Leonberg: Hospiz bietet Trauergruppe an Hilfe nach dem Verlust eines Menschen

Wie bei den Pinguinen auf diesem Bild ist auch in der Trauergruppe keiner allein, man kann sich gegenseitig wärmen. Es gibt zwar einen Abgrund und Dunkelheit, aber immer auch helle Stellen. Foto: Hospiz Leonberg
Wie bei den Pinguinen auf diesem Bild ist auch in der Trauergruppe keiner allein, man kann sich gegenseitig wärmen. Es gibt zwar einen Abgrund und Dunkelheit, aber immer auch helle Stellen. Foto: Hospiz Leonberg

Der ambulante Hospizdienst und die evangelische Klinikseelsorge bieten im Sommer erstmals eine Trauergruppe an, in der sich Gleichgesinnte finden können.

Leonberg - Das Thema Trauer ist im Hospiz Leonberg allgegenwärtig – was in einer Einrichtung, in der Menschen auf der letzten Station ihres Lebens liebevoll begleitet werden, geradezu selbstverständlich ist. Regelmäßig werden Hospizleiterin Daniela John und ihre Kolleginnen von Hinterbliebenen gefragt, ob sie nicht helfen könnten, die Trauer über den Verlust eines lieben Angehörigen zu überwinden. Schon seit Längerem bietet Daniela John, die als zertifizierte Trauerbegleiterin ausgebildet ist, daher Einzelgespräche mit Trauernden an. Nun soll dieses An­gebot erweitert werden: Von Sommer an wird es im Hospiz eine Trauergruppe für Erwachsene geben.

Diese Gruppe wird Daniela John zusammen mit Karen Lücking-Löw leiten, der evangelischen Klinikseelsorgerin im Leonberger Krankenhaus, die ebenfalls eine Ausbildung als zertifizierte Trauerbegleiterin hat. An acht Montagen können sich Trauernde, die einen erwachsenen Angehörigen verloren haben, jeweils zwei Stunden lang austauschen.

Start am 2. Juli

Bis zu zwölf In­teressenten können teilnehmen, sollten es mehr werden, gibt es die Möglichkeit, eine zweite Gruppe zu bilden. Ein erster Abend zum Kennenlernen ist Ende Juni ­geplant, die Trauergruppe startet dann am 2. Juli. Interessenten sollten sich bis zum 8. Juni beim Hospiz melden.

„Wir wollen den Trauernden mit dieser Gruppe zeigen, dass sie jetzt zwar einen Menschen verloren haben, aber in der ­Situation nicht allein sind, sondern dass es viele Gleichgesinnte gibt“, erläutert Karen ­Lücking-Löw das Ziel des neuen Angebots. Wer beispielsweise eine Begleitung beim Spazierengehen brauche, könne sie in ­dieser Gruppe finden.

Durch die acht Abende sei auch eine Kontinuität garantiert, so dass sich in dem Prozess der Trauer etwas Neues entwickeln könne. Man werde Antworten auf Fragen finden, wie man mit den oft widerstreitenden Gefühlen umgehen könne oder wie es überhaupt im Leben weitergehe.

Der Sprachlosigkeit etwas entgegensetzen

„Der Verlust eines geliebten Menschen gehört zu den schwersten und schmerzlichsten Einschnitten im Leben eines ­Menschen“, erklärt Daniela John. Das kör­per­liche und seelische Gleichgewicht sei ­erschüttert, alles erscheine sinnlos. „In dieser Situation fühlen sich dann auch Familienangehörige und Freunde unsicher und meiden den Kontakt zum Trauernden“, weiß Daniela John nur zu gut. Doch gerade in der Zeit der Trauer sollte kein Mensch allein gelassen werden. „Mit dieser Gruppe wollen wir der Sprachlosigkeit etwas entgegensetzen“, erklärt Karen Lücking-Löw. Man wolle Trauernde unterstützen, eigene Formen der Bewältigung und des Erinnerns zu entwickeln und ihnen auf neuen Wegen zurück ins Leben helfen.

Die beiden Trauerbegleiterinnen stellen klar, dass die Trauergruppe für alle Konfessionen offen sei, auch wenn sie von der evangelischen Klinikseelsorge mitgetragen werde. Zudem sei das Angebot kostenfrei. „Wir freuen uns aber über Spenden, um unsere Arbeit weiterführen zu können“, sagt Daniela John. Die Möglichkeit zu Einzelgesprächen für Trauernde besteht daneben weiterhin. „Und wenn unser ­Angebot angenommen wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir im Herbst eine weitere Trauergruppe anbieten“, sagt ­Karen Lücking-Löw.




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