Lebenshilfe Leonberg Das Juwel polieren

Cornelia Lentl kommt ursprünglich aus dem Pflegeberuf, arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der Behindertenhilfe. Foto: Simon Granville

Seit dem 1. März ist Cornelia Lentl die neue Geschäftsführerin der Leonberger Lebenshilfe, die sich mit einem weiten Angebot um die Belange behinderter Menschen kümmert.

Mit etwa 1100 Bewerbungsschreiben aus ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern ist die kleine Nordseeinsel Wangerooge in den vergangenen Wochen überschüttet worden. Die Gemeinde sucht einen neuen Leuchtturmwärter. Nicht ganz so viele Bewerbungen, aber immerhin etwa 50 – gingen zuletzt bei der Lebenshilfe in Leonberg ein.

 

Seit Juni 2023 bis Ende Februar in diesem Jahr war die Stelle des Geschäftsführers vakant. Die anstehenden Aufgaben in der Verwaltung hatten sich der Vorstand und die Mitarbeitenden so gut wie möglich aufgeteilt. „Das war eine herausfordernde Zeit“, sagt Jürgen Rein, der Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins, dessen Motivation es ist, sich für ein gutes gemeinsames Leben von Menschen mit und ohne Behinderung zu engagieren. Der Vereinsvorstand hatte sich von seinem ehemaligen Geschäftsführer Werner Zereg bereits nach der Probezeit getrennt. Erst im Januar 2023 hatte er die Nachfolge von Christina Holler – die zwölf Jahre bei der Lebenshilfe tätig war – angetreten. „Das war eine einvernehmliche Entscheidung, weil es von beiden Seiten nicht gepasst hat“, erklärt Jürgen Rein.

Trennung nach der Probezeit

Die Stelle wurde also erneut ausgeschrieben. Die passende Kandidatin fand der Verein in Cornelia Lentl, die nun seit dem 1. März die Geschäfte der Lebenshilfe verantwortet. „Da sind wir uns diesmal sicher, dass es passt“, sagt Elisabeth Kolofon, die bei der Lebenshilfe für die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Inklusion zuständig ist. Diese Zuversicht kommt nicht von ungefähr.

Die 51-Jährige Cornelia Lentl, die aus Esslingen stammt, kommt aus dem Pflegebereich. Sie ist gelernte Krankenschwester, studierte anschließend Sozialpädagogik, schloss mit dem „Master of Arts“ ab. Sie bildete sich in verschiedenen Bereichen weiter, unter anderem in der Betriebswirtschaft. „Ursprünglich war mein Thema die Arbeit mit älteren Menschen“, sagt Cornelia Lentl. Zehn Jahre war sie bei der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart Teamleiterin des Gerontopsychiatrischen Beratungsdienstes. Sie begleitete hier unter anderem Menschen mit seelischen Erkrankungen im Alter wie Demenz, Depression oder Alterswahn.

Zahlreiche berufliche Stationen

Ab 2015 war sie ein Jahr lang im Projektmanagement der Forschungsabteilung Geriatrie im Robert-Bosch-Klinikum in Stuttgart. Das Forschungsprojekt „Trittsicher durchs Leben“ war bundesweit angelegt. Vier Jahre, bis 2020, war Cornelia Lentl dann beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg als Leiterin für den Bereich Menschen mit Behinderung tätig. Hier leistete sie unter anderem sozialpolitische Lobbyarbeit, begleitete die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes. Die Arbeit mit behinderten Menschen habe sie schätzen gelernt. „Sie sind authentisch, ehrlich und erfrischend.“ 2020 bis zu diesem Jahr war sie geschäftsführende Vorständin der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach. Ihre Aufgabe war es, das anthroposophische mittelständische Sozialunternehmen der Eingliederungshilfe mit etwa 280 Mitarbeitenden weiterzuentwickeln, seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Cornelia Lentl zog es wieder „in den Speckgürtel von Stuttgart, wo ich mit meinem Lebensgefährten und zwei Hunden in Sindelfingen wohne“. Sie bewarb sich auf verschiedene Stellen, entschied sich letztendlich für die Lebenshilfe in Leonberg. „Das ist ein kleiner Verein mit unglaublich vielen tollen Mitarbeitenden und großem Entwicklungspotenzial“, sagt die neue Geschäftsführerin, die an das bereits gute Bestehende aufbauen möchte. „Wir möchten die Lebenshilfe mehr in den Fokus rücken, der Verein ist ein kleines Juwel, das man polieren muss.“ Ihr Herz schlage für Toleranz, Teilhabe und Vielfalt. „Nur so können Barrieren abgebaut werden, kann Inklusion gelingen. Wir wollen, dass behinderte Menschen als Teil der Gesellschaft gesehen werden, sie haben einen Rechtsanspruch auf Teilhabe“, sagt Cornelia Lentl. Auch bei der anstehenden Kommunal- und Europawahl – seit 2019 gilt ein inklusives Wahlrecht.

Dass die Wünsche und Belange behinderter Menschen auch beim städtischen Projekt „Stadt für morgen“ berücksichtigt werden, darauf hofft die Lebenshilfe-Geschäftsführerin. „Menschen mit Behinderung sind keine Bittsteller, sondern Bürgerinnen und Bürger mit Rechten und Pflichten“, sagt Cornelia Lentl. Für die Unterstützung in ihrem Leben bräuchten sie zwingend eine Wahl von Anbietern. „Wir versuchen auszuloten, wo weitere Bedarfe im Versorgungssystem des Landkreises bestehen, um die Angebotsvielfalt zu unterstützen.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Lebenshilfe Leonberg Behinderte