Lebenshilfe Göppingen Im Einsatz für Menschen mit Handicap

Andreas Mauritz hofft als Vorsitzender der Göppinger Lebenshilfe auf viele Firmenaufträge für die Beschäftigten.  Foto: Staufenpress

Andreas Mauritz ist der neue Vorsitzende der Göppinger Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen. Sein Engagement hat auch persönliche Gründe.

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war Hans Brodbeck Vorsitzender der Lebenshilfe Göppingen, nun gab er sein Amt in jüngere Hände ab, bleibt aber der Einrichtung als Vorstandsmitglied weiterhin treu. Sein Nachfolger Andreas Mauritz ist in Stuttgart-Freiberg geboren und aufgewachsen, er ließ sich 1992 in Göppingen als Rechtsanwalt nieder und kam drei Jahre später zur Lebenshilfe. Die Lebenshilfe mit ihrem Geschäftsführer Uwe Hartmann ist im Landkreis Göppingen für Menschen mit Handicap tätig, insbesondere als Träger unterschiedlicher Arbeitsangebote. Dahinter steht der gleichnamige Verein, dessen Vorsitzender Mauritz nun ist.

 

Doch wie kommt ein Fachanwalt für Arbeits- und Sozialrecht in die Vorstandschaft der Lebenshilfe? Genaugenommen aus zwei Gründen, wobei er bei den ersten Begegnungen keine Sympathiepunkte sammelte. Andreas Mauritz: „Ich habe die Lebenshilfe verklagt – früher. Nach drei, vier Prozessen hat sich die Lebenshilfe dann Gedanken darüber gemacht, ob es nicht sinnvoll sei, ich bin auf ihrer Seite.“ Sein Befürworter sei damals Hans Brodbeck gewesen. So kam Mauritz zum Trägerverein der Einrichtung. Mit kurzen Unterbrechungen sind es mittlerweile 27 Jahre.

Ein „Vertrag mit Gott“

Einen tieferen Sinn beinhaltet der zweite Anlass. Der 60-Jährige berichtet offen, dass sich seine Frau und er immer Kinder gewünscht hätten. Zunächst erfolglos. Irgendwann akzeptierten sie ihre Kinderlosigkeit, zogen sogar eine Adoption in Erwägung, verrät Andreas Mauritz. „Und plötzlich waren wir schwanger!“ Nachdem sie so lange darauf gewartet hatten, schossen ihnen nun andere Gedanken durch den Kopf: „Wird hoffentlich alles gut?“ Als praktizierender Christ, der sich aber nicht als Kirchgänger bezeichnet, habe er daraufhin mit „seinem Gott einen Vertrag abgeschlossen“, schildert er. „Wenn alles gut läuft, dann will ich mich engagieren – auch für Menschen, die vielleicht nicht so auf der Sonnenseite stehen. Und weil mein Gott beide Verträge eingehalten hat, halte ich meinen Vertrag auch ein“, erzählt er und ergänzt: „Eine Spende sollte wehtun. Ich spende etwas, was mir wirklich weh tut – Zeit!“

Andreas Mauritz hält es für falsch zu sagen, nur weil jemand ein Handicap hat (das Wort Behinderung findet er nicht gut), dass es ihm mit einer Beeinträchtigung nicht gut gehen kann. Dann nennt der Vorsitzende, was für ihn in der Arbeit für die Lebenshilfe Priorität hat: „Wir müssen schauen, dass wir die Werkstätten mehr auslasten, dass wir einfach mehr Aufträge generieren für unsere Menschen mit Handicap.“ Die Auftragsfirmen wie WMF oder Erni könnten sich aussuchen, wo die Menschen arbeiten, „entweder in den eigenen Werkstätten oder bei Bedarf vor Ort“. Sogenannte Gruppenleiter kümmerten sich um die Frauen und Männer, die je nach ihren Talenten bis zu siebeneinhalb Stunden eingesetzt und nach dem Behindertengrundlohn bezahlt werden, erklärt Andreas Mauritz und macht deutlich: „Da schwächeln wir noch. Was wir dringend brauchen, sind Unternehmen, die bereit sind, sich auf die Lebenshilfe einzulassen. Auch müssen wir mehr auf die Firmen und Schulen zugehen.“

Besondere Einblicke sind vorgesehen

Geplant sei ein besonderer Tag der offenen Tür, an dem Unternehmen ganz unterschiedlicher Art nach Heiningen eingeladen werden und Kleingruppen per Shuttle-Verkehr einzelne Werkstätten anfahren, um zu zeigen: „Was können wir alles, was für Maschinen haben wir, was für Manpower oder Womanpower, und an Beispielen demonstrieren, dass Menschen mit Handicap nicht nur Sortierarbeiten machen.“ 340 Mitarbeiter sind es aktuell, ein weiteres Thema sei, die „sportlichen Aktivitäten auszubauen“, verrät Mauritz, der auch Vorsitzender des TV Jahn Göppingen ist.

So war die Lebenshilfe beim AOK-Firmenlauf vergangenen Juli mit 100 Menschen, darunter 50 mit Beeinträchtigung, der größte Block. Händeringend gesucht werden außerdem Mitarbeiter sowie Auszubildende wie Heilerziehungspfleger oder Gruppenleiter. „Wir müssen raus aus dem Konkurrenzdenken und deutlich machen, dass es in der Lebenshilfe durchaus spannende Berufe sind, wo man seine eigenen kreativen Ideen einbringen kann und es vielfältige Aufstiegsmöglichkeiten gibt“, sagt Andreas Mauritz, der von „ständigen Bedenkenträgern“ nichts hält, sich vielmehr als „Macher“ sieht. Mit Blick auf die Holztafel in seiner Kanzlei nimmt man ihm das ab: Dort steht: „Sollte, Hätte, Könnte, Würde (jeweils rot durchgestrichen). Machen!“

Ein Anwalt an der Spitze der Lebenshilfe

Beruf
 Andreas Mauritz arbeitet seit Juli 1992 als Fachanwalt für Arbeits- und Sozialrecht in Göppingen, die ersten Jahre teilte er sich die Kanzlei mit Ulrich Gläsel. 2001 gründete er die Kanzlei „Andreas Mauritz Rechtsanwälte“ in der Schützenstraße. Im Jahr 2015 zogen sie in den Kaiserbau in der Poststraße.

Privat
Seine Frau Michaela, ebenfalls Anwältin mit Schwerpunkt Sozialrecht, hat er 1984 im Studium kennenlernt, verheiratet sind sie seit 1992. Das Ehepaar hat zwei Kinder. Lukas, Jahrgang 1996 und Carolin, geboren 2000. 

Engagement
 Bereits im Jahr 1992 kam Andreas Mauritz in die Vorstandschaft der Lebenshilfe Göppingen, im Herbst 2022 wurde er zum Vorsitzenden gewählt.

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