Der Wasserturm von Lenningen-Hochwang prägt seit 40 Jahren das Ortsbild. Die schlanke Betonnadel ist eine der letzten ihrer Art in Baden-Württemberg. Danach sind in der Regel nur noch ebenerdige Pumpwerke in Betrieb gegangen.

Esslingen: Thomas Schorradt (adt)

Lenningen - Der Wasserturm des Albflecken Hochwang kommt ins Schwabenalter. Als einer der letzten seiner Art in Baden-Württemberg ist er im Jahr 1974 fertiggestellt worden. Nachdem die Hülle und das Innenleben mehrmals überholt worden sind, feiert er als weithin sichtbares Wahrzeichen des Lenninger Teilorts seinen 40. Geburtstag in alter Frische.

Die Temperatur im Innern liegt bei acht Grad Celsius

Frisch ist das richtige Wort: Im Innern der 28,3 Meter hohen schlanken Beton- nadel ist es auch im Sommer empfindlich kalt. Zum einen hat das dort gespeicherte Wasser eine konstante Temperatur von acht Grad, zum anderen lässt die unterkühlte Formensprache der Technik keinen Platz für ästhetische Spielereien. Kaltes Neonlicht setzt kalten Beton in Szene. Trotzdem wird es Jan Hertel, der als Wassermeister der Gemeinde so etwas wie der Herr im achteckigen Haus ist, bei seinem wöchentlichen Kontrollgang immer wieder warm ums Herz. Nicht dass die 113 Stufen der Wendeltreppe den ehemaligen Spitzenbiathleten und Skilangläufer ernsthaft aus der Puste brächten. Nein, Hertel bezeichnet sich selbst als „Wassermeister mit Leib und Seele“. Er ist dafür verantwortlich, dass der Wasserdruck in den Leitungen des rund 750 Einwohner zählenden Albdorfs immer konstant bleibt. Darauf reduziert sich inzwischen die Funktion des Wasserspeichers.

„Früher haben die in der Tulpe gespeicherten 250 Kubikmeter Wasser auch noch ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit des Dorfes gewährleistet“, sagt Hertel. Inzwischen dient das im Turm gespeicherte Wasser meist nur noch als stille Reserve bei Störfällen oder wenn die Freiwillige Feuerwehr des benachbarten Erkenbrechtsweiler zur Löschübung ausrückt.

Umweltbewusstsein gestiegen

Anhand des Turminhaltes lässt sich auch der Fortschritt messen – sowohl in der Technik, als auch im Umweltbewusstsein. War die Wassermenge einst so ausgelegt, dass sie den halben Tagesbedarf des aufstrebenden Fleckens decken konnte, so würde der gleiche Vorrat heute, 40 Jahre später, ausreichen, um die Hochwanger Haushalte ganze vier Tage lang über Wasser zu halten. „Natürlich hat Hochwang inzwischen ein Drittel weniger Einwohner. Aber mehr noch haben sich die Sparappelle und die verbesserte Sanitärtechnik ausgewirkt“, sagt Hertel.

Der markante Speicher von Lenningen-Hochwang ist nach dem Kenntnisstand von Bernhard Röhle, dem Sprecher der Landeswasserversorgung Baden-Württemberg, einer der letzten im Land gebauten Wassertürme. „Die Idee des Wasserturms ist überholt. Seine Arbeit wird heute viel effektiver von Drucksteigerungspumpwerken übernommen. Die sind günstiger in Bau und Unterhalt“, sagt Röhle. Das war eigentlich schon vor 40 Jahren so. Im Gegensatz zum Wasser, das immer zum tiefsten Punkt strebt, haben die Baukosten die andere Richtung genommen. Am Ende hatte die Gemeinde rund 500 000 Mark in die Hand nehmen müssen, bis der erste Tropfen Wasser schließlich in die 15,50 Meter über dem Erdboden liegende Wasserkammer gepumpt werden konnte. Erste Überlegungen, wie der konstante Druck in den mehr als 700 Meter hoch gelegenen Hochwanger Wasserleitungen gewährleistet werden sollte, reichen bis ins Jahr 1959 zurück. Damals war in den vom Lenninger Altschultes Gerhard Schneider abgezeichneten Gemeinderatsprotokollen noch von einer voraussichtlichen Bausumme von 195 000 Mark ausgegangen worden.

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