Leonberg Den Scherben in den Sandkästen auf der Spur

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Dragoslav Radanovic beseitigt den Abfall und Unrat auf sämtlichen Grill-, Bolz- und Kinderspielplätzen. Seit Mai hält er alle 74 Plätze sauber. Der 41-Jährige ist der erste Spielplatzinspektor der Stadt – die hat dem wilden Müll den Kampf angesagt.

Dragoslav Radanovic Foto:  
Dragoslav Radanovic Foto:  

Leonberg -

Sieht eigentlich alles picobello aus auf dem Spielplatz in der Tiroler Straße. Schlechtes Wetter am Wochenende ist gut, jedenfalls für Dragoslav Radanovic. Er ist nämlich der Saubermann der Leonberger Spielplätze, auch die Bolz- und Grillplätze gehören dazu: 74 sind es insgesamt. Und wenn es am Samstag und Sonntag kühl ist, stürmt oder regnet, dann gehen die Menschen seltener ins Freie. Dann findet der 41-Jährige deutlich weniger Flaschen, Dosen, Zigarettenkippen und anderen Unrat und Abfall zwischen Wippen, Schaukeln und Klettergerüsten. Gerade war so ein Wochenende. Doch das Wetter hält nicht immer, was es verspricht.

Radanovic schwingt sich an diesem Morgen aus seinem orangefarbenen Pritschenbus, schnappt Kehrbesen, Rechen, Greifzange – und eine Mülltüte: 120 Liter passen rein. Der blaue Plastiksack wird nach dem gut 30-minütigen Rundgang proppenvoll sein. Und das nicht nur weil Radanovic zwei fest montierte Mülleimer leeren muss. Seit 1. Mai ist der Bauhofmitarbeiter Leonbergs erster Spielplatzinspektor. Denn die Stadt hat dem wilden Müll den Kampf angesagt: Der Abfall auf Plätzen und Straßen soll verschwinden.

Leo-Clean: Die Stadt soll sauberer werden

„Leonberg soll sauberer werden“, sagt Undine Binder-Farr, die Sprecherin der Stadt. Dieses Ziel hat sich eine Projektgruppe gegeben. Unter dem Namen Leo-Clean wurde sie von der Rathauspitze am Jahresanfang eingesetzt. Bis Herbst soll die Gruppe ein Papier für den Gemeinderat erarbeiten, wo in der Stadt mit welchen Mitteln und zu welchem Preis der wilde Abfall beseitigt werden kann. Bei Leo-Clean arbeiten unter anderem der Leiter des Bauhofs mit sowie Vertreter der Ordnungs- und Bauämter.

Die Stelle von Radanovic ist bereits ein erster Baustein auf dem Weg zu einem saubereren Leonberg. Dass er den Abfall anderer Leute wegräumen muss, ärgert ihn prinzipiell nicht. „Ach, wo Kinder spielen, fällt immer mal was an“, sagt der 41-Jährige. Was dem Vater zweier inzwischen erwachsenen Töchter aber extrem sauer aufstößt: dass die Sandkästen, Wiesen und Bolzplätze von einigen Leuten als Müllkippe missbraucht werden. „Ganze Säcke voller Hausmüll werden da einfach hingeschmissen“, sagt er. So kommt jeden Monat Restmüll aus Häusern und Wohnungen zusammen für rund 2000 Euro. Alles wild entsorgt. Das weiß Knut Sonntag, der Leiter des Bauhofs, so genau, weil die Projektgruppe Leo-Clean den illegal weggeworfenen Hausmüll genau erfasst, als Zahlenbasis für das Gemeinderatspapier. Und wie die Stadtsprecherin hält auch Sonntag die Abfallpolitik des Landkreises für teilweise verfehlt. So müsse der Müll getrennt und auf den Wertstoffhöfen im Kreis abgeliefert werden. Das sei vielen Bürgern zu umständlich und zu aufwendig, sagen Sonntag und Binder-Farr. Die Folge: es werde mehr Hausmüll einfach irgendwo weggeworfen.

Und das auch auf den Leonberger Spielplätzen, wie dem in der Tiroler Straße. Dort geht Radanovic in seinem knallgelben Arbeitsoverall mit zügigen Schritten stramm über die Wiese. Nicht nur über den illegal entsorgten Hausmüll ärgert sich Radanovic. „Richtig gefährlich wird es, wenn Scherben herumliegen“, sagt er. Und prompt findet er unter einem der Bäume neben den Scherben einer Glasflasche auch Porzellanscherben. „Wenn da ein Kind hinfällt oder reintritt, dann kann es sich richtig übel verletzen“, sagt Radanovic und schimpft über die Achtlosigkeit und Rücksichtslosigkeit der Verursacher. Meist seien es Jugendliche, die sich hier träfen und denen eine Flasche zu Bruch gehe, aber auch die Erwachsenen, die Scherben auch einfach liegen ließen, will er nicht ausnehmen. Mit Argusaugen und sorgfältig durchkämmt er mit der Greifzange das Gras. „Bei Scherben nehm’ ich es ganz genau.“ Möglichst alle Bruchstücke will er finden und in in seinem blauen Müllsack mitnehmen – und schon dauert die Suche länger als kalkuliert, bis die gesamte Fläche von gut 50 Meter auf 50 Meter durchgecheckt ist samt Sandkasten, Bolzplatz und Kletterburg.

Alle 74 Plätze kommen zwei- bis dreimal die Woche dran

Fünf Spielplätze hat Radanovic an diesem Vormittag bis 9 Uhr schon unter die Lupe genommen – um 6 Uhr fängt sein Arbeitstag an. Sein Ziel ist es, alle 74 Anlaufstellen zwei- bis dreimal pro Woche zu kontrollieren. Und da kommt einiges an Abfall zusammen: Rund ein Dutzend der großen blauen Müllsäcke sind es – am Tag.

Der Spielplatz in der Tiroler Straße zählt zu jenen, die am häufigsten und am stärksten vermüllt sind. „Der Grillplatz in Warmbronn gehört auch dazu“, sagt Radanovic. „Ebenso der Spielplatz in der Esslinger Straße.“ Den muss Radanovic als nächstes anfahren. Das Spielgelände samt Bolzplatz liegt idyllisch am Rande des Gebiets Ramtel am Fuße des Ehrenbergs. Weil es aber nicht nur viel Platz zum Spielen und Toben gibt, sondern auch viel Platz zum Parken, ist es ein beliebter Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mal schnell mit dem Auto vorbeischauen. Und ein Fastfood-Restaurant von McDonald’s ist auch nicht weit. Dementsprechend muss Radanovic regelmäßig Reste von Sixpacks und Essenstüten samt Papier wegräumen. Auch heute. Und wenn er auf seiner Tour drei Tage später wieder vorbeischaut, sieht es meist nicht anders aus. Frustriert das nicht? „Nein, gar nicht. Ich gehe glücklich und zufrieden nach Hause, wenn ich weiß, dass Eltern und die Kinder einen sauberen Spielplatz vorfinden“, sagt Radanovic. „Vor allem ohne Scherben.“