Leonberg Ein Funken Strom für den Ebola-Kampf

Von Ulrike Otto 

Marten Wilhelm vom THW Leonberg ist vier Wochen lang in Afrika im Einsatz gewesen. Dort hat er etwa dafür gesorgt, dass Krankenhäuser genügend Strom haben. Die freundlichen Menschen in diesem armen Land haben ihn beeindruckt.

Vier Wochen lang war Marten Wilhelm in einem der ärmsten Länder der Welt im Einsatz.  Foto: privat Foto:  
Vier Wochen lang war Marten Wilhelm in einem der ärmsten Länder der Welt im Einsatz. Foto: privat

Leonberg - Überall Staub und Sand, kleine dicht gedrängte Hütten mit Wellblechdächern, mit allem möglichen Krimskrams vollgestopfte Marktstände: „Der Kulturschock war heftiger, als ich erwartet hatte.“ Vier Wochen lang ist Marten Wilhelm aus Leonberg mit dem Technischen Hilfswerk im Einsatz in Sierra Leone gewesen. Anders als bei den meisten THW-Expeditionen ist das afrikanische Land nicht von Verwüstungen durch Erdbeben, Tsunamis oder Überflutungen betroffen. Die Bedrohung ist viel winziger, aber dafür umso gefährlicher: Ebola.

Zu Beginn des Jahres hatte sich das Virus in Sierra Leone rasch verbreitet, laut Weltgesundheitsorganisation WHO waren pro Woche zwischen 60 und 100 neue Fälle registriert worden.

Damit Kranke behandelt und mögliche Ansteckungen verhindert werden, ist in Sierra Leone ein Netz von Zelt-Krankenhäusern entstanden, die von heimischen Kräften und internationalen Hilfsorganisationen betrieben werden. Dabei wird auch technische Hilfe benötigt, für die das THW sorgt. „Es gibt einen medizinischen Bereich in den Zelten. Dann einen Zwischenbereich, in dem sich das medizinische Personal umzieht und sich diverse Geräte befinden. Und dann den so genannten technischen Bereich, wo ich gearbeitet habe“, erklärt Marten Wilhelm sein Aufgabengebiet. Leitungen verlegen, Steckdosen und Transformatoren installieren oder Generatoren reparieren gehörten dazu.

„In Sierra Leone gibt es quasi kein öffentliches Stromnetz, die Menschen sind auf die Generatoren angewiesen“, berichtet der Leonberger.

Mit dem Thema Ebola ist er somit nur indirekt konfrontiert worden. „Wenn Menschen mit dem Krankenwagen abgeholt worden sind, da fiel bei den Einheimischen immer wieder das Wort Ebola“, erzählt Wilhelm. Dass immer noch Menschen an dem Virus sterben, habe er beiseite geschoben, um sich auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Bei einem Projekt habe er in einem Waisenhaus der Organisation Don Bosco Generatoren installiert.

In dem Haus im Hinterland leben junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren, die entweder die Krankheit überlebt oder ihre Angehörigen durch sie verloren hatten. „Sie können nicht in ihre Dörfer zurück, weil sie durch die Krankheit stigmatisiert sind“, sagt Marten Wilhelm, der den dreitägigen Spezialeinsatz als ein ganz besonderes Erlebnis bezeichnet. „Diese Menschen sind sehr herzlich. Man merkt eigentlich keinen Unterschied zu den jungen Leuten hier zuhause“, meint der 39-Jährige.

Generell seien die Menschen in Sierra Leone ein freundliches Volk, das trotz der Armut nach dem Bürgerkrieg, der bis 2002 dauerte, sehr gut vernetzt sei. Diese Erfahrung musste er gleich am ersten Tag machen, als er gemeinsam mit Einheimischen auf die Weiterfahrt vom Flughafen wartete.

„Ich wurde gefragt, woher ich aus Deutschland komme. Ich sagte Stuttgart. Oh, das sei ganz schlecht, bekam ich zur Antwort. Stuttgart würde ja bald nur noch in der Zweiten Bundesliga spielen“, erzählt der Leonberger und lacht.

Der vierwöchige Einsatz in Afrika ist mittlerweile sein dritter für das THW. Im vergangenen Jahr half er nach dem Hochwasser in Bosnien. Und zu Beginn des Jahres 2000 hatte er nach dem Orkan Lothar in Südfrankreich mit einem Gerät des THW Leonberg für Strom für die Hilfsorganisationen gesorgt. Das ginge nur, wenn Familie und Arbeitgeber mitspielen, erklärt der Elektrotechnik-Ingenieur, der für Bosch in Leonberg arbeitet. Für die Einsätze wird er freigestellt. „Mein Arbeitgeber ist da zum Glück sehr offen.“

Bei Sierra Leone seien die Kollegen aber zunächst etwas zurückhaltend gewesen. „Da war die Frage: Komme ich krank wieder oder bin ich dann ansteckend“, erklärt der Leonberger. Er habe durch die Vorbereitung beim THW vieles erklären können. Vorsichtshalber habe er aber die erste Woche nach seiner Rückkehr von daheim aus gearbeitet. Mit Ebola hat er sich weiterhin beschäftigt. „In Sierra Leone sind ganz viele Lieder gemacht worden, in denen über die Krankheit aufgeklärt wird.“ Einige hat er als Erinnerung mitgebracht.

Maibockfest beim THW Leonberg

Wer mehr über das THW und seine Arbeit, aber auch über Marten Wilhelm und seine Einsätze erfahren will, hat an diesem Donnerstag, 30. April, und Freitag, 1. Mai, die Gelegenheit. Am Donnerstag ist um 19 Uhr der Fassanstich. Die Maibar öffnet um 20 Uhr und ab 21 Uhr gibt es Live-Musik mit Dragon Fire. Am Freitag geht es um 11 Uhr weiter mit einem Weißwurstfrühstück. Außerdem gibt es ein Kinderprogramm und das THW zeigt seine Geräte und Fahrzeuge.