkologin Jutta Böhmler-Hahn. Die Frage sei nur, ob man das wirklich will. Das frage ich mich auch, nachdem ich die Toilette wieder verlassen habe. Und überlege, welchen Vorteil diese Variante hat und warum so viele Frauen auf Tampons verzichten wollen.

Ein Grund könnte der Umweltgedanke sein. Immerhin verbraucht eine Frau im Schnitt etwa 12.000 Tampons oder Binden in ihrem Leben. Und die landen meist im Müll oder sogar in der Toilette. Ein Slip ersetzt zwei bis drei normalgroße Tampons und kann damit den ganzen Tag getragen werden. Die Anschaffungskosten sind zunächst nicht gering. Je nach Hersteller kosten die Slips bis zu 45 Euro – und empfohlen werden etwa drei bis fünf, damit die Waschmaschine nicht dauerhaft laufen muss. Aber sie halten wie normale Unterwäsche und bei richtiger Pflege bis zu zwei Jahre lang.

Für Frauen, die viel unterwegs sind, hat die Spezialunterwäsche einen entscheidenden Vorteil: Man braucht keine Toilette und muss nicht ständig daran denken Tampons einzupacken. Der Hersteller empfiehlt lediglich, den Slip am Abend zu wechseln und ihn mit kaltem Wasser auszuwaschen, bevor man ihn mit der normalen Wäsche bei 30 Grad mitwäscht.

Im Gegensatz zu meinem Intimbereich bleibt der Slip bis zum Abend sauber und völlig geruchsfrei – auch dank der schwarzen Farbe. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings das Auswaschen. Wem der Anblick seines eigenen Bluts im Waschbecken zu viel ist, für den werden die Menstruationshöschen nichts sein.

Keine trockene Scheide oder störendes Gefühl

Ein in Kommentaren und Bewertungen oft genannter Grund dafür, dass Frauen sich für Menstruationsunterwäsche entschieden: „Dann muss ich mir nichts mehr einführen“. Natürlich können Tampons die Scheide austrocknen, weil sie nicht nur das Blut, sondern auch Scheidenflüssigkeit direkt vor Ort aufsaugen. Und auch Tassen müssen – mit viel Übung – in die Scheide eingeführt werden. Sitzen sie falsch, kann es sehr störend sein.

Auch die Gefahr, am sogenannten toxischem Schocksyndrom (kurz TSS) zu erkranken, verringert sich ohne Hygieneartikel innerhalb der Scheide. Erst im Milieu des mit Blut vollgesogenen Tampons bilden sich Bakterien und Toxine. Daher sollten sowohl Tampon als auch Tassen alle vier Stunden gewechselt werden. Dies fällt mit den Slips weg. Hier wird das Blut erst außerhalb aufgefangen und gesammelt. Die Scheide behält ihre Feuchtigkeit, nichts kann stören und es muss nicht alle paar Stunden gewechselt werden.

Menstruationsunterwäsche hat ganz klar Vorteile – gerade gegenüber Binden. Unschöne Klebereste an der Wäsche oder der Haut, Abdrücke auf der Kleidung oder ein schwitziger Schritt sind passé. Zudem kann sie als zusätzliches Sicherheitsnetz dienen oder Tampons und Tassen ergänzen. Auch bei leichter Blasenschwäche oder starkem Schwitzen sind sie durchaus hilfreich.

Ich gehöre aber zu den Frauen, die es einfach und unkompliziert mögen. Gerade während meiner Periode habe ich keine Lust auf blutverschmierte Schamlippen, ein ungutes Gefühl und ständige Wascherei. Tampons sind sicherlich nicht die umweltfreundlichste Variante, aber ein schlechtes Gewissen lasse ich mir deswegen nicht einreden. Denn am Ende muss jede Frau für sich selbst herausfinden, wie sie mit ihrer Blutung umgeht, ob mit Tassen, Binden, Slips oder gänzlich ohne. Wichtig ist nur, dass wir uns ausprobieren und rundum wohlfühlen – an allen Tagen.