Legendäre Band aus und in Sindelfingen Oldie-Treff und volles Haus im Pavillon
Die Sindelfinger Altrocker If You Wanted To stellen ihr neues Album vor. Viele verfolgen die Präsentation – und sind am Ende begeistert.
Die Sindelfinger Altrocker If You Wanted To stellen ihr neues Album vor. Viele verfolgen die Präsentation – und sind am Ende begeistert.
„If you wanted to come, come!“ (Falls ihr kommen wollt, kommt!) – dieser wortspielerischen Einladung folgten am Samstagabend fast 150 Fans der gewissermaßen ältesten Rockband Sindelfingens. Bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts machten die Sindelfinger auf sich aufmerksam und scharten schnell viele Melodic Rock Fans um sich, denen außer der eingängigen Musik auch noch nachdenkliche Texte von Bedeutung waren.
Wanted hieß die Formation damals noch, bevor sie sich den etwas sperrigen Namen If You Wanted To zulegte. Denn in Irland existierte bereits eine Boyband namens The Wanted, wie Bandleader und Maler Joachim Kupke damals zufällig erfuhr. Die Musik lebt von seinen musikalischen und lyrischen Ideen, die er in Singer/Songwriter-Manier vorträgt. Im Pavillon begrüßt er die Besucher denn auch auf seine Art: „Guten Abend, habt ihr nichts Besseres vorgehabt heute Abend?“, um nach der ersten Nummer das Publikum aufzuklären: „Wir sind If You Wanted To aus New York“.
Was folgt ist play along, denn musikalisch gleichen sich viele Titel. Rhythmisch und in den Akkordfolgen sind wenig Unterschiede auszumachen. Entscheidend sind wohl die Texte, die jedoch von den Gästen, die nicht der englischen Sprache mächtig sind, kaum verstanden werden. Bedauerlicherweise sind die Anmoderationen der Songs auf die Namen der Titel beschränkt, sodass viele der Inhalte unverständlich bleiben.
Erinnerungen an Leonard Cohen, J.J. Cale oder Johnny Cash werden wach, was Grooves und Stimme betrifft. Kupke hat eine Westerngitarre umgehängt und trägt seine Poesie in lässiger und unaufgeregter Art vor, während sich seine Mitstreiter Reiner Pfleiderer (E-Gitarre), Herbert Renz (E-Bass) und der Youngster Alexander Schumacher am Schlagzeug ganz in den Dienst von Kupkes Kompositionen stellen.
In der Pause hört man Sätze wie „Klingt ziemlich ausgeglichen, wie die Leute in diesem Alter halt so sind“. Der 77-jährige Kupke und zwei seiner Spielkameraden, Renz und Pfleiderer, dürften altersmäßig in derselben Liga spielen. Frischer Wind kommt in der zweiten Halbzeit auf, als Kupkes Frau Sarah, eine Britin, mit ausdrucksvoller Stimme den Song „Dried Moonlight“ mit seiner gehaltvollen Lyrik vorträgt. Danach übernimmt die Band wieder. Und gegen Ende des Gesamtwerkes darf man sich doch noch über ein kluges E-Gitarrensolo freuen. Hat sich Pfleiderer bis dahin doch in Zurückhaltung geübt.
Die Besucher wollen mehr und bekommen es auch. Nach den Zugabeforderungen kommt Renz zuerst auf die Bühne und erheitert das Publikum mit einem trockenen „Also gut!“ Die Herren greifen bei „Strange Town“ nochmals in die Saiten, und Drummer Schumacher, der Sohn des früheren Technikchefs der Sindelfinger Stadthalle, lässt durchblitzen, dass mehr in ihm steckt als zurückhaltende Liedbegleitung. Das gefällt offensichtlich, denn eine zweite Zugabe lässt nicht lange auf sich warten.
„Underwood“ birgt dann noch ein paar musikalische Überraschungseffekte, die zu Beginn des Konzertes zu lange ausgeblieben waren. Die neue CD „Unfinished Painting“, in Schumachers Ehninger Studio aufgenommen, ist im Foyer dann noch käuflich zu erwerben und erweist sich als hervorragend abgemischt. Für Fans ein Muss!
Besucher Ivan Kaner aus Bulgarien und seit 15 Jahren in Sindelfingen wohnhaft resümiert: „So gute Musik habe ich in Deutschland sonst noch nicht gehört!“ Die ehemalige Sindelfingerin Malena Breuer hat es für dieses Konzert in Kauf genommen von Bad Königshofen 250 Kilometer anzureisen. Und Ex Baobab-Saxofonist Charly Huschka, der ebenfalls unter den Besuchern weilt, ließ es sich ebenfalls nicht entgehen, die zweite spannende Band Sindelfingens aus den Siebzigern zu erleben und konstatiert: „Wunderbar!“
Dem ist nichts hinzuzufügen.