Lehrer berichten Mehr Kinderarmut im Klassenzimmer
Umfrage unter Lehrern zeigt: Familien fehlt es am Geld für Bücher und Hefte. Bei Kindern nimmt die Konzentration immer weiter ab.
Umfrage unter Lehrern zeigt: Familien fehlt es am Geld für Bücher und Hefte. Bei Kindern nimmt die Konzentration immer weiter ab.
Das Ergebnis ist erschreckend: Immer mehr Kinder und Jugendliche machen sich Sorgen um die finanzielle Lage ihrer Familien. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1000 Lehrern, die von der Robert-Bosch-Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Bundesweit machte ein Drittel der befragten Lehrer diese Beobachtung, an Schulen in sozial benachteiligter Lage waren es 48 Prozent.
Kinderarmut ist aus Sicht der Lehrkräfte in allen sozialen Lagen präsenter als im Jahr zuvor. Dagmar Wolf, die bei der in Stuttgart ansässigen Stiftung den Bereich Bildung leitet, spricht von einem „dramatischen Ergebnis“. Zumal die finanzielle Not weitreichende Folgen hat. Kinder und Jugendliche besuchen nach den Beobachtungen ihrer Lehrer weniger außerschulische Aktivitäten wie Musikschulen und Sportvereine und nehmen weniger an Ausflügen oder Aufenthalten in Schullandheimen teil. Mehr als ein Drittel der befragten Lehrer berichten zudem von fehlendem oder unzureichendem Schulmaterial wie Hefte oder Bücher.
Wolf warnt vor den Folgen der Armut: „Arme Kinder werden zu oft zu armen Erwachsenen. Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden.“ Fehlendes Geld im Elternhaus verhindere die Teilhabe junger Menschen am sozialen und kulturellen Leben. Das habe auch Auswirkungen auf die psychosoziale Gesundheit. Die Stiftung lässt seit 2019 regelmäßig repräsentative Befragungen zur Situation der Schulen in Deutschland durchführen, die unter dem Namen „Deutsches Schulbarometer“ veröffentlicht werden.
Ein weiteres Ergebnis der jetzt am Weltkindertag präsentierten Untersuchung: Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler nimmt beständig ab. Mehr als 80 Prozent der Lehrer können darüber berichten. 79 Prozent nehmen einen übermäßigen Onlinekonsum wahr. Immerhin: Die Motivationsprobleme der Schüler scheinen nach dem Ende der coronabedingten Einschränkungen gesunken zu sein, verbleiben dennoch auf hohem Niveau und werden von 70 Prozent der Lehrer angegeben.
Auch zum Thema Lehrermangel sind die Pädagogen nahezu aller Schularten befragt worden. Zwei Drittel der in Teilzeit arbeitenden Lehrkräfte können sich vorstellen, ihr Deputat grundsätzlich aufzustocken. Dafür stellen sie aber Bedingungen. So müsse das derzeit geltende Deputatsmodell, welches die Unterrichtsstunden erfasst, geändert werden. Die Lehrer fordern ein Arbeitszeitmodell, in dem auch Tätigkeiten außerhalb der Schulstunde wie Fortbildungen und Elternarbeit erfasst werden. Zudem sollten die fachfremden Aufgaben wie Dokumentationspflichten zurückgefahren werden – und die Betreuung der eigenen Kinder müsste gesichert sein.