Leonberg Es fließen bittere Tränen um die Stadtkapelle

Blasmusik ist das Markenzeichen der Stadtkapelle Foto: dpa-Zentralbild
Blasmusik ist das Markenzeichen der Stadtkapelle Foto: dpa-Zentralbild

Vorstand informiert die Mitglieder über eine mögliche Vereinsfusion.

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Leonberg - Wut, Fassungslosigkeit, Enttäuschung, Schock, Tränen – die Informationsversammlung der Stadtkapelle am Montagabend in der Steinturnhalle ist überaus gefühlsbetont gewesen. Der Vereisvorstand musste sich aus den Reihen der etwa 60 erschienenen Mitglieder und Musiker viel Kritik anhören, aber er hat andererseits auch viel Zustimmung für sein Vorgehen bekommen.

Nachdem sich der Moderator Wolfgang Rückert, der ehemalige Erste Bürgermeister von Leonberg und Finanzstaatssekretär a. D., vorgestellt hatte, haben Harald Zeeb als Vorsitzender der Stadtkapelle und sein Stellvertreter Wolfram Kienle erläutert, warum sie in die Diskussion mit der Lyra Eltingen über eine mögliche Fusion der beiden Musikvereine eingetreten sind. Der demografische Wandel, ein anderes Freizeitverhalten, immer mehr Ganztagsschulen und die schwindende Bereitschaft junger Menschen, sich in Vereinen zu engagieren, mache weder vor der Stadtkapelle noch vor der Lyra Halt. Die Zahl der Musiker in den Vereinen sei seit zehn Jahren fast stabil, dafür sei der Altersdurchschnitt aber auch um zehn Jahre angestiegen.

Noch ist nichts beschlossen

„Wir sind in die Diskussionen eingestiegen mit dem Ziel, die Spielfähigkeit und die Zukunft der Blasmusik zu erhalten und um die Kräfte für die Mitgliedergewinnung und vor allem die Jugend zu bündeln“, sagte Zeeb. Deshalb führe seit etwa zwei Jahren ein Ausschuss Fusionsgespräche. Dem gehören von der Stadtkapelle der Vorstand sowie die Mitglieder Martin Grausam und Andreas Schehl an und von der Lyra die Vorstände Roland Rössler, Joachim Bürklen und die Mitglieder Markus Leyrer und Alexander Lange.

Noch sei nichts beschlossen, das könne nur die Mitgliederversammlung am 16. März tun, aber man wolle auf alle möglichen Fragen vorbereitet sein und habe alle Möglichkeiten ausgelotet, bis hin zu einer Fusion, die mit der Auflösung der Stadtkapelle einhergehe, und auf einen neuen Verein hinauslaufen könnte.

Harsche Kritik

Harsche Kritik musste sich der Vorstand anhören, weil er ohne Mandat der Mitgliederversammlung die Diskussion über eine Fusion aufgenommen hat. Der Verein sei nicht so schlecht, wie er geredet werde, die Jugendarbeit sei sträflich vernachlässigt worden und jetzt, wo sie beginne Früchte zu tragen, werde hinterrücks die Auflösung des Vereins betrieben, waren einige der Vorwürfe. „Von der Stadtkapelle, wie wir sie kennen und lieben, wird nichts übrig bleiben“, sagte eine junge Musikerin unter Tränen. Sie sei schockiert, wie die Mitglieder mit einem Schreiben, in dem die Auflösung fast schon wie eine beschlossene Sache dargestellt ist, überrannt wurden.

Es gab aber auch Stimmen, die sich hinter den Vorstand stellten und eine Fusion zweier noch handlungsfähiger Vereine befürworten. Moderator Wolfgang Rückert musste oft die aufgeheizte Diskussion dämpfen und empfahl am Schluss erfolgreich allen, sich die vielen Informationen zu verinnerlichen und dann in der Mitgliederversammlung am 16. März mit ihrem Votum den zukünftigen Kurs vorzugeben.




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