Hollywood-Regisseur Roland Emmerich Legendäre Villa in Sindelfingen wird verkauft - exklusiver Blick ins Elternhaus

Ein herrschaftliches Anwesen: Die Villa Emmerich in Sindelfingen steht zum Verkauf. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Die Familie des Hollywood-Regisseurs verkauft ihre Villa in Sindelfingen. Wie haben die Emmerichs in dem riesigen Anwesen gewohnt? Ein Besuch mit Andreas Emmerich, dem Bruder und Geschäftsführer jenes Unternehmens, das den Bau der Immobilie möglich machte.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Julika Wolf (jwo)

Steinstufen führen von der Straße durch das kleine Tor den Hang hinauf. Noch sieht man das Haus nur durch die Bäume und Büsche, die den Weg säumen. Aus den Bäumen tropft der Regen der Morgenstunden auf Steinplatten und Rasen. Die Stufen führen um eine Ecke, erst dann gibt sich der Blick frei. Dort thront sie, die Villa Emmerich.

 

Durch eine schwere Tür geht es ins Haus. Ein paar Stufen nach oben, dann steht man im unteren Stockwerk der Emmerich-Villa. Die Wohnräume – Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer – befinden sich im oberen Stock. Also weiter, vorbei an Einbauschränken aus dunkelbraunem Holz und einem Pflanzenbeet. An der Wand neben der Treppe rankt eine riesige Pflanze von ganz unten nach oben. „Die ist schon von Anfang an da gewesen“, erzählt Andreas Emmerich.

Die Kinder sind verteilt zwischen Sindelfingen, London und Los Angeles

Er ist in diesem Anwesen in Sindelfingen aufgewachsen mit seinen drei Geschwistern, zu denen der spätere Hollywood-Regisseur Roland Emmerich gehört, Schöpfer von Blockbustern wie „Independence Day“ und „Godzilla“. Durch das Sindelfinger Unternehmen „Solo Kleinmotoren“ von Vater Hans Emmerich konnte sich die Familie im Jahr 1961 diesen Sitz bauen.

Bis 2022 wohnte die Mutter noch in dem Haus. „Sie war 94 und hatte ein langes Leben“, erzählt Andreas Emmerich. Solange sie noch lebte, sei das Haus ein Treffpunkt für die Geschwister gewesen, die zwischen Sindelfingen, London und den USA verteilt leben – Andreas Emmerich etwa hat die Firma des Vaters übernommen und wohnt ein paar Hundert Meter weiter, Roland Emmerich lebt in London und Los Angeles. Jetzt, wo seine Mutter nicht mehr da sei, müsse sich das mit den Treffen erst wieder einspielen, sagt Andreas Emmerich. Eventuell feiere man Weihnachten dann eben woanders.

Ein Barschrank mit roséfarbenen Spiegeln

Für große Familienfeiern war in dem Haus mit seinen 521 Quadratmetern Wohnfläche jedenfalls genügend Platz. Ein riesiges Wohnzimmer mit einer Fensterfront, die über die ganze Wand reicht. Bis in den Schwarzwald kann man von dort aus schauen. „Damals war Daimler noch nicht so mächtig“, sagt Andreas Emmerich mit Blick auf das Autowerk. Es hat sich eben einiges getan in den 62 Jahren seit der Erbauung. Andreas Emmerich zieht schmunzelnd eine Tür in der Wand des Wohnzimmers auf: Ein eingebauter Barschrank, ausgekleidet mit roséfarbenen Spiegeln und extra Kühlschrank für die Drinks.

Der Einbau stamme aus den Achtzigern, als die Wohnräume modernisiert wurden. Auch das dunkelbraune Holz der Einbauschränke stammt aus dieser Zeit. Im Esszimmer nebenan habe sein Vater immer für die Firma Gäste aus aller Welt empfangen. Ob die Kinder dann immer geschniegelt daneben sitzen mussten? Nein. „Das hat uns Kinder überhaupt nicht interessiert“, erzählt Andreas Emmerich. Sie haben eher in der Küche gegessen, wo auch Platz für einen Esstisch war. Ein Esszimmer für jeden Tag, eins für größere Gesellschaften. „So war das damals“, sagt er immer wieder. Auch dass die Mutter gekocht hat, war normal. „Und wie!“

Villa Emmerich war eines der ersten Häuser dort

Vom Flur aus sieht man in den Innenhof, den das Haus U-förmig umgibt. Über dem Pool-Trakt ragt inzwischen die nächste Villa. Die Villa Emmerich sei eines der ersten Häuser hier oben gewesen. „Als Kinder sind wir hier über die Wiesen gerannt“, erzählt Andreas Emmerich. Die Hunde haben ab und zu Hasen gefunden. „Jetzt ist alles zugebaut.“ Natürlich seien die Grundstücke aber riesig.

