Zwei große Taubenschwärme teilen sich das Stadtgebiet. Um die Population so klein wie möglich zu halten, hat die Stadt zwei Taubenschläge errichtet, in denen die Eier ausgetauscht werden. Wer die Tiere füttert, riskiert ein Bußgeld.

Leonberg - Die einen nennen sie „Ratten der Lüfte“, die anderen haben ihre Freude daran, wenn sie in Schwärmen angeflattert kommen und aufdringlich nach Fressbarem betteln – es handelt sich um Tauben, eigentlich Stadttauben. Diese stammen von verwilderten Haus- und Brieftauben ab. Stadttauben gibt es, seit Menschen größere Siedlungen bauen.

In der Leonberger Innenstadt lebt eine Vielzahl von Tauben, hier finden sie geeignete Brutmöglichkeiten und leider auch reichlich Nahrung. Der Dreck der Menschen ist für die Stadttaube die Grundlage für den Erhalt des eigenen Lebens. Aber in großen Schwärmen sind sie keine gern gesehenen Mitbewohner. Tauben verunstalten Gebäude und ihre Hinterlassenschaften stinken zum Himmel. Zudem können sie Parasiten und Krankheiten übertragen– wie andere Vögel auch.

Zwei große Schwärme in der Stadt

Problematisch wird es allerdings, wenn die Taubenschwärme immer größer werden. Dann gilt es, die Population einzudämmen. Leonberg hat zwei große, wild lebende Taubenschwärme. Der eine besiedelt die Altstadt, der andere die Stadtmitte und die Umgebung des Stadtparks.

Um nicht zu viele Tauben vor Ort zu haben, gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Leonberg hat sich für eine schonende Variante entschieden. „Mit dem ehrenamtlich aktiven Roland Zimmermann haben wir einen profunden Taubenkenner gefunden, der uns dabei hilft“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes, Jürgen Beck.

Alle drei Wochen steigt Roland Zimmermann im Alten Rathaus erst die steinerne Wendeltreppe hoch und anschließend die steile Holztreppe bis unter den riesigen Dachstuhl. Immer dabei hat er eine Leinen-Einkaufstasche, deren Inhalt so klackert, als seien es Kieselsteine. Doch es sind weiße Gebilde aus Gips, die die Form von Taubeneier haben.

Vor einigen Jahren hat die Stadt unter dem Dach des Alten Rathauses einen Taubenschlag eingerichtet. Hier wurden den Stadttauben rund 50 Nistplätze angeboten. Aber nicht mit dem Ziel, die Population zu vergrößern, sondern um das Gegenteil zu erreichen. Roland Zimmermann, der gemeinsam mit seinem Sohn Uwe selbst an die 120 Brieftauben hat, ersetzt in den Nestern die Taubeneier mit solchen aus Gips. Ein Taubenpaar hat normalerweise zwei Eier, die es ausbrütet. Die Tauben brüten auf den Gipseiern weiter und in dieser Zeit entsteht kein neuer Nachwuchs.

„Ein Taubenpaar kann unter günstigen Umständen bis zu sechs Mal im Jahr brüten“, weiß der aus Höfingen stammende Rentner. Er hat die Betreuung des Taubenschlags ehrenamtlich übernommen, denn er ersetzt nicht nur die Eier, sondern kümmert sich auch um die Sauberkeit. Allein im Alten Rathaus sammelt Zimmermann mehr als 400 Eier pro Jahr ein. „Den Schwarm in der Altstadt können wir so auf einer Stärke zwischen 80 und 100 Tieren halten“, erläutert Zimmermann,

Zwei Taubenhäuser – neben dem im Alten Rathaus auch eines auf dem Dach des Altenpflegeheim Parksee – hat die Stadt installiert. Das im Alten Rathaus wurde vor zwei Jahren um rund 40 Nistplätze erweitert. In der Stadtmitte interessiert sich nicht nur Zimmermann für die Tauben. „Die Elstern und Krähen haben gelernt, ins Taubenhaus einzusteigen und Eier zu stehlen“, hat der Rentner beobachtet.

„Die natürlichen Feinde der Tauben zu stärken, ist ein weiterer Weg, die Population klein zu halten“, sagt die Stadtsprecherin Undine Binder-Farr. Die Tauben haben in Innenstädten selten natürliche Feinde. Daher hat die Stadt vor Jahren in Zusammenarbeit mit dem Nabu Nistkästen für Wanderfalken eingerichtet, in der Stadtkirche und in der Ramtelkirche – mit Erfolg, denn bisher haben in jedem Jahr Greifvögel hier ihre Jungen groß gezogen.

Bußgeld reicht bis 50 Euro

„Finden Tauben keine Nahrung, dann ziehen sie weniger Junge groß, deshalb ist es laut der Umweltschutzverordnung der Ortspolizeibehörde Leonberg verboten, Stadttauben zu füttern“, sagt Jürgen Beck, der Leiter des Ordnungsamtes. Regelmäßiges Füttern fördere die Sesshaftigkeit der Tiere stark. Da bis zu sechs Bruten jährlich möglich sind, würden sich kleine Taubenschwärme in kurzer Zeit auf das Mehrfache vergrößern. „Verstöße gegen das Fütterungsverbot können als Ordnungswidrigkeit verfolgt und mit einem Bußgeld von 30 bis 50 Euro geahndet werden“, sagt Beck.