Kriminalstatistik Leonberg Das Handy im Auto ist fast schlimmer als Alkohol

Handy und Autofahren  – das ist bisweilen eine tödliche Kombination. Foto: dpa
Handy und Autofahren – das ist bisweilen eine tödliche Kombination. Foto: dpa

Polizei warnt: Smartphone-Spielereien sind wie ein Blindflug. Einbrüche gehen zurück, Internet-Betrug steigt.

Leonberg: Thomas Slotwinski (slo)
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Leonberg - Für Ulf Dieter steht fest: Geht es um Unfallrisiken, ist das Handy fast schlimmer als Alkohol. „Wenn jemand während des Fahrens eine Nachricht tippt, ist er sekundenlang im Blindflug unterwegs“, sagt der neue Leonberger Polizeichef. Reagieren oder ausweichen sei nahezu unmöglich. Und dann kracht’s.

Was freilich nicht bedeutet, dass die Beamten die Alkoholkontrollen vernachlässigen. Zwar ist die Zahl der Promillesünder mit jährlich 20 schon seit vier Jahren konstant. Wer aber meint, dass Fahrer nur zu fortgeschrittener Stunde sich unter Einfluss von Schnaps oder Bier ans Steuer setzen, der irrt. „Wir haben schon einen um 11.30 Uhr mit einem Promille erwischt“, berichtet Dieter. Zwei Promille haben die Polizisten um 16 Uhr gemessen. Deshalb wird auch künftig zu allen Uhrzeiten an neuralgischen Punkten, etwa der Grabenstraße oder der B 295, kontrolliert.

Unfallschwerpunkt Autobahn

Dass mit 265 die Zahl der Unfälle mit Verletzten im vergangenen Jahr in Leonberg massiv gestiegen ist (2015: 208) hat aber keine lokale Ursache. Vielmehr treiben die direkt durchs Stadtgebiet verlaufenden Autobahnen die Statistik nach oben. Gerade an der Dauerbaustelle am Leonberger Dreieck hat es oft gekracht.

Jenseits der Autobahnen haben die Beamten lediglich 124 Unfälle im vergangenen Jahr gezählt – sechs weniger als 2015. Die beiden Toten, die zu beklagen waren, sind die Opfer der beiden Motorradunfälle auf der B 295 in Richtung Ditzingen.

Grundsätzlich sind Ulf Dieter und sein Kollege Alexander Götz mit der allgemeinen Entwicklung zufrieden. Zwar mussten die Leonberger Beamten mit 2444 Fällen sieben Prozent mehr Straftaten bearbeiten. Aber auch die Aufklärungsrate ist von 59,4 auf 64,7 Prozent gestiegen. Morde hat es im vergangenen Jahr keine gegeben.

Fäuste fliegen in der Nacht

Die Körperverletzungen sind um ein Viertel von 230 auf 289 gestiegen. In 56 Fällen waren die Täter betrunken. Bedenken, man könne am späteren Abend nicht mehr in die Altstadt gehen, zerstreut der Revierleiter energisch. Die Fäuste fliegen zumeist erst tief in der Nacht. „Wer Essen geht und noch ein Glas Wein trinkt, hat nichts zu befürchten“, sagt Dieter. Zumal die Polizei verstärkt zielgerichtet Streife laufe.

Von 135 auf 184 ist die Zahl der Beleidigungen deutlich nach oben gegangen: „Es wird einfach mehr angezeigt als früher“

Dass es in den Notunterkünften immer mal wieder zu Auseinandersetzungen kommt, führt der Revierleiter auf die kulturellen Unterschiede in beengten Räumen und die Beschäftigungslosigkeit der Bewohner zurück. „Das ist auf keinen Fall dramatisch“, stellt Dieter klar. „Wir haben das im Griff.“

Im Griff haben die Beamten auch den bisherigen Problemkreis Einbrüche. „Da hat sich unsere verstärkte Präsenz und die Aufklärungsarbeit ausgezahlt“, sagt der Polizeichef. 76- mal stiegen Einbrecher in Wohnungen, Büros oder Lokalen ein. Im Vorjahr verzeichnete die Polizei noch 97 Delikte. Die Aufklärungsrate hat sich nahezu verdoppelt.

Dabei war der Polizei auch ein dicker Fisch an die Angel gegangen. Eine im Südwesten aktive Bande hatte bei ihren Einbrüchen in der Stadtmitte die Türspione abgeklebt und asiatische Restaurants ausgespäht. Fünf Kolumbianer sind mittlerweile verurteilt.

Bankraub war früher

Die Drogendelikte sind um 32 auf jetzt 150 Fälle gestiegen. Treffpunkte sind nach Angaben von Ulf Dieter und Alexander Götz nach wie vor der Stadtpark und das Umfeld des Berufsschulzentrums. Und dass die Zahl der Betrugsfälle von 267 auf 322 nach oben geschnellt ist, liegt schlicht am Internet. „Früher hat man eine Bank ausgeraubt, heute spielt sich das alles im Netz ab“, bringt es Ulf Dieter auf einen einfachen Nenner.




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