So auch das der Villa Emmerich. Im nächsten Trakt befinden sich die Schlafzimmer. Erst das der Eltern, dann zwei Kinderzimmer. Andreas hat sich mit seinem jüngeren Bruder Roland das Zimmer geteilt. Das habe immer gut funktioniert. „Wir sind nur ein gutes Jahr auseinander“, sagt er. Auch mit Freunden und in der Schule seien sie immer zusammen unterwegs gewesen. Schon in diesem Alter sei Roland Emmerich sehr kreativ gewesen, habe viel gemalt und gelesen. Dass er später so durchgestartet ist, dazu gehöre aber natürlich immer „ein Quäntchen Glück“.

Der Weg führt in den Pool-Trakt. Seine Mutter sei morgens regelmäßig geschwommen – im unbeheizten Wasser. „Das hält fit“, sagt Andreas Emmerich. Bis zu einem bestimmten Punkt sei der Pool auch als Kind toll gewesen, später dann wollten sie auch eher ins Freibad, weil da die Freunde waren.

Roland Emmerichs Partykeller

Die waren aber natürlich auch zu Besuch. Vor allem im unteren Stock, wo sich eine Art Hobbyraum mit Bar befindet – perfekt für Feste. Vor dem Partykeller befindet sich eine Terrasse mit Außenkamin – perfekt zum Grillen. Direkt davor ein Teich, in dem ein paar Karpfen leben. „Ganz schöne Oschis“, sagt Andreas Emmerich. Sie seien auch schon seit mindestens vierzig Jahren hier. Ab und zu habe ein Fischreiher mal einen geholt, trotzdem hätten die Fische ein gutes Leben hier: Im Wasser der hauseigenen Quelle. „Es gibt kein besseres“, sagt Emmerich. Ganz früher – vor über 100 Jahren, noch vor der Villa – haben sich die Leute aus dem Dorf hier ihr Wasser geholt.

Der Name wird für die Vermarktung genutzt

Und nun also der Verkauf dieser Villa. „Keiner von uns hat Bedarf, niemand wollte sie übernehmen“, sagt Andreas Emmerich. Immerhin sei der Erhalt des Hauses und des Gartens viel Arbeit. Er und seine Frau kommen etwa einmal pro Woche vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und die Fische zu besuchen – oder um die Presse durchzuführen.

Denn der Name Emmerich wird beim Verkauf mit vermarktet: Das Inserat wirbt für die „legendäre Emmerich-Villa“ und erwähnt sowohl die erfolgreiche Unternehmerfamilie als auch den berühmten Regisseur. „Natürlich verweisen wir gerne auf diesen berühmten Namen, um auf die Villa – neben der fantastischen Architektur und der einzigartigen Lage – noch weiter aufmerksam zu machen und eine zusätzliche Zielgruppe an Liebhabern anzusprechen“, teilt der zuständige Immobilienvermittler Engel und Völkers mit. Andreas Emmerich habe die Veröffentlichung mit seinen Geschwistern abgeklärt – allen voraus mit Roland, denn dem gelte immer das meiste Interesse. Alle seien einverstanden gewesen. „Was wir tun können, tun wir“, sagt Andreas Emmerich. Beim Verkauf selbst mische er sich nicht ein. Das müsse jeder selbst wissen, der so viel Geld dafür ausgebe – 3,5 Millionen Euro kostet die geschichtsträchtige Immobilie.

Wer möchte diese Villa haben?

Wer sich für so etwas interessiert? Genaue Angaben macht Engel und Völkers nicht. Nur so viel: „Es werden sicher Liebhaber dieses Architektur-Stils sein und Menschen, die sich für die faszinierende Aussichtslage begeistern können. Aber auch internationale Kunden, die große Fans von Roland Emmerich sind und sich etwas Besonderes gönnen wollen, kommen infrage.“ Vorausgesetzt natürlich, dass der Käufer über ein entsprechendes Budget verfügt und die Sanierung angehen will.

Denn sanierungsbedürftig ist das Gebäude hier und da. „Das Haus wurde eben in den Sechzigern gebaut“, sagt Andreas Emmerich. Das Dach und die Mauern seien okay, doch energetisch müsse das Ganze auf den neuesten Stand gebracht werden – obwohl das Haus seit 15 Jahren über Solarthermie verfüge, die zum Beispiel das Schwimmbad heizt.

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