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Leila Akinyi in Stuttgart Wer hat Angst vor der schwarzen Frau?

Leila Akinyi hat im Freund & Kupferstecher eine vielschichtige, heiße Show abgeliefert. Weitere eindrückliche Bilder zeigt die Fotostrecke. Foto: Mujib Bazhwal 9 Bilder
Leila Akinyi hat im Freund & Kupferstecher eine vielschichtige, heiße Show abgeliefert. Weitere eindrückliche Bilder zeigt die Fotostrecke. Foto: Mujib Bazhwal

Der Gig von Leila Akinyi im Freund & Kupferstecher ist das erste Einzelkonzert der New-Fall-Veranstalter in Stuttgart. Musikalisch ist der Abend ein großer Gewinn. Und wie viele Besucher kamen am heißen Freitagabend in den Club?

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Stuttgart - Es ist ein wundervoller Sommerabend, den sich Leila Akinyi für ihren Tourstopp in Stuttgart und das Team des New-Fall-Festivals für ihr erstes hier organisiertes Einzelkonzert ausgesucht haben – so schön, dass sich das Freund & Kupferstecher nur langsam füllt. Doch daran stört sich die gebürtige Kenianerin an diesem Freitagabend nicht. Ganz im Gegenteil „es lässt eine ganz andere Nähe zu euch zu“ gibt sie dem Publikum zu verstehen.

Gestartet wird der Abend mit einem Remix ihres Songs „Nekupenda“. Nach einer eindrucksvollen Tanzeinlage ihrer beiden Backgroundtänzerinnen betritt eine zierliche Person die Bühne. Ihre Gesichtsbemalung erinnert an Frauen eines Massai-Stammes und Ihre hüftlang geflochtenen lila Haare lassen sie fast wie eine Kriegerin wirken. Als „einen guten Krieger, der gegen das Böse kämpft, um die guten zu beschützen“ sehe sie sich, so die Deutsch-Kenianerin. Ihre Stimme hat eine von Kraft strotzende positive Energie, die schon nach wenigen Silben den Raum für sich einnimmt.

Sie kann nicht nur rappen

Gleich zu Beginn stellt sie unter Beweis, dass sie nicht nur rappen, sondern auch singen kann. „Phantasie“ nennt sich die darauffolgende Nummer: die energischen Bässe werden durch den dezenten Einsatz von Percussion gekonnt harmonisiert und die hypnotisierende Melodie hilft, in den Song einzutauchen. Bemerkenswert ist es auch, wie Leila Akinyi ihre Stimme selbst wie ein Instrument einsetzt und damit das minimalistische Arrangement vollends abrundet. Große Klasse!

In „Schwarz ist selbstbewusst sein“ folgt die erste Rap-Einlage. „Es ist leichter uns auszuschließen, als sich mit uns zu messen und als schwach aufzufliegen“, rappt die 25-Jährige. Bei all ihren Songs strahlt Leila Akinyi eine unglaubliche Präsenz aus. Man hat das Gefühl, ihre Raps seien Aufforderungen, Mahnungen und Unterhaltungen, die sie mit jedem einzelnen Zuhörer zugleich führt. Mittlerweile sind zwei Dutzend Gäste da, die der Aufforderung Akinyis nachkommen, sich „gehen zu lassen“ und „sich als Unikat zu fühlen, und sich von niemandem vorschreiben zu lassen etwas zu sein, was man nicht ist“.

Schrei, wenn ich komm – ich bin schwarz

Es folgen mit „Maisha“ ein Song auf Swahili. In „Nyumbani“ („zu Haus“ auf Swahili) beschreibt Leila Akinyi eindrucksvoll das Identitätsproblem von Migranten. „Ich kann nicht sagen, was ich mehr bin. Am Ende des Tages bin ich Mensch. Herkunft spielt keine Rolle“, erklärt sie ihrem Publikum. Hier vereint die Künstlerin äußerst gekonnt Rap und Gesang, Deutsch und Swahili – das Beste aus unterschiedlichen Welten, und vielleicht ist es auch das, was sie ein bisschen ausmacht.

Wer da ist, erlebt ein Konzert der besonderen Art. „Wer hat Angst vor der schwarzen Frau? Schrei, wenn ich komm. Ich bin schwarz“ rappt die Kölnerin, provoziert und spielt ganz bewusst mit Vorurteilen gegenüber dunkelhäutigen Menschen. Die äußerst gefühlvolle Ballade „Lieb Dich“ beschließt das Konzert. Der Abend ist eine Liebkosung der Sinne, tanzbar, mit der Tänzerinnencrew als Erweiterung – ein sehr bemerkenswerter Abend.

 

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