Lastwagen-Falle in Mundelsheim Kehrt bald Ruhe am Großbottwarer Tor ein?

Januar 2024: Die Feuerwehr Mundelsheim hat schon eine gewisse Routine mit steckengebliebenen Lastern. Foto: KS-Images.de

Immer wieder bleiben Lastwagen in dem historischen Gemäuer in Mundelsheim stecken. Ist damit jetzt Schluss? Momentan werden die Schäden vom Unfall im Januar repariert. Danach könnte endlich Ruhe einkehren.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Als Bürgermeister muss man auch mal den Verkehr regeln. Zumindest, wenn man Rathauschef in Mundelsheim ist. Dort passiert es nämlich in schöner Regelmäßigkeit, dass sich ein Lastwagen in die Hindenburgstraße verirrt. Bürgermeister Boris Seitz sieht das oft schon aus seinem Amtszimmer im Rathaus. Dann weiß er: „Jetzt geht’s gleich wieder los.“

 

Das Rathaus befindet sich am einen Ende der Hindenburgstraße. Am anderen Ende, etwas bergauf, steht das Großbottwarer Tor, das historische Wahrzeichen der Gemeinde. Erbaut wurde es bereits im 15. Jahrhundert. Weil damals offenbar noch keiner an vier Meter hohe Lastwagen dachte, hat man in Mundelsheim heute ein Problem: Immer wieder bleiben große Fahrzeuge im Torbogen stecken – wie zuletzt Anfang Januar.

„Ich hab’ ein Herz für die Jungs, da ich selbst einen LKW-Führerschein habe.“

Viele merken es doch noch rechtzeitig, dass die Hinweisschilder auf die 2,90-Meter-Begrenzung ernst gemeint waren. Dann geht es rückwärts die 250 Meter zum Rathaus unten an der Kreuzung zurück. Sobald Boris Seitz das Rückwärts-Piepsen des Lastwagens und das Hupen anderer Verkehrsteilnehmer hört, geht er mit seiner Mitarbeiterin auf die Straße, und winkt den Brummi-Fahrer zurück auf den rechten Weg. „Ich hab’ ein Herz für die Jungs, da ich selbst einen Lkw-Führerschein habe“, sagt Seitz.

Nicht immer geht es aber so glimpflich aus, wie der Fall vom 13. Januar zeigt. Kurz nach Mitternacht rammte ein Sattelzug das Tor. Der Fahrer gab gar noch weiter Gas und versuchte, durch den Torbogen zu fahren. Ohne Erfolg. Das Fahrzeug verkeilte sich, blieb stecken – und musste schließlich von der Freiwilligen Feuerwehr befreit werden.

Der Torbogen trug bei dem Unfall massive Schäden davon. Die großen Ziersteine, die die Toröffnung umschließen, wurden herausgerissen, zudem entstand zwischen Wand und Decke ein Riss, der neu verpresst werden muss. Seit vergangener Woche kümmert sich eine Firma aus Freudental um das Malheur. Dort kennt man sich mit dem historischen Torbogen von Mundelsheim bereits aus, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass es hier etwas zu reparieren gab. Gleich am Montag nach dem Unfall meldete sich Boris Seitz also dort und beim Denkmalamt. Beide Gesprächspartner hatten schon auf seinen Anruf gewartet.

Größere Unfälle ereigneten sich unter anderem 2021, 2018 und 2011. Das waren aber nur die Fälle, die es in die Medien schafften, weil der Schaden entsprechend hoch war. Auch zwischendurch krachte es unzählige Male – dann eben in kleinerem Ausmaß und ohne größeren Schaden. Genaue Zahlen hat der Bürgermeister nicht. Mal waren es ein bis zwei Fälle im Jahr, mal sogar drei in einer Woche.

Der „Galgen“ ist eine drei Meter hohe Metall-Konstruktion

In der Regel läuft es jedes Mal so ab, dass, wenn ein Lastwagen stecken bleibt, die Nachbarn die Feuerwehr und den Bürgermeister anrufen. „Die Anwohner hier kennen das ja alle schon“, sagt Boris Seitz.

Doch auch, wenn man in Mundelsheim schon eine gewisse Routine darin hat, zu allen möglichen Tages- oder Nachtzeiten Lastwagen wieder aus dem Torbogen herauszubekommen: darauf verzichten könnten alle Beteiligten. Inklusive dem Bürgermeister. „Ich bin froh, wenn wir den Galgen da hinbekommen“, sagt Seitz. Der „Galgen“ ist eine drei Meter hohe Metall-Konstruktion, die nun auf der unteren Seite vor dem Torbogen aufgestellt werden soll. Von der anderen Seite ist das nicht nötig, denn die Erfahrung zeigt: Die Lastwagenfahrer versuchen ihr Glück mit der Durchfahrt nur von unten kommend, da der Bogen hier höher und größer wirkt, als er ist.

Das massive Metall-Gestell sieht zwar vor dem historischen Gebäude nicht gerade hübsch aus, wird aber seinen Zweck erfüllen, ist sich der Mundelsheimer Bürgermeister sicher. „Wer da dagegenkracht, wird das sehr deutlich am Fahrzeug merken.“ Anders, als bei dem beweglichen rot-weißen Balken, der bislang die Fahrer von der Durchfahrt abhalten sollte.

Betrachtet man die Unfallzahlen am Großbottwarer Tor, hat dieser Balken wohl deutlich zu sanft am Dach der Führerhäuser gekratzt. „Der hat schon ganz schön was mitgemacht“, sagt Boris Seitz mit Blick auf das historische Gemäuer. Es ist vor rund 600 Jahren als Teil der Ortsbefestigung und Stadttor der Gemeinde errichtet worden. Das Torhäusle war einst die Dienstwohnung des Torschreibers. Er führte über die in den Ort eingeführten Waren und im Herbst auch über den Weinmost Buch. Heute ist das Tor als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ eingestuft.

Es vor weiterem Schaden zu schützen, das soll nun der Metall-Galgen hinbekommen. Im – nicht ganz ernst gemeinten – Gespräch waren in Mundelsheim aber noch weitere Maßnahmen: ein Nagelbrett oder aber eine Lasershow beispielsweise. Oder man könnte wieder einen Torwächter einstellen. Der müsste dann ein Augen auf die herannahenden Lastwagen haben.

Sperrungen rund um Mundelsheim

Großbottwarer Tor
 Die Reparaturarbeiten am Torbogen werden voraussichtlich bis Ende März dauern. So lange gibt es dort kein Durchkommen in die Großbottwarer Straße. Die Umleitung geht über die Heinrich-Maulick-Straße in Mundelsheim. Diese hat auch keine Höhenbegrenzung wie die Hindenburgstraße.

Weitere Umleitungen
 Dieser Tage beginnt zudem die Sanierung der Ortsdurchfahrt. Fünf Bauabschnitte sind bis Ende November geplant. Mit dem ersten und zweiten Bauabschnitt wird unter Vollsperrung der Hessigheimer Straße ab der Kreuzung mit Neckarstraße und Karl-Epple-Straße bis Hindenburgstraße begonnen. Hinzu kommt der Umleitungsverkehr, der durch die Sanierung nahe der Autobahnauffahrt Pleidelsheim nach Mundelsheim geführt wird. Da könnte ganz schön etwas zusammenkommen. Bürgermeister Boris Seitz meint dazu nur: „Am besten umfährt man Mundelsheim in der Zeit großräumig“.

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