Immer mehr Flächen in L.-E. werden entsiegelt. Das nutzt zwar der Umwelt, kann den Bürgern aber höhere Abwassergebühren bescheren, denn die Einnahmen der Stadtwerke verringern sich dadurch.

Leinfelden-Echterdingen - Umweltsünder werden bestraft, wenn man sie erwischt. Wer sich aber für die Umwelt verdient macht, kommt möglicherweise auch nicht immer ungestraft davon. In Leinfelden-Echterdingen liegt der Pferdefuß in der Stadtentwässerung. Der Abwasserpreis gliedert sich nämlich in die Teile für Schmutz- und Regenwasser. Gerade das Regenwasser kann irgendwann einmal für die Bürger zum Kostenfaktor werden. Eine Anfrage des SPD-Fraktionsvorsitzenden Erich Klauser hatte den Stein ins Rollen gebracht. Weil sich der Niederschlagswasserpreis nach der versiegelten Fläche, also danach, was zubetoniert, asphaltiert oder mit nackten Dachziegeln gedeckt ist, berechnet wird, fragte er die Stadtwerke an, wie denn das Verhältnis von versiegelter und entsiegelter Fläche im Stadtgebiet sei.

Pro Quadratmeter versiegelter Fläche verlangt die Stadt 55 Cent im Jahr

„Wir finden es spannend, dass trotz zunehmender Bebauung die versiegelte Fläche nur gering zugenommen hat. Das liegt daran, dass man immer mehr auf unversiegelte Bodenbeläge setzt“, antwortete Stadtwerkeleiter Peter Friedrich am Dienstag im Stadtwerkeausschuss. Dies bringe Vorteile für die Umwelt, für die Bürger müsse man vielleicht aber einmal die Preise erhöhen, weil die Stadt weniger Einnahmen habe. Folgende Kalkulation verdeutlicht dies. Pro Quadratmeter versiegelter Flächen, die an öffentliche Kanäle angeschlossen sind, verlangt die Stadt seit 1. Januar 55 Cent pro Jahr. 2016 waren es noch 50 Cent. Für entsiegelte Flächen, von denen das Wasser ins Erdreich sickert, kann sie dagegen gar nichts verlangen.

Viele Parkplätze, zum Beispiel bei den Discountern Lidl und Aldi, seien schon entsiegelt, wie die Stadt sich das wünsche. Weil immer mehr Menschen auf begrünte Dächer setzten, hielten auch diese das Wasser wie ein Schwamm zurück. „Wir haben zwar mehr Fläche, die bebaut ist, aber in der Tendenz nimmt die versiegelte Fläche ab.“

Sinnvolle und in der Sache richtige Vorschriften des Landratsamts zum Hochwasserschutz, sagte Friedrich, verstärkten all dies noch. So gebe es für das im Entstehen befindliche Baugebiet Schelmenäcker ein modifiziertes Trennsystem: „Das belastete Regenwasser von Straßen und Lastwagenparkplätzen fließt in die Kanäle und wird in der Kläranlage gereinigt. Das Flächenwasser von Dächern und Gehwegen wird in den vom Landratsamt vorgeschriebenen Zisternen gesammelt. Von dort wird es kontrolliert über einen kleinen Kanal in die Körsch geleitet.“ Diese geregelte Weiterleitung bewirke, dass es an der Körsch, die dafür bekannt sei, dass sie nach starkem Regen über die Ufer trete, nicht zu Hochwasser komme. „Nach einem Gewitterregen dauert es zwei bis drei Tage, bis die Zisterne wieder leer ist“, sagte Peter Friedrich.

Mit Luftaufnahmen wird der Bestand erfasst

Wie es der Name schon sagt, waren die Schelmenäcker bisher Ackerland. „Durch das Zisternensystem und teilweisen Dachbegrünung wird das Gebiet nach der Bebauung entwässerungstechnisch nach wie vor wie ein Acker wirken“, sagte der Stadtwerkeleiter. Die Auswertung von Luftaufnahmen aus dem Jahre 2015 durch ein Ingenieurbüro haben es den Stadtwerken ermöglicht, den Bestand der Flächen zu erfassen. „Laut Gesetz sind die Bürger dazu verpflichtet zu melden, ob etwas versiegelt oder entsiegelt wird, aber das tun nicht alle, um es mal vorsichtig auszudrücken“, sagte Friedrich. Weil jede Immobilie und jeder Stellplatz je nach seiner Beschaffenheit beim Wasserpreis individuell berechnet werden, seien Kontrollen im Interesse der Gebührengerechtigkeit nötig. Der nächste Flug für Luftaufnahmen im Auftrag der Stadtwerke findet 2019 oder 2020 statt.

Die Veränderungen bei der Regenwasserberechnung fanden im Stadtwerkeausschuss ein verhalten positives Echo. „Diese Entwicklung ist einerseits gut für die Umwelt, andererseits müssen wir aber wahrscheinlich irgendwann die Gebühren erhöhen“, stellte Erich Klauser fest.

Ingrid Grischtschenkos (Grüne) Frage, welche Flächen denn überhaupt berechnet würden, beantwortete der Stadtwerkeleiter lapidar: „Alle, außer den Straßen.“ „Eine der positivsten Effekte ist es, dass wir Überflutungen abpuffern können, selbst wenn der Wasserpreis steigt“, sagte Walter Vohl (Freie Wähler).

Die Frage von Wolfgang Haug (Fraktionsgemeinschaft L. E.-Bürger/FDP), ob die Kanäle denn zur natürlichen Reinigung noch genug durchgespült würden, bejahte Friedrich: „Die Straßen geben nach starkem Regen dafür immer noch genug Wasser ab.“