Lehrerausbildung Fortbildungen auf dem Prüfstand

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Lehrer sollen Stärken und Schwächen ihrer Schüler erkennen und die Kinder individuell fördern. Doch bekommen die Pädagogen auch das richtige Rüstzeug im Form von Fortbilbungen? Diese Frage wird jetzt erforscht.

Die Fortbildungen der Pädagogen sollen mit empirisch überprüften  Inhalten gefüllt werden – zum Wohl von Schülern wie  Lehrern. Foto: dpa
Die Fortbildungen der Pädagogen sollen mit empirisch überprüften Inhalten gefüllt werden – zum Wohl von Schülern wie Lehrern. Foto: dpa

Stuttgart - Die Anforderungen an die Lehrer wachsen. Bildungsreformen stellen die Pädagogen vor neue Aufgaben. Die Schlagworte sind Umgang mit Heterogenität, individuelle Förderung, neue Lernformen. Für jede Reform stellt das Kultusministerium den Lehrern die passende Fortbildung in Aussicht. Doch halten diese Angebote auch, was sie versprechen?

Besonderen Fortbildungsbedarf haben die neuen Gemeinschaftsschulen. Ihnen ist eines von 15 Teilprojekten des neuen Promotionskollegs der Pädagogischen Hochschulen gewidmet, das am 1. August begonnen wurde.

Wie müssen Lehrer fortgebildet werden, damit sie „stimmige Unterrichtspla­nungen für heterogene Lerngruppen“ entwickeln können, so lautet die große Frage des Projekts. „Gerade bei der Differenzierung betreten die Forscher quasi Neuland“, sagt Timo Leuders, Prorektor für Forschung an der PH Freiburg und zusammen mit dem Mathematikprofessor Christian Spannagel (PH Heidelberg) Sprecher des Promotionskollegs. Benötigen die Lehrer mehr fachbezogene Fähigkeiten, also Tipps dazu, welche Aufgaben sie unterschiedlichen Schülern stellen könnten, oder fehlt es an methodischen Hilfeleistungen, wie der Unterricht zu organisieren sei? „Eigentlich brauchen sie beides“, konstatiert Leuders. Es gehe darum, beides zusammenzubringen und zu klären, wie daraus ein differenzierender Unterricht entstehen könne.

Unterschiedliche Vorstellungen zu Gemeindschaftsschulen

Am Ende des dreijährigen Promotionskollegs könnten substanzielle Informationen für Fortbildner stehen und könnte deutlich werden, welche Fortbildungsformate wirklich hilfreich sein können. „Wenn dann noch die empirische Überprüfung dazukommt, ist das gewissenhafter, als wenn man irgendeinem Prediger hinterherläuft“, sagt Timo Leuders mit Blick auf die unterschiedlichsten Vorstellungen zur Pädagogik an den Gemeinschaftsschulen. „Die Gemeinschaftsschulen suchen nach Lösungen. Wenn man ein bisschen mehr Sachbezogenheit in die Diskussion bringt, kann das nicht schaden“, davon ist der Bildungsforscher überzeugt.

Auch die zentralen Lernstandserhebungen in Klasse fünf nehmen die Forscher unter die Lupe. Bislang ist der Nutzen der Erhebungen umstritten. „Man weiß, dass das schwierig ist“, räumt Leuders ein und ergänzt, „wir wollen nicht jammern, wir wollen Fortbildungen entwickeln, die es Lehrern ermöglichen, die diagnostischen Informationen aus den Lernstandserhebungen zu nutzen“.

Die Teilnehmer des Kollegs „Professionalisierung im Lehrberuf, Konzepte und Modelle auf dem Prüfstand“, sind vom Fach. 15 Lehrerinnen und Lehrer sind daran beteiligt, 13 von ihnen promovieren im Rahmen des Kollegs, zwei arbeiten an einer Habilitation. Sie wollen klären, welche Faktoren zusammenspielen müssen, damit Lehrer und am Ende auch die Schüler etwas von den Fortbildungen haben, für die das Land regelmäßig Millionen an Euro ausgibt.

Umklar, wie Fortbildung auch wirklich effektiv wird

„Ein zentrales Problem der Fortbildungen ist die Nachhaltigkeit“, sagt der Mathematikprofessor Spannagel. Noch sei nicht erforscht, wie eine Fortbildung aussehen müsse, damit ihre Effekte auch wirklich bei den Schülern ankommen. Das wollen die Lehrer nun am Beispiel unterschiedlichster Fächer herausbekommen. Ein Schwerpunkt habe sich in der Mathematik herausgebildet, vertreten sind auch Musik, Informatik, Französisch und Deutsch. Die Forscher überprüfen Fachwissen, Fachdidaktik, pädagogisches Wissen, Einstellungen und Haltungen der Lehrer zu den Fortbildungen, so umreißt Spannagel die Gebiete. Am Ende komme es darauf an herauszufinden, wie die Faktoren zusammenwirken müssten, um zum Erfolg zu kommen.

Die meisten der 15 Teilprojekte kreisen um diagnostische Kompetenzen der Lehrer und um Lernmethoden oder Unterrichtsgestaltung im Fach und Differenzierung. Das sind die zentralen Herausforderungen an die Lehrer. „Wir wollen einen Beitrag leisten zur Lehrerfortbildung in Baden-Württemberg“, formuliert der Heidelberger Professor Christian Spannagel. Beteiligt sind die Pädagogischen Hochschulen Karlsruhe, Heidelberg, Freiburg, Weingarten und Ludwigsburg. Gmünd habe keinen Antrag gestellt.

Das Land lässt sich die Abordnung der 15 Lehrer für drei Jahre rund 2,5 Millionen Euro kosten. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) findet, dass das Geld gut angelegt ist. „Gute Schulen brauchen vor allem eines: gute Lehrerinnen und Lehrer“, betont sie. Das Kolleg solle dazu beitragen, die Kompetenzen der Lehrer durch forschungsbasierte Fortbildung zu erweitern, so dass die bessere Unterrichtsqualität auch zu besseren Schülerleistungen führe. So leistet das neue Promotionskolleg laut der Ministerin „einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag für künftige Bildungserfolge“.