Leinfelden-Echterdingen Gibt es Schadstoffe im Flughafenhonig?

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Als sogenannte Bioindikatoren summen Bienen neben den Turbinen der startenden Flugzeuge am Airport Stuttgart. Der Lärm macht den Insekten nichts aus. Aber wie steht es um die Abgase?

Bienen sammeln auch Nektar auf dem Vorfeld des Stuttgarter Flughafens. Foto: dpa
Bienen sammeln auch Nektar auf dem Vorfeld des Stuttgarter Flughafens. Foto: dpa

Echterdingen - Am Himmel über den Fildern nimmt eine Eurowings-Maschine Kurs auf die Landebahn des Stuttgarter Flughafens. Das Geräusch der Düsentriebwerke kommt näher, und André Riehle macht eine kleine Redepause. Er erzählt gerade etwas über seine Arbeit auf dem Gelände des Airports. Die hat aber nichts mit Flugzeugen zu tun, sondern mit fliegenden Tieren. Riehle ist nämlich Imker und kümmert sich um die acht Bienenvölker auf dem Vorfeld des Stuttgarter Flughafens. „Die Bienen fliegen aktuell im Umkreis von zwei bis drei Kilometern auf Lindenblüten“, sagt Riehle. Die Insekten erreichen auch Streuobstwiesen, Weiden und Wildgehölzhecken bei Bernhausen. „Sie finden aber auch Nahrung auf den Flughafenwiesen auf dem Vorfeld. Dort wachsen Nelken, Mohn, Malven, Fetthenne und Klee“, sagt Riehle.

Die Zahl der Bienenkörbe hat sich inzwischen verdoppelt

Am Flughafen summt es bereits seit 2012. Im April des Jahres sind vier Völker im Westen des Vorfelds eingezogen. „Die Bienen sind ein Bioindikator“, sagte der Flughafenchef Walter Schoefer damals, als er die ersten Gläser Honig vom Flughafen präsentierte. Der Flugbetrieb habe keine negativen Auswirkungen auf die Bienen. Daran habe sich bis heute nichts geändert, sagt Wolfgang Papendieck, Mitarbeiter des Bereichs Infrastrukturelle Dienstleistungen vom Flughafen Stuttgart. „Der Honig wird auf Schadstoffe untersucht. Darin sind keine gefunden worden, sodass der Honig ohne Bedenken verzehrt werden kann“, berichtet Papendieck. Die Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim in Stuttgart prüft den Honig jedes Jahr auf Schadstoffe.

Mittlerweile gibt es am Flughafen doppelt so viele Bienenvölker wie während der Anfänge 2012. Sechs Körbe stehen im Westen der Start- und Landebahn und zwei weitere im Osten.

Zunächst hat sich ein Flughafengärtner um die Bienen gekümmert, aber neben seinen Aufgaben ist es ihm nicht mehr möglich gewesen, auch noch zu imkern. Darum hat in diesem Jahr André Riehle diese Aufgabe übernommen.

Er öffnet gerade einen Bienenstock und schaut nach dem Rechten: „Wenn der frische Nektar aus der Wabe tropft, so wie jetzt, ist der Wassergehalt noch zu hoch“, sagt Riehle. Er dürfe nämlich nicht mehr als 18 Prozent betragen, damit er nicht gäre. Darum müsse die Honigernte noch warten. „Natur ist Natur“, ergänzt Papendieck.

Im Handel ist der Flughafen-Honig nicht erhältlich

Riehle nimmt eine Wabe aus dem Bienenstock heraus, auf der Bienen summen und geschäftig hin und her schwirren. Einige der Waben sind bereits voller Nektar, andere nicht. „Die Wabe wiegt gut 15 Kilogramm“, schätzt der Imker. Je nach Witterung variiert die Honigmenge. Es sind maximal 110 Gläser. Den Honig bekommen Geschäftspartner des Flughafens als besonderes Geschenk überreicht.

„Allerdings gab es 2016 keinen Honig, weil das Frühjahr so verregnet war“, sagt Riehle. Wenn das Wetter nicht gut und die Temperatur zu niedrig sei, blieben die Bienen in den Stöcken, anstatt Nektar zu sammeln. Bevor André Riehle die nächste Wabe aus dem Rahmen holt, hält er den Smoker in Richtung der Bienen und drückt auf einen Knopf. Rauch von einem kleinen Holzfeuer im Gerät tritt aus. „Die Tiere denken, dass es brennt. Bei Feuer ziehen sie sich zurück und greifen nicht an“, sagt Riehle. Überhaupt seien die Bienen auf dem Flughafenvorfeld eher sanftmütig. „Schließlich sollen die Gärtner bei der Pflege des Rasens nicht angegriffen werden“, sagt Papendieck.

Riehle schließt wieder den Bienenstock und legt einen Stein drauf. „Die Bienen mögen es nicht so gerne, wenn der Besuch so lange die Tür offen stehen lässt“, sagt Riehle. Er selbst, der sonst als Wanderimker arbeitet, hat sich bereits an die landenden und startenden Flieger gewöhnt. „Auf die Flugzeuge schaue ich gar nicht mehr“, sagt Riehle und ergänzt: „Ich sehe ja nach den Bienen.“




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