Leonberg Der Autoveredler Gemballa will expandieren

Die Gemballa-Chefs mit OB Schuler (2. v.r.)  und einem Mistrale. Foto: factum/Granville 12 Bilder
Die Gemballa-Chefs mit OB Schuler (2. v.r.) und einem Mistrale. Foto: factum/Granville

Nach 20 Jahren ist der alte Standort des Betriebs im Gewerbegebiet Hertich zu klein geworden und zu wenig repräsentativ. Am liebsten würde sich das Unternehmen im neuen Gewerbegebiet Leo-West ansiedeln und damit der Stadt am Engelberg treu bleiben.

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Leonberg - Um einen Spruch ist Bernhard Schuler nie verlegen. „Es geht heute nicht darum, mir einen Dienstwagen auszusuchen.“ Der wäre die Stadt Leonberg auch mehr als teuer zu stehen gekommen. Denn der Oberbürgermeister ist einer Einladung des Autoveredlers Gemballa in dessen heilige Produktionshallen im Gewerbegebiet Hertich gefolgt.

Zwischen umgebauten Porsche Cayenne, aufgemotzten 911ern und einem McLaren in metallic-lila gibt es einen seltenen Blick hinter die Kulissen und in die Luxus-Karossen. Seit 35 Jahren nun mehr gibt es das Unternehmen, seit 20 Jahren ist es nahe der Autobahn angesiedelt. Hier treffen Zukunft und Vergangenheit aufeinander. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Nicht nur zeigt das Unternehmen Entwürfe für den neuen Gemballa Avalanche (basierend auf einem Porsche 911 Turbo), der erst 2017 beim Genfer Autosalon der Öffentlichkeit gezeigt werden soll – während neben dran ein 911er steht, der noch während seines Baujahrs 1998 von Gemballa umgestaltet wurde und nun auf den neuesten Stand gebracht werden soll. Auch der Veredler selbst will das alte Gewand abstreifen. „Wir haben vor, ins neue Gewerbegebiet Leo-West umzuziehen“, erklärt Moritz Munzinger, Vorstand der Gemballa Holding. In der Hertichstraße sei man nur Mieter, und das schon seit 20 Jahren. „Wir möchten etwas nach unseren Wünschen bauen mit genügend Platz für Werkstatt, Vertrieb und Showroom“, ergänzt Oliver Eigner, der den Vertrieb leitet. Doppelt so groß solle die neue Fläche werden, um auch die neuen Projekte umsetzen zu können.

Gespräche über Leo-West mit der Stadt stehen noch bevor

Konkrete Gespräche mit der Stadt Leonberg sollen aber erst noch stattfinden. Die erste Bewerberphase für das neue Gewerbegebiet ist schon beendet. „Da hat jetzt der Gemeinderat das letzte Wort“, erklärt Benjamin Schweizer. Der Leonberger Wirtschaftsförderer kümmert sich federführend um die Vermarktung der Grundstücke am Westanschluss. Danach könnten bereits 40 bis 50 Prozent des Areals belegt sein. Allerdings dauere es noch bis Oktober, bis auch wirklich Kaufverträge unterschrieben seien. „Dann beginnt die zweite Bewerberphase, in die wir die Firma Gemballa gern aufnehmen“, sagt Schweizer. „Für Betriebe, die Erweiterungsbedarf haben, loten wir alle Möglichkeiten aus.“

Auch der Leonberger OB steht dem Ansinnen positiv gegenüber. „Für den lokalen Markt ist ein Unternehmen wie Gemballa zwar nicht entscheidend. Aber es ist auch im kommunalen Interesse, den Namen Leonberg über die Stadtgrenzen hinaus bekanntzumachen“, sagt Schuler, der den Namen Gemballa bereits kannte, bevor er Oberbürgermeister wurde. „Es ist auch einzigartig, dass in Leonberg mit Gemballa und Techart gleich zwei berühmte Porsche-Veredler beheimatet sind“, meint Schuler. Die geplante Expansion sei wohlüberlegt, sagt Oliver Eigner. „Es gibt auch andere attraktive Standorte. Aber wir sind seit 35 Jahren in Leonberg.“ Mehr als 90 Prozent der verwendeten Teile werden im Schwabenland produziert, lediglich die Felgen stammen aus Italien. Deshalb wolle man gern am Engelberg bleiben.

Von hier aus gehen die veredelten Luxuskarossen in alle Welt. Besonders gefragt sind sie in der Golf-Region, ein stark wachsender Markt ist Asien. Ganz neu ist eine Kooperation mit einem Importeur aus Brasilien. „Der Cayenne Arrow 3 mit 750 PS wird nach der Lieferung das stärkste und schnellste Auto in Brasilien sein“, berichtet Eigner. Ein weiterer Schritt in die Zukunft.

Das Unternehmen:

Anfänge:
Bereits von 1979 an wurden erste Luxusautos verschiedener Hersteller auf Kundenwunsch umgestaltet. Daraus wurde 1981 die Firma Gemballa, die sich auf Porsche spezialisierte. Erst vor fünf Jahren kamen zwei McLaren-Modelle dazu. Eine Besonderheit bildet der Ferrari Enzo Ferrari in einer einmaligen Sonderedition 2009 als „Gemballa MIG“. Das Unternehmen ist eingetragener Autohersteller.

Schlagzeilen
: Nachdem der Gründer Uwe Gemballa 2010 in Südafrika entführt und ermordet worden war, gab es 2010 ein Insolvenzverfahren. Als Gemballa GmbH wurde der Betrieb unter Investor Steffen Korbach wieder aufgenommen, 2011 folgte der Börsengang der Gemballa-Holding. Noch 2010 wurde der Mörder Gemballas verurteilt, 2015 der Drahtzieher.

Produktion
: 15 Mitarbeiter kümmern sich um fünf Produktionsfahrzeuge pro Jahr sowie 20 Individualisierungspakete.




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