Leonberg: Adrienne Braun auf dem Strohländle Skurrile Erlebnisse mit dem Finanzamt

Von Henning Maak 

Die Kulturredakteurin Adrienne Braun bringt rund 200 Zuhörer auf dem Strohländle mit ihrem Programm „Gesprochenes Geschreibsel“ zum Lachen.

Adrienne Braun braucht nur Tisch und Stuhl, um ihrem Publikum auf dem Strohländle einen unterhaltsamen Abend zu bereiten. Foto: factum/Weise
Adrienne Braun braucht nur Tisch und Stuhl, um ihrem Publikum auf dem Strohländle einen unterhaltsamen Abend zu bereiten. Foto: factum/Weise

Leonberg - Adrienne Braun braucht nicht viel, um ihr Publikum zu erreichen. Bei ihrer Lesung auf dem Strohländle am Montagabend sitzt sie mit ihren Büchern und ihrem Manuskript an einem Biertisch ganz vorne am Laufsteg der Bühne. Sie sucht die Nähe zu ihren Zuhörern, die nach ein paar Regentropfen nicht so recht wissen, ob sie sich guten Gewissens in die Liegestühle setzten sollen. Adrienne Braun spürt das und sagt prompt: „Sollten Sie die Flucht vor dem Regen antreten, sage ich Tschüss, Adieu und gute Heimfahrt.“

Die allermeisten der rund 200 Zuschauer harren dann aber doch aus und lauschen knapp anderthalb Stunden lang mit Begeisterung den Worten der Kolumnistin unserer Zeitung, die unter dem Titel „Gesprochenes Geschreibsel“ ein paar ihrer lustigsten Texte vorträgt – garniert mit Anekdoten aus ihrem Berufs- und Privatleben.

Empfohlene Tagesdosis von 20 000 Wörtern

Sie beginnt beim schlechten Image ihres Berufsstandes: „Wer schreibt Mist – der Journalist“ lautet einer von mehreren Reimen, die sie dazu auf Lager hat. Viele Menschen wüssten gar nicht, dass Journalisten zwar über alles schreiben, aber kaum reden dürften. „Es gibt kaum einen Beruf, bei dem man so viel zuhören muss“, erklärt sie und fügt dann an: „Deshalb rede ich beim Tippen, damit ich auch mal zu Wort komme.“ Sie wolle es auf dem Strohländle gnadenlos ausnutzen, dass sie jetzt losplappern könne, auch wenn man bei der Kommunikation das richtige Maß finden müsse und die empfohlene Tagesdosis von 20 000 Wörtern nicht überschreiten solle.

Ihre Samstagskolumnen erscheinen in der Stuttgarter Zeitung, den Stuttgarter Nachrichten und der Leonberger Kreiszeitung und haben damit ein breites Publikum. „Offenbar erscheinen meine Texte aber auch in ganz anderen Zeitungen, ich kriege zumindest immer wieder Anrufe aus anderen Städten“, berichtet sie.

Wegen des neuen Layouts ist ihre Kolumne auf den Fuß der Seite gewandert, damit ihre männlichen Kollegen darüber groß rauskommen könnten. „Aber im Supermarkt stehen die billigen Produkte ja auch immer ganz unten im Regal, wo alle gern und häufig zugreifen“, witzelt sie.

Adrienne Braun hat einen bunten Strauß an Themen mitgebracht, den sie dem Publikum in ihren Texten nahebringt. Sie erzählt von ihren meist skurrilen Erlebnissen mit dem Finanzamt, den Vor- und Nachteilen von Anrufbeantwortern und von Statistiken, laut denen jeder zweite Mann auf Stewardessen stehe, während Kfz-Mechanikerinnen überhaupt kein Sex-Appeal zugestanden würde.

Über die Intelligenz von Zweitgeborenen

Um ihre Zuhörer mit ihren bisweilen etwas anspruchsvollen Texten nicht zu überfordern, zeigt die Kulturredakteurin zwischendurch ein paar Geschenke, die sie von Lesern geschenkt bekommen hat, unter anderem einen selbst gestrickten Kater namens Mikesch. „Der sitzt bei mir in der Redaktion in der Hydrokultur“, erzählt sie.

Nicht fehlen darf ihr Text, warum sie als Zweitgeborene nicht so intelligent ist wie Erstgeborene. „Dabei habe ich mich für halbwegs intelligent gehalten, weil ich wusste, dass ich nicht so intelligent bin“, sagt Adrienne Braun. Der Intelligenzquotient steige von Generation zu Generation. „Bei uns in der Redaktion haben alle hochbegabte Kinder“, erzählt sie. Nur die Toiletten würden nichts dazu lernen, sonst hätte es der Rundmail von neulich nicht bedurft, dass man nach der Nutzung spülen solle.

Gegen 20.40 Uhr gibt Adrienne Braun eine Regieanweisung an Strohländle-Organisator Johannes Leichtle: „Jetzt ist es so dunkel, dass ich meine Texte nicht mehr lesen kann. Sie haben versprochen, mir mit der Taschenlampe zu leuchten.“ Als Leichtle für Erleuchtung sorgt, liest die Kolumnistin eines der beim Publikum beliebtesten Stücke vor: Wie sie als gebürtige Hessin Schwäbisch gelernt hat. Vom leichten Unterbiss, der dabei hilfreich ist, erzählt sie und der Effektivität, die der Sprache innewohne. „Statt ,Könntest du mir eine kleine Gefälligkeit erweisen’ reicht ein einfaches ,dädsch mr net’ aus.“ Der Ritterschlag sei gewesen, dass ihr eine Bekannte einmal gesagt habe: „Gell, Sie könnet ihr Schwäbisch au net verberge?“.

Am Ende des Abends hat Adrienne Braun deutlich mehr als die empfohlenen 20 000 Worte gesagt. „Aber ich verspreche, dafür werde ich in den nächsten Tagen schweigen“, schließt sie.




